Vorerst keine Asylunterkunft

Der Unterengstringer Gemeinderat muss nochmals über die Bücher. Mit grosser Mehrheit folgten die Stimmberechtigten einem Antrag des SVP-Präsidenten Marcel Blum, das Geschäft über einen geplanten Asylcontainer beim alten Schulhaus zurückzuweisen.

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Sandro Zimmerli

«Der Standort ist immer falsch. Das liegt in der Natur der Sache», betonte Unterengstringens Gemeindepräsident Peter Trombik, als er an der Gemeindeversammlung über die geplante Asylunterkunft beim alten Schulhaus orientierte. Wie recht er mit dieser Aussage haben sollte, zeigte sich in der anschliessenden, teilweise hitzig geführten Diskussion.

«Der Standort ist schlecht gewählt. Im alten Schulhaus ist eine Kinderdisco und die Marionettenbühne untergebracht», sagte ein Votand. Deshalb könne man dort keine Asylunterkunft einrichten. Ein Anwohner meinte, es sei naiv zu glauben, dass man die Asylsuchenden an diesem Standort unter Kontrolle habe. «Das ist eine Illusion. Rasch wird dort eine unerwünschte Szene entstehen», sagte er. Der Anwohner nahm dabei Bezug auf ein Argument des Gemeinderates. Dieser ist der Meinung, dass der Standort im Dorfzentrum eine gewisse soziale Kontrolle der Asylsuchenden gewährleiste.

Schwierige Standortsuche

Weil auch unter den Stimmberechtigten keine Einigkeit über einen Alternativstandort herrschte - einige sprachen sich für einen Platz zwischen Autobahn und Limmat oder im Gewerbegebiet Werd aus - gipfelte die Debatte in einem Rückweisungsantrag von Marcel Blum. «An unserer Mitgliederversammlung sind wir zum Schluss gekommen, dass der Standort falsch ist», erklärte der Präsident der SVP Unterengstringen. Die 164 Stimmberechtigten folgten dem Begehren mit grosser Mehrheit.

Der Ball liegt nun wieder beim Gemeinderat. Er darf sich erneut auf die Suche nach einem geeigneten Standort machen. «Ein schwieriges Unterfangen», wie Trombik festhielt. Man habe im Vorfeld mit vielen privaten Grundstückbesitzern gesprochen. Niemand sei bereit Asylsuchende aufzunehmen. Die Gemeinde ihrerseits verfüge nur noch über wenig eigenes Land, was die Angelegenheit zusätzlich erschwere.

Ein altbekanntes Problem

Überhaupt, so Fürsorge- und Vormundschaftsvorsteherin Ursula Bachmann, befinde sich die Gemeinde in Bezug auf das Asylwesen seit Jahren

in einer schwierigen Lage. «Zurzeit beherbergt die Gemeinde drei Asylbewerber. Eigentlich wären wir aber dazu verpflichtet, 15 bei uns aufzunehmen», so Bachmann. Allerdings sei die Suche nach Wohnungen schwierig. Bislang habe man dank der Zusammenarbeit innerhalb der Kreisgemeinde - dazu gehören auch Weiningen, Geroldswil und Oetwil - das Problem lösen können. Doch mittlerweile werde es auch in diesen Gemeinden immer schwieriger, Wohnungen für Asylsuchende zu finden. «Wir können also nicht damit rechnen, dass die anderen Gemeinden weitere Asylsuchende von uns aufnehmen», erklärte sie.

Das, so Bachmann, könnte Unterengstringen künftig teuer zu stehen kommen, dann nämlich, wenn Asylsuchende aus Platzmangel beispielsweise in Hotels untergebracht werden müssten. Jetzt schon bezahle die Gemeinde jährlich geschätzte 22 000 Franken an Betreuungskosten. Davon sein alleine 8000 Franken dafür, dass andere Gemeinde ihre Asylsuchenden aufnehmen.

Mit dem geplanten Container, der 350 000 Franken kosten würde, könnte man diese Situation entschärfen, so Bachmann. So würde die Asylorganisation Zürich den Container für jährlich rund 40 000 Franken mieten. Damit wäre die Situation im Asylwesen praktisch kostenneutral.