«Vor mir war der Radar absolut leer»

Der Schweizer Luftraum ist gesperrt. Auf dem Flughafen Zürich-Kloten und auf anderen Schweizer Flugplätzen stehen die Flugzeuge reglos am Boden. Dadurch hat auch das Flugsicherungsunternehmen «Skyguide» weniger zu tun. Ein Flugverkehrsleiter erzählt.

Drucken
Teilen
Die Vulkan-Aschewolke sorgt auch in Berlin für etliche abgesagte Flüge
30 Bilder
Satelliten-Bild zeigt Rauch aus dem Eyjafjallajokull Satelliten-Bild zeigt Rauch aus dem Eyjafjallajokull
Gestrandete Passagiere beziehen ihr Nachtlager
Vulkanausbruch Island
Vulkanausbruch Island
Vulkanausbruch Island
Vulkanausbruch Island
Vulkanausbruch Island
Staub auf Strasse - Island - Vulkanausbruch
Vulkanausbruch Island
Vulkanausbruch Island
Die Vulkan-Aschewolke sorgt auch in Berlin für etliche abgesagte Flüge Die Vulkan-Aschewolke sorgt auch in Berlin für etliche abgesagte Flüge
Betroffen von der Vulkan-Aschewolke: Flugzeuge der Lufthansa am Flughafen Hamburg Betroffen von der Vulkan-Aschewolke: Flugzeuge der Lufthansa am Flughafen Hamburg
Gestrandete Passagiere
Gestrandete Passagiere
Vukanasche legt Flugverkehr lahm
Vulkanasche legt Flugverkehr lahm
Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island
Der Vulkan Eyjafjallajökull auf Island
Vukanasche legt Flugverkehr lahm
Vulkan spuckt weiter Der Vulkan im Süden von Island stößt weiterhin eine große Wolke aus Lavaasche und Rauch in die Atmosphäre. Wie das Außenministerium in Reykjavik in der Nacht zum Freitag mitteilte, konnten fast alle der 800 Betroffenen Bewohner des Gebiets wieder in ihrer Häuser zurückkehren. Die Gefahr akuter Überschwemmungen durch geschmolzenes Gletschereis sei vorerst gebannt

Die Vulkan-Aschewolke sorgt auch in Berlin für etliche abgesagte Flüge

Keystone

Manuel Bieri ist Flugverkehrsleiter bei Skyguide, Bezirksleitstelle Dübendorf: «Am Samstag habe ich lediglich zwei Stunden gearbeitet, da der Personalbestand während den Schichten reduziert wurde.» Während diesen zwei Stunden habe überhaupt kein Instrumentenflugverkehr stattgefunden. «Ich sass an meinem Arbeitplatz und vor mir war der Radar absolut leer», erzählt Bieri gegenüber «a-z.ch» und fügt hinzu: «Das war ein sehr komisches Gefühl.» So etwas habe er noch nie erlebt.

Auch die Atmosphäre im Kontrollzentrum sei besonders gewesen: «Am Samstag war es ganz still.»

Aufgabe Skyguide

Die Schweizerische Aktiengesellschaft für zivile und militärische Flugsicherung skyguide ist die europäische Spezialistin für Flugsicherung in dichten und komplexen Lufträumen. Im öffentlichen Interesse sorgt sie im Auftrag des Bundes für die sichere, effiziente und wirtschaftliche Abwicklung des Flugverkehrs im schweizerischen und im delegierten angrenzenden Luftraum. Ihr Mandat (LFG Art. 40; VFSD Art. 2) umfasst die zivile und militärische Flugsicherung, den Luftfahrtinformationsdienst, den Flugfernmeldedienst und den technischen Dienst für Installation, Betrieb und Wartung der Flugsicherungssysteme.

Falls das Bundesamt für Luftfahrt (BAZL) den Luftraum am Montag öffnen sollte, kann die Skyguide schnell reagieren, da die Arbeitspläne für das Personal bereits bestehen.

Kritik an der Sperrung des Schweizer Luftraumes

Der Schweizer Aviatik-Experte Max Ungricht spart im Interview mit «Tagesanzeiger.ch/Newsnetz» nicht mit Kritik: «Ich bin der Überzeugung, dass die Sperre hier in der Schweiz voreilig ist.» Dies vor allem, da die Entscheidungen des BAZL nicht auf Messungen beruhen würden, sondern auf theoretischen Annahmen.

Ungricht könnte sich vorstellen, dass die Fluggesellschaften selbst entscheiden können, ob sie trotz der Asche fliegen oder nicht. Und die Verantwortung für die Entscheidung selbst übernehmen.

Stecken Sie auch fest? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte via Kommentarfunktion...

Stecken Sie auch fest? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte via Kommentarfunktion...

Keystone

Der Experte schätzt, dass der Swiss mit jedem Tag, an welchem die Flugzeuge am Boden stehen, rund 15 Millionen Franken entgehen.

BAZL verteidigt Entscheidung

Ein Sprecher des BAZL verteidigt die Verlängerung der Flugsperre gegenüber der «Tagesschau»: «Wir sind der Sicherheit verpflichtet.» Zudem hätten Messungen ergeben, dass die Wolke über der Schweiz tatsächlich existiere. «Es kann aber nicht gesagt werden, ab welcher Dichte die Wolke für Flugzeuge zum Problem werden könnte.» Deshalb wurde die Sperrung sicherheitshalber verlängert.

Luftraumsperre über der Schweiz bis Montag verlängert

Da die Aschewolke aus Island gemäss Prognosen weiterhin über der Schweiz verbleiben wird, hat das BAZL die Sperrung des Luftraums aus Sicherheitsgründen um 24 Stunden bis morgen Montag 14.00 Uhr verlängert. Die Massnahme gilt für Flüge nach Instrumentenflugregeln. Davon betroffen ist vor allem die kommerzielle Luftfahrt. Der Luftraum in grosser Höhe ist ab 36 000 Fuss (rund 11 000 Meter über Meer) freigegeben. Flüge nach Sicht sind während des Tages ebenfalls weiterhin erlaubt. In diese Kategorie fallen vor allem Fluggeräte der Freizeitfliegerei. Das BAZL wird die Lage weiterhin beobachten und spätestens am Montagvormittag über weitere Entscheide informieren

Swiss streicht am Montag 380 Flüge

Beruhigung nicht in Sicht Der isländische Vulkan spuckt und spuckt...

Beruhigung nicht in Sicht Der isländische Vulkan spuckt und spuckt...

Keystone

Betroffen sind am Montag 380 Swiss-Flüge, erklärte Donzel weiter. Ob die Europaflüge nach 20 Uhr abheben können, entscheide die Swiss am Montagmittag.

Für Sonntag annullierte die Swiss 400 Flüge mit rund 45'000 Reservationen. Nach wie vor seien alle Langstreckenjets im Ausland blockiert, sagte Donzel. Alle Europaflieger stünden in der Schweiz.

Pauschaltouristen kriegen ihr Geld in der Regel zurück

Wer bei Kuoni ein Pauschal-Arrangement gebucht hat, aber wegen der Flugausfälle nicht abfliegen konnte, erhält das Geld zurück. Das gilt für Reisende, die am Samstag oder Sonntag hätten abfliegen müssen.

Die Zusatzkosten an den Feriendestinationen werden von Kuoni oder der Reiseversicherung übernommen, wie es in einer Mitteilung vom Sonntag hiess. Bei Kuoni hätten am Wochenende rund 2100 Personen abreisen oder in die Schweiz zurückkehren sollen. Derzeit organisiert Kuoni den Rücktransport gestrandeter Touristen.

Auch bei TUI Suisse werden abgesagte Pauschalreisen in der Regel in vollem Umfang zurückerstattet, wie es auf Anfrage hiess. Anders ist die Ausgangslage aber beispielsweise dann, wenn dem Reisenden eine Alternative angeboten wird, die dieser dann nicht antreten kann oder will.

Bei Hotelplan erhalten die Kunden ihr Geld zurück, sofern die Gesellschaft für nicht-erbrachte Leistungen beispielsweise von Hoteliers oder Fluggesellschaften entschädigt wird, wie es auf Anfrage hiess. Bei Hotelplan sind mehrere Tausend Kunden von den Flugausfällen betroffen.

Blockierten Touristen wird geraten, in den nächsten Tagen mit ihrem Anbieter Kontakt aufzunehmen, um allfällige Rückzahlungen zu regeln oder neue Buchungen vorzunehmen. Individualreisende erhalten jene Kosten zurückerstattet, die von den Fluggesellschaften und Hotels vergütet werden. (Agenturen/skh)

Aktuelle Nachrichten