Manuel Bieri ist Flugverkehrsleiter bei Skyguide, Bezirksleitstelle Dübendorf: «Am Samstag habe ich lediglich zwei Stunden gearbeitet, da der Personalbestand während den Schichten reduziert wurde.» Während diesen zwei Stunden habe überhaupt kein Instrumentenflugverkehr stattgefunden. «Ich sass an meinem Arbeitplatz und vor mir war der Radar absolut leer», erzählt Bieri gegenüber «a-z.ch» und fügt hinzu: «Das war ein sehr komisches Gefühl.» So etwas habe er noch nie erlebt.

Auch die Atmosphäre im Kontrollzentrum sei besonders gewesen: «Am Samstag war es ganz still.»

Skyguide entscheidet derzeit laufend über das nötige Personal. «Ein Teil des Personals kann zu Hause bleiben» Es seien aber sicher immer so viele Personen anwesend, wie für die Sicherstellung der Aufsicht nötig sei, betont Bieri.

Falls das Bundesamt für Luftfahrt (BAZL) den Luftraum am Montag öffnen sollte, kann die Skyguide schnell reagieren, da die Arbeitspläne für das Personal bereits bestehen.

Kritik an der Sperrung des Schweizer Luftraumes

Der Schweizer Aviatik-Experte Max Ungricht spart im Interview mit «Tagesanzeiger.ch/Newsnetz» nicht mit Kritik: «Ich bin der Überzeugung, dass die Sperre hier in der Schweiz voreilig ist.» Dies vor allem, da die Entscheidungen des BAZL nicht auf Messungen beruhen würden, sondern auf theoretischen Annahmen.

Ungricht könnte sich vorstellen, dass die Fluggesellschaften selbst entscheiden können, ob sie trotz der Asche fliegen oder nicht. Und die Verantwortung für die Entscheidung selbst übernehmen.

Unbestritten sei jedoch die Gefährlichkeit der Asche für den Flugbetrieb. Dies hätten genügend Beispiele in der Vergangenheit gezeigt. Die Asche könne zu Störungen der Triebwerke führen, so Ungricht weiter.

Der Experte schätzt, dass der Swiss mit jedem Tag, an welchem die Flugzeuge am Boden stehen, rund 15 Millionen Franken entgehen.

BAZL verteidigt Entscheidung

Ein Sprecher des BAZL verteidigt die Verlängerung der Flugsperre gegenüber der «Tagesschau»: «Wir sind der Sicherheit verpflichtet.» Zudem hätten Messungen ergeben, dass die Wolke über der Schweiz tatsächlich existiere. «Es kann aber nicht gesagt werden, ab welcher Dichte die Wolke für Flugzeuge zum Problem werden könnte.» Deshalb wurde die Sperrung sicherheitshalber verlängert.

Luftraumsperre über der Schweiz bis Montag verlängert

Das Bundsamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat die Luftraumsperre über der Schweiz wegen der Aschewolke bis am Montag um 14.00 Uhr verlängert. Das BAZL wird die Lage laufend neu analysieren und spätestens morgen Vormittag über das weitere Vorgehen informieren.

Da die Aschewolke aus Island gemäss Prognosen weiterhin über der Schweiz verbleiben wird, hat das BAZL die Sperrung des Luftraums aus Sicherheitsgründen um 24 Stunden bis morgen Montag 14.00 Uhr verlängert. Die Massnahme gilt für Flüge nach Instrumentenflugregeln. Davon betroffen ist vor allem die kommerzielle Luftfahrt. Der Luftraum in grosser Höhe ist ab 36 000 Fuss (rund 11 000 Meter über Meer) freigegeben. Flüge nach Sicht sind während des Tages ebenfalls weiterhin erlaubt. In diese Kategorie fallen vor allem Fluggeräte der Freizeitfliegerei. Das BAZL wird die Lage weiterhin beobachten und spätestens am Montagvormittag über weitere Entscheide informieren

Swiss streicht am Montag 380 Flüge

Die Swiss streicht derweil morgen Montag alle Langstreckenflüge ab und in die Schweiz sowie alle Europaflüge bis 20 Uhr. Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel betonte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA die Sicherheit: Bei der Swiss gelte "safety first".

Betroffen sind am Montag 380 Swiss-Flüge, erklärte Donzel weiter. Ob die Europaflüge nach 20 Uhr abheben können, entscheide die Swiss am Montagmittag.

Für Sonntag annullierte die Swiss 400 Flüge mit rund 45'000 Reservationen. Nach wie vor seien alle Langstreckenjets im Ausland blockiert, sagte Donzel. Alle Europaflieger stünden in der Schweiz.

Pauschaltouristen kriegen ihr Geld in der Regel zurück

Wer bei Kuoni ein Pauschal-Arrangement gebucht hat, aber wegen der Flugausfälle nicht abfliegen konnte, erhält das Geld zurück. Das gilt für Reisende, die am Samstag oder Sonntag hätten abfliegen müssen.

Die Zusatzkosten an den Feriendestinationen werden von Kuoni oder der Reiseversicherung übernommen, wie es in einer Mitteilung vom Sonntag hiess. Bei Kuoni hätten am Wochenende rund 2100 Personen abreisen oder in die Schweiz zurückkehren sollen. Derzeit organisiert Kuoni den Rücktransport gestrandeter Touristen.

Auch bei TUI Suisse werden abgesagte Pauschalreisen in der Regel in vollem Umfang zurückerstattet, wie es auf Anfrage hiess. Anders ist die Ausgangslage aber beispielsweise dann, wenn dem Reisenden eine Alternative angeboten wird, die dieser dann nicht antreten kann oder will.

Bei Hotelplan erhalten die Kunden ihr Geld zurück, sofern die Gesellschaft für nicht-erbrachte Leistungen beispielsweise von Hoteliers oder Fluggesellschaften entschädigt wird, wie es auf Anfrage hiess. Bei Hotelplan sind mehrere Tausend Kunden von den Flugausfällen betroffen.

Blockierten Touristen wird geraten, in den nächsten Tagen mit ihrem Anbieter Kontakt aufzunehmen, um allfällige Rückzahlungen zu regeln oder neue Buchungen vorzunehmen. Individualreisende erhalten jene Kosten zurückerstattet, die von den Fluggesellschaften und Hotels vergütet werden. (Agenturen/skh)