Basel Tattoo
Vor den Ferien ein Trip nach Basel

Ein Highlight des Basel Tattoo sind die 30 Pferde der königlichen Garde Blues & Royals, die erstmals in der Schweiz sind. Sie werden auch an der heutigen Parade für bewundernde Blicke sorgen.

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Tattoo Basel

Tattoo Basel

bz Basellandschaftliche Zeitung

Loris Vernarelli

Von Starallüren keine Spur, obwohl sie am heute beginnenden Basel Tattoo die Hauptattraktion sind. Achilles, Thompson, Yorkie und ihre 27 Kollegen scheinen sich mit der ungewohnten Unterkunft angefreundet zu haben. Eigentlich hätten sie allen Grund, sich zu beklagen, sind sie doch geräumige Ställe und weite, grüne Weiden gewöhnt. Aber weder die 24-Stunden-Fahrt in einem Sattelschlepper von London ans Rheinknie noch die provisorischen Stallungen auf der öden Teerfläche hinter der Messehalle 3 bringen die Vierbeiner aus der Fassung. «Horses are tough and adaptable animals» (Pferde sind harte und anpassungsfähige Tiere), bringt es Paul Hawkshaw, Mitglied der Band of the Blues and Royals, auf den Punkt.

Blues and Royals ist der Name eines englischen Gardekavallerie-Regiments, das zusammen mit den Life Guards die sogenannte Household Cavalry bildet. An Nationalanlässen begleitet die Cavalry als Leibwache die Kutsche der Königin und nimmt an weiteren protokollarischen Ereignissen teil. Auch deshalb verlässt die berittene englische Garde ihren Aufenthaltsort in der Nähe Londons äusserst selten. Dass die 30 Pferde samt 50 Begleitern den langen Weg nach Basel unter die Hufe beziehungsweise die Füsse genommen haben, grenzt an eine kleine Sensation.

Der erste Eindruck der Schweiz hätte nicht besser sein können. Nur 15 Minuten musste der englische Tross am Zollübergang warten, dann waren alle Formalitäten erledigt. «Ich muss den Zollbehörden und der Grenzwache ein Kränzchen winden. Sie waren auf unsere Ankunft bestens vorbereitet, so dass alles sehr rasch ging», erklärt Hans-Ueli Früh. Er ist der Liaisons Officer, also das Bindeglied zwischen Tattoo-Organisation und den Blues and Royals. Gibt es eine Frage oder einen Wunsch, tritt Früh in Aktion. Wie jetzt, als Veterinärin Laura Holmes um 30 grosse Schwämme bittet.

Belohnung für langjährige Loyalität

Die Pflege der sieben- bis 24-jährigen Pferde hat höchste Priorität. Nebst den 30 Musikern - sie durchlaufen einen fünfmonatigen Intensivreitkurs der Household Cavalry, bevor sie öffentlich auftreten - kümmern sich weitere 20 Soldaten um die Tiere. Waschen, füttern, streicheln, und das alles mehrmals am Tag. Es ist nicht übertriebene Fürsorge, denn die Vierbeiner geniessen innerhalb der britischen Armee einen hohen Stellenwert. «Wenn sie zu alt für ihren Dienst sind, kommen sie in sorgfältig ausgewählte Pferdepensionierungen, als Belohnung ihrer langjährigen Loyalität», erzählt Paul Hawkshaw.

Sogar den Titel eines Majors trägt Achilles, das sogenannte Drum Horse. Es ist das wichtigste Pferd, weil es die beiden schweren Kesselpauken trägt und immer an der Spitze der Formation läuft. Durch die buschige Mähne und die langen weissen Haare an den Beinen unterscheidet sich Achilles auch äusserlich von seinen 29 Artgenossen. Wie ihre Reiter beziehen die Pferde der königlichen Garde Ferien. So auch nach dem Basel Tattoo: Drei Wochen lang dürfen sie sich an einem ruhigen Ort von den Strapazen erholen und ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen, dem Fressen.

Vorerst müssen sie sich aber auf dem Kasernenareal ins Zeug legen. Mit stoischer Ruhe lassen die Tiere auch die erste Probe in der noch menschenleeren Arena über sich ergehen. Frei nach dem Motto: Ein Soldat verliert nie die Nerven.

Das 4. Basel Tattoo wird heute mit der grossen Parade eröffnet. Alle Mitwirkenden sowie die Teilnehmer des gleichzeitig in Basel stattfindenden Pipefest starten um 11 Uhr am «Bankverein». Die Route führt über die Mittlere Brücke bis zum Messeplatz.

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