Von wegen: Es gibt doch Neues zu erzählen

Ein Dorf im Wandel: Bätterkinden sieht heute so aus – welche Gebäude im 12./13. Jahrhundert in der Gemeinde standen, soll dereinst die Dorfchronik dokumentieren.  (Oliver Menge)

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Ein Dorf im Wandel: Bätterkinden sieht heute so aus – welche Gebäude im 12./13. Jahrhundert in der Gemeinde standen, soll dereinst die Dorfchronik dokumentieren. (Oliver Menge)

Die Gemeinde Bätterkinden erhält eine Dorfchronik. Derzeit arbeitet eine Projektgruppe fleissig an dem zukünftigen 300-Seiten-Buch – und ist immer noch auf der Suche nach Sponsoren.

Fabienne Wüthrich

So sollte ein Artikel im Prinzip nie anfangen: «Eigentlich gibt es nicht viel Neues bei unserem Projekt Dorfchronik», sagt Hermann Schmidli, Bätterkindens Vizegemeindepräsident (SP). Aber? «Die Arbeiten sind in den vergangenen Monaten schon fortgeschritten.» Er könne vielleicht nichts Spektakuläres erzählen, jedoch habe er trotzdem einige interessante Neuigkeiten zu vermelden. Und dies, obwohl die Chronik erst 2011 fertig sein muss. Dann feiert die Gemeinde nämlich ihr 750-Jahr-Jubiläum.

Die Arbeit der Projektgruppe wurden letztes Jahr behindert - als das Referendum gegen den dafür vorgesehenen Verpflichtungskredit von 170 000 Franken ergriffen wurde (siehe Kasten). «Das hat uns schon zurückgeworfen», sagt Schmidli. Er gibt zu: Sie hätten zwar weitergearbeitet, jedoch «nicht mehr so motiviert». Dennoch bleibe genügend Zeit. «Geschadet hat uns das also nicht unbedingt», sagt er.

Experte steht mit Rat und Tat zur Seite

Die Projektgruppe für das geplante 300-seitige Buch würde fleissig an ihren Kapiteln arbeiten; sie träfen sich etwa alle drei Monate. Sie, das seien der ehemalige Gemeindepräsident Bernhard Witschi, der Postfilialenleiter Hans Peter Knuchel, der Unternehmer Jules Weber, die Kirchenrätin Ursula Schneider und er. Alle fünf widmen sich laut Schmidli verschiedenen Themen - so werde die Chronik dereinst denn auch gegliedert sein. Witschi sei nun daran, die Schule «auseinanderzunehmen», Weber bearbeite das Gewerbe und die Landwirtschaft, Knuchel die Burgergemeinde, Schneider - das liege auf der Hand - die Kirchgemeinde.

Er selber stelle die geschichtliche Entwicklung Bätterkindens dar. Um diese nahtlos niederzuschreiben, sitzt Schmidli stundenlang in der Bibliothek und im Berner Staatsarchiv. «Manchmal finde ich eine Woche nichts», sagt er. «Dann wieder zahlreiche Dokumente.» Es sei Fleissarbeit, die er verrichten müsse. «Doch als Rentner habe ich schliesslich Zeit dafür.» Die Geschichte Bätterkindens beginne so um das 12./13. Jahrhundert. Teilweise seien die verschiedenen Quellen lateinisch oder in altem Deutsch geschrieben. Vieles sei aber «zum Glück übersetzt oder kommentiert». Natürlich müsse ebenfalls ein Experte das Geschriebene durchlesen. «Die Geschichte soll schliesslich nicht verfälscht werden - und vollständig sein», sagt er. Hilfe fand Schmidli bei Heinz Herzig aus Rüdtligen-Alchenflüh. Er ist ehemaliger Geschichtsprofessor und stellt in seiner Gemeinde ein Ortsbuch auf die Beine. «Herzig steht mir mit Rat und Tat zur Seite», so der Gemeinderat.

Viel Herzblut - wenig Entschädigung

Um an einem solchen Projekt mitzuarbeiten, bedürfe es «viel Herzblut». Denn mit ihrer Arbeit würden die Mitglieder nicht reich. «Wir erhalten Sitzungsgelder im Rahmen der normalen Gemeindetarife», sagt Schmidli. Das sei aber nicht viel. Über ein allfälliges Honorar werde schliesslich nach der Fertigstellung der Chronik diskutiert. So oder so: Momentan beschäftige sie der Lohn noch nicht gross; es gelte, andere Probleme zu lösen. Beispielsweise die Frage der Gestaltung. «Unter anderem sollte die Form des Textes immer gleich sein», sagt er. Gegenseitig würden sie solche Probleme nun absprechen und natürlich lösen. An der nächsten Sitzung sei eine Expertin der Berner Firma Stämpfli Verlag AG dabei - diese druckt das Buch, wenn es einmal fertig gestellt ist. «Die Expertin wird uns noch Tipps geben und zeigen, was sie von uns erwartet.» Bis Ende 2010 habe die Projektgruppe jedoch Zeit. Schmidli: «Wir sind im Fahrplan; das reicht sicher.» Danach werde der Verlag das Buch gestalten und drucken.

Neben dem Verfassen der Texte sucht die Projektgruppe derzeit aber ebenfalls Sponsoren. «Trotz der Wirtschaftskrise verlief das bisher positiv», sagt er. Der Lotteriefonds, die Kirch- und Burgergemeinde sowie der Verein Dorfmuseum hätten grosszügige Beiträge an die Chronik gespendet. Wie viel das sei, möchte der Gemeinderat nicht verraten. Schmidli fügt an: «Und die Firmen haben wir gar noch nicht angeschrieben.» Das solle Ende Sommer in Angriff genommen werden. Ein dafür erstelltes Sponsoringkonzept helfe dabei, das Gewerbe vom Projekt zu überzeugen.

Die geplante Bätterkinder Dorfchronik nimmt somit langsam, aber sicher Konturen an. Und: Obwohl es «eigentlich nichts Neues gibt», konnte Hermann Schmidli doch recht viel Interessantes über das Projekt erzählen.

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