Von der Wohnstrasse zum Dorfteil mit Anschluss

Wegen des Baus der Autobahn mussten Häuser im Dorfteil Unterhof weichen, der Langacher ist nicht mehr das idyllische Wohnquartier von einst; die beiden Quartiere stehen im Zentrum des Dättwiler Dokumentes XI.

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Aargauer Zeitung

Katia Röthlin

Dättwil, gut dokumentiert

Das Dättwiler Dokument XI befasst sich unter dem Titel «Dorfteile mit Anschluss» mit den Ortsteilen Unterhof und Langacher, die sich vor allem auch mit dem Bau der Autobahn stark verändert haben. Die Dättwiler Dokumente werden von der Chronikgruppe Dättwil erarbeitet. Das Redaktionsteam, bestehend aus Antoinette Hauri-Karrer, Irène Som-Käufeler und Ueli Sax, und diverse Autorinnen und Autoren tragen Informationen aus Archiven zusammen, sprechen mit Alteingessenen und Neuzuzügern und sichern so Wissen über Dättwil. Dieses machen sie in den Dättwiler Dokumenten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Die Dokumente sind verständlich geschrieben und reich illustriert. Alle Dättwiler Dokumente können bei der Chronikgruppe bezogen werden. Chronikgruppe Dättwil, Postfach 5218, 5405 Dättwil,
Telefon 056 493 38 43,
www.chronikgruppe.ch,
chronikgruppe.daettwil
@baden.ch. (kru)

«Schau, der alte Gartenhag steht immer noch», sagt Marlis Müller-Weber auf dem Rundgang durch das Langacherquartier nach der Vernissage des Dättwiler Dokumentes XI. Ihr Bruder nickt. «Den hat unser Vater selber gebaut. Er besteht aus alten Wasserleitungen und man konnte ihn benutzen, um den Garten zu spritzen.» Die Familie Weber lebte während rund 20 Jahren im Quartier und verliess Dättwil 1969. Heute ist das ehemalige Wohnquartier kaum mehr wiederzuerkennen. Die sieben verbleibenden Häuser liegen eingepfercht zwischen Gewerbebauten und der stark befahrenen Mellingerstrasse.

Liebesbrief des Stadtammanns

Anekdoten wie die von Marlis Müller hörte man auf dem Rundgang nach der Vernissage des neuesten Dättwiler Dokumentes immer wieder. Über 100 Alteingesessene und Neuzuzüger waren gekommen, um gemeinsam mit der Chronikgruppe und ihrer Präsidentin Antoinette Hauri-Karrer das neueste Dokument zu feiern.

Stadtammann Stephan Attiger, selber in Dättwil aufgewachsen, liess es sich nicht nehmen, ein Grusswort an die zahlreichen Gäste zu richten. Das Dorf habe sich seit seiner Kindheit stark verändert. «Die Post hat damals noch keine Süssigkeiten verkauft, dafür wusste der Posthalter, wenn ich meiner Freundin einen Liebesbrief geschrieben habe.» Es sei sehr wichtig, dass Erinnerungen dokumentiert würden. «In Dättwil gab es viele Visionen, man hat das Dorf entwickelt. Ob alles so herausgekommen ist, wie es sich die Planer vorgestellt haben, das weiss man erst im Nachhinein», so Attiger. Wenn man im neuen Dokument lese, habe man das Gefühl, nach Hause zu kommen.

Vergangenheit und Zukunft

Auf 140 Seiten finden sich im neuen Dokument Erinnerungen zu Unterhof und Langacher, aber auch Zukunftsaussichten. So wird der ehemalige Stadtarchitekt Josef Tremp wie folgt zitiert: «In 40 Jahren sind wahrscheinlich alle kleinen Einfamilienhäuser weg. Der Druck der Autobahn ist immens und wird zu einer Aufstockung bestehender Bauten führen und zu einer Verdichtung. Die Planung, so wie sie am Galgenbuck momentan aussieht, geht diesbezüglich langfristig zu wenig weit.»

Dättwil hat sich in den vergangenen 40 Jahren stark verändert. Das zeigt das neue Dättwiler Dokument deutlich. Es wird sich aber insbesondere mit der Überbauung des Galgenbucks noch einmal weiter entwickeln. Die Chronikgruppe wird diese Veränderungen hoffentlich weiterhin beobachten und dokumentieren.