Drogenhandel
Von der Strasse ins Netz: Drogenhandel im Internet floriert

Der Handel mit Drogen verlagert sich zusehends von der Strasse ins Internet. Dealer und Käufer benutzen verschlüsselte Netzwerke und bleiben so anonym. Bezahlt wird in virtueller Währung. Der Handel ist lukrativ, die Dealer schwer zu fassen.

Sebastian Wendel
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Drogenhandel im Schutze der Internet-Anonymität (Symbolbild)

Drogenhandel im Schutze der Internet-Anonymität (Symbolbild)

Keystone

Vor wenigen Tagen haben Fahnder in Deutschland einen internationalen Drogenhändler-Ring zerschlagen. Drogen, Bargeld, Immobilien und Fahrzeuge im Wert von rund 850000 Franken stellten die Beamten sicher.

Immer wieder vermelden die Behörden solche Fahndungserfolge. Das Aussergewöhnliche am oben beschriebenen ist, dass in diesem Fall die Drogen über das Internet verkauft wurden. Anders als der Handel auf der Strasse ist der digitale bislang praktisch nicht zu bekämpfen.

Auf dem Online-Portal des Trendmagazins „Vice" gewähren ein Strafverteidiger und ein Online-Dealer Einblick in die Welt des digitalen Drogenhandels.

Die Deals werden über hochkomplex und sicher verschlüsselte Netzwerke abgewickelt. Bekannteste Plattform ist das Darknet, (zu Deutsch: dunkles Netz). Darin stellen die Teilnehmer ihre Verbindung zueinander manuell her, verschlüsseln diese und sind so geschützt vor jeglichen Angriffen einer Drittperson. Hier tauschen sich Verkäufer und Kunde anonym über Menge, Preise, Art der gewünschten Droge und Versandadresse aus.

Kommt dazu, dass die Verkäufer die Ware praktisch nie selber zu Gesicht bekommen. Sie haben ein weitreichendes Netz von Mittelsmännern, die die Ware besorgen, verpacken und verschicken. Die Bezahlung erfolgt per Bitcoin, eine Online-Währung. Die Käufer kaufen Bitcoins und bezahlen mit diesen die erhaltene Ware. Die Verkäufer tauschen die Bitcoins zu einem späteren Zeitpunkt in reales Geld um.

Das Geschäft ist lukrativ: Die Kunden erhalten die Drogen erheblich günstiger als auf der Strasse. Die Verkäufer reiben sich die Hände, weil der Bitcoins-Kurs täglich steigt.

Der Staatsanwalt warnt auf „Vice" vor der grossen Gefahr, die durch den Online-Handel ausgeht. „Die Hemmung, Drogen zu besorgen, sinkt stark", sagt er. Gleichzeitig sei es für Behörden wegen der Verschlüsselung der Netzwerke extrem schwierig, sich einzuschleusen. Ein Mittel gegen die anonymen Plattformen gibt es noch nicht, darum werden wohl auch in naher Zukunft nur ganz selten digitale Drogenringe gesprengt.