Roessli

Von der Rössli-Kreuzung zum Rössli-Platz

Nach der Autobahneröffnung wird der Verkehr auf der Mettmenstetter Rössli-Kreuzung in neue Bahnen gelenkt.

Roessli

Nach der Autobahneröffnung wird der Verkehr auf der Mettmenstetter Rössli-Kreuzung in neue Bahnen gelenkt.

Das Sechs-Millionen-Franken-Projekt zur Neugestaltung der Mettmenstetter Ortsdurchfahrt hat am Mittwochabend über 300 Personen in die Wygarten-Turnhalle gelockt. Zum Vorhaben waren wohlwollende aber auch kritische Wortmeldungen zu hören.

Von Martin Platter

Die flankierenden Massnahmen des Kantons bei der Ortsdurchfahrt Mettmenstetten sind äusserst umfangreich, wie am Mittwochabend in der bis auf den letzten Platz gefüllten Wygartenturnhalle zu vernehmen war. Nach einer kurzen Einleitung von Gemeindepräsident Hans Hefti stellten Gemeinderat Alex Birchler, Raymond König, Projektleiter des kantonalen Tiefbauamtes für flankierende Massnahmen (FlaMa) sowie der frühere Regionalplaner, Architekt und Projektverfasser Hugo Wandeler die Neugestaltung der Mettmenstetter Ortsdurchfahrt vor. Die Eingriffe beginnen von Richtung Affoltern her kommend bereits bei der Einmündung der Dachlisserstrasse. Dort soll ein Kreisel entstehen, «um den Verkehr auf tieferem Geschwindigkeitsniveau zu verflüssigen», wie es König umschrieb. Der Verkehrsplaner rechnet nach der Eröffnung der A4 durchs Säuliamt am 13. November mit einer merklichen Reduktion des Durchgangsverkehrs. 40 Prozent weniger Personenwagen und sogar 80 Prozent weniger Lastwagen sollen sich dereinst durch Mettmenstetten wälzen. Die Fahrt durch die Dörfer soll nach der Autobahneröffnung für den motorisierten Verkehr so unattraktiv wie möglich gestaltet werden, um den Verkehrsstrom auf die Nationalstrasse zu lenken.

Velo, Auto und Fussgänger gleichberechtigt

Aus der Zürichstrasse wird so ein Verkehrsweg mit gleicher Berechtigung für Fussgänger, Fahrrad und motorisierter Verkehr. In Zahlen ausgedrückt heisst das: Vom Kreisel beim Dorfeingang bis zum zweiten Kreisel, der unterhalb des Restaurants Rössli entstehen soll, wird die Fahrbahn optisch verengt, wie das bereits auf der Bahnhofstrasse praktiziert wurde. Keine Mittellinie mehr, nur noch zwei Streifen, die die Fahrradfahrspur vorgeben. Sie ist auf beiden Seiten 1,25 Meter breit und wird von einem zwei Meter breiten Trottoir flankiert. Für die Autos bleiben fünf Meter, zum Kreuzen wird auf die Velospur ausgewichen. Auf der schmaleren Dachlisser-, Albis- beziehungsweise Rossauerstrasse ist nur ein Velostreifen vorgesehen. Auf aufwendige Pflästerungen wird aus Kostengründen verzichtet.

Umfassend sind auch die Veränderungen auf der Rössli-Kreuzung «zugunsten von mehr Lebensqualität», erklärte Wandeler. Bisher dominierten die Strassen und Parkplätze den Raum zwischen Gemeindehaus, «Rössli», Volg, Bank und Drogerie. Das solle sich in Zukunft ändern. Zu Gunsten des Platzes vor «Rössli» und Volg werde die Strasse etwas mehr Richtung Gemeindehaus/Kirche verlegt. Die Rabatten, die «niemandem etwas bringen», werden Bäumen und losen Parkplätzen weichen, führte Wandeler aus. Die Gartenwirtschaft vor dem Rössli könne so rund dreimal mehr Platz beanspruchen. Und auch die gefährlichen Parkplätze beim Volg könnten eliminiert werden. Die Neugestaltung der Liegenschaften an der Albisstrasse 12 - 16 würde ins Konzept integriert.

Links abbiegen nicht mehr möglich

Wer von der Albisstrasse Richtung Knonau/Rossau/Zug fahren möchte, muss allerdings zuerst die Fahrbahn nach Affoltern nehmen und um den Rössli-Kreisel fahren, ehe das Ziel angesteuert werden kann. Birchler wiederum sprach von «einer einmaligen Chance, die in den nächsten 20 Jahren nicht mehr wiederkommt.» Bei Zustimmung der Bevölkerung würde der Kanton als Projektverfasser auch die Bauführung für das Sechs-Millionen-Franken-Projekt übernehmen. Die Gemeinde hätte einen Anteil von 0,8 Millionen Franken zu bezahlen. Mit mehr Aufenthaltsqualität, neuen Einkaufsmöglichkeiten an der Albisstrasse 12 - 16 und der optischen Aufwertung des Dorfkerns dank Gesamtkonzept warb Birchler für das Projekt.

Differenzierte Diskussion

In der folgenden Diskussion teilten die Anwesenden die Meinung der Projektverfasser nur bedingt. Auf die Frage, was denn geschehen würde, zahlte die Gemeinde keine 800 000 Franken, erklärte König, dass der Kanton die Kreisel samt Fahrbahnneugestaltung und Trottoirs ohnehin bauen würde. Ein Votant regte an, die Albisstrasse hinter Volg und «Rössli» zu verlegen und so ohne zahlreiche Inselchen sowie Einspurstrecke direkt in den Kreisel münden zu lassen, was Erheiterung auslöste.

Ernst gemeint waren dagegen die ausführlichen Verbesserungsvorschläge der Gruppe «Läbige Rössliplatz». Birchler bedankte sich und versprach, in den kommenden Tagen die Vorschläge eingehend zu prüfen. Bis nach den Sommerferien soll das Projekt überarbeitet werden. Im Herbst ist die öffentliche Planauflage und am 14. Dezember wird das Geschäft der Gemeindeversammlung vorgelegt - zusammen mit dem Projekt der Sanierung/Neugestaltung der gemeindeeigenen Albisstrasse 12 - 16. Bei Annahme würde im Frühling 2010 mit den Bauten begonnen werden. Nichtsdestotrotz warnte ein Votant vor falschen Illusionen: Die Rössli-Kreuzung sei und bleibe eine Strassenkreuzung.

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