Gnadenhof

Von Aufgeben ist keine Rede

Der Gnadenhof Kaisten bietet vielen Tieren ein Zuhause auf Lebzeiten.

Von Aufgeben ist keine Rede

Der Gnadenhof Kaisten bietet vielen Tieren ein Zuhause auf Lebzeiten.

Der Tierlignadenhof Kaisten ist in seiner Art einmalig. Hier wird einer grossen Tiergemeinschaft ein Zuhause auf Lebzeiten geboten. Trotz aller Schwierigkeiten soll diese Gemeinschaft auch in Zukunft Bestand haben.

Susanne Hörth

Gemeinschaft, Harmonie, Artenreichtum: All dies trifft auf den Tierlignadenhof in Kaisten zu. Zum Alltag des grossen Hofes von Monika Spoerlé und ihren über 120 tierischen Schützlingen gehören aber auch sehr viel Arbeit und immer wieder auch Existenzängste. Seit vielen Jahren, 14 davon in Kaisten, engagiert sich Monika Spoerlé für alte, vernachlässigte, ausgesetzte und kranke Tiere. Gibt ihnen ein Zuhause auf Lebzeiten, sorgt dafür, dass es den Tieren in keiner Beziehung fehlt. Dass dies funktioniert, dafür braucht es in engagierte Menschen, die bereit sind, zuzupacken. Und diese Personen gibt es.

Die 22-jährigen Zwillinge Janina und Stefanie Sutter investieren schon sehr lange einen grossen Teil ihrer Freizeit ehrenamtlich für den Tierlignadenhof. «Seit 14 Jahren helfen wir hier. Wir machen das gerne, freuen uns nach wie vor, auf dem Hof zu sein, bei den Tieren, bei Moni Spoerlé», so Stefanie Sutter. Ihre Schwester fügt schmunzelnd bei: «Bei Sonnenschein machts noch mehr Spass.» Gleichwohl spüren die beiden jungen Frauen, dass die Arbeit, teilweise auch die Verantwortung, an ihren Kräften zehrt.

Seit einigen Jahren ist für die Geschicke des Hofes die Stiftung Tierlignadenhof mit Monika Spoerlé an der Spitze verantwortlich. Bis vor kurzem zählte der Stiftungsrat neben der Präsidentin und Stefanie Sutter noch zwei weitere Mitglieder. Bereits zu Jahresbeginn hat sich Petra Wassmer dazu entschlossen, aus dem Stiftungsrat auszutreten. Nun beabsichtigt auch Coni Hösli diesen Schritt. Sie hilft schon seit vielen Jahren sehr intensiv auf dem Hof mit, kümmert sich auch um die nicht zu unterschätzende Öffentlichkeitsarbeit. Erschwerend kommt hinzu, dass Michael Waldmeier – er konnte auf dem Tierlignadenhof eine IV-Anlehre absolvieren und hat insgesamt dreieinhalb Jahre tatkräftig mitgeholfen – eine neue berufliche Herausforderung antreten wird.

Monatliche Fixkosten

Damit ein Betrieb, und ein solcher ist der Tierlignadenhof mit seinen 120 bis 150 Tieren längst, funktionieren kann, braucht es klare Strukturen. Das bedeutet unter anderem, dass täglich sichergestellt ist, dass die Ställe gemistet, die Tiere gefüttert, Tierarztbesuche koordiniert und vieles mehr organisiert sind. Immer wieder helfen Praktikanten auf dem Hof mit. Diese oft selber mit Problemen behafteten Menschen brauchen viel Zuwendung von Monika Spoerlé. Sie macht dies gern, weiss aber, diese Zeit fehlt dann wieder bei den Tieren. Zudem müssen die Besuchstage vorbereitet und durchgeführt werden.

Unterhalt und Löhne schlagen monatlich mit rund 12000 bis 14000 Franken zu Buche. Finanziert wird alles aus Spendengeldern. «Wir haben viele sehr treue Spender», lässt Monika Spoerlé spüren, dass viele Menschen ein grosses Herz für die harmonische Tiergemeinschaft haben.

Der richtige Weg

«Wir befinden uns zurzeit an einer Wegkreuzung. Welche Richtung sollen wir nun einschlagen?», macht sie deutlich, wie ungewiss zurzeit die Zukunft ist. Wobei sie betont, dass von Aufgeben keine Rede ist. Vielmehr geht es nun vermehrt darum, die Finanzen sicherzustellen. «Wir müssten monatlich rund 7000 Franken definitiv zugesichert haben», definiert Janina Sutter einen Fixbetrag, den es unter anderem auch für die Sicherstellung der Löhne benötigt. Die Frage stellt sich auch, ob künftig weitere Tiere aufgenommen werden oder sich der Fokus «nur» noch auf die momentanen Schützlinge des Hofes konzentrieren soll.

Monika Spoerlé könnte es sich durchaus auch vorstellen, dass eine grössere Organisation mit gleichen Interessen wie der Tierlignadenhof diesen übernimmt. Sie selbst aber dabei wie bis anhin ihrem grossen Auftrag um die Pflege und Hege all der Tierlignadenhof-Bewohner nachkommt. Ideen sind gefragt.

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