Nicolas Kucera

Wer kennt die Situation nicht: Man steigt in den Bus, setzt sich hin und legt die Sporttasche oder den nassen Schirm unter den Sitz. Dann liest man für die Dauer der Fahrt eine Zeitung oder telefoniert mit jemandem. Beim Aussteigen hat man den Gegenstand längst vergessen, und so bleibt dieser liegen.

Irgendwann - vielleicht erst zu Hause, vielleicht bereits wenige Minuten nachdem man ausgestiegen ist - erinnert man sich schlagartig an die vergessene Tasche, den liegen gelassenen Schirm. Doch dann ist es natürlich zu spät. Was nun?

Gesetzliche Vorschrift

In solchen Fällen kann unter Umständen ein Fundbüro weiterhelfen. Denn in der Schweiz ist jede Gemeinde gesetzlich dazu verpflichtet, ein Fundbüro zu betreiben. In Dietikon ist dieses der Stadtpolizei unterstellt und befindet sich im Stadthaus an der Bremgartnerstrasse 22. Hier können Finder gefundene Gegenstände abgeben und Eigentümer bezüglich verlorener Gegenstände anfragen.

«Zwischen 150 und 200 Fundgegenstände werden jedes Jahr im Fundbüro abgegeben», erklärt Albert Steger von der Stadtpolizei. Darunter finden sich neben typischen Objekten wie Schirme, Velohelme oder Sporttaschen vor allem auch viele Schlüssel sowie eine beachtliche Anzahl an Handys.

Zu den skurrilsten Gegenständen, die bisher in Dietikon abgegeben wurden, gehören laut Steger eine Schildkröte sowie eine Ratte. Für Tiere sei das Fundbüro allerdings nicht zuständig, weshalb man solche «Funde» an eine Tierauffangstation weitergebe.

Eigentümer und Finder

Die Polizei versucht wo immer möglich die Eigentümer der Gegenstände ausfindig zu machen. Bei Schlüsseln und Handys gestaltet sich dies meist einfach, da man beim Hersteller oder beim Netzanbieter anfragen kann. Allerdings sind solche Anfragen nicht gratis, wie Steger erklärt. Dem Eigentümer wird im Falle einer Rückerstattung für die Ermittlungsarbeiten dann auch eine Bearbeitungsgebühr von etwa zehn Franken in Rechnung gestellt.

Im Schnitt gelangen etwa 50 bis 60 Prozent aller Fundobjekte, die in Dietikon abgegeben werden, wieder in den Besitz ihrer Eigentümer. Allerdings hängt diese Zahl stark von der Art des Gegenstands ab. Erhält der Besitzer sein Eigentum zurück, hat der Finder einen rechtlichen Anspruch auf einen Finderlohn von 10 Prozent des Werts des Fundgegenstands.

Wo der Eigentümer nicht ausfindig gemacht werden kann und dieser sich auch nicht beim Fundbüro meldet, wird der Finder benachrichtigt. Dieser kann sodann Anspruch auf den Fund erheben.

Nach Ablauf einer Frist, welche je nach Wert des Fundes zwischen drei Monaten und einem Jahr liegt, kann der Finder den Gegenstand auf dem Fundbüro abholen. Meldet sich der ursprüngliche Besitzer während insgesamt fünf Jahren nicht, wird der Finder schliesslich zum rechtmässigen Besitzer des Fundgegenstands.

Grosser Aufwand

Fundgegenstände, die weder zum Eigentümer zurückfinden noch vom Finder beansprucht werden, werden entweder entsorgt - wie etwa im Falle von Schlüsseln oder alter Sportwäsche - oder versteigert. Zu diesem Zweck findet zweimal im Jahr eine Versteigerung in der Tiefgarage des Stadthauses statt. Die Erträge der Auktion sind allerdings bescheiden.

Trotz dem hohen Aufwand findet Steger das Fundbüro eine gute Sache. Gerade bei wertvolleren Funden seien die Leute sehr dankbar, ihr Eigentum zurückzuerlangen. Ausserdem zeige sich bei jedem abgegebenen Fund wieder, dass es immer noch viele ehrlich Menschen gebe.