Vergiftete Hunde
Vom toten Hund zur lebendigen (Zeitungs-)Ente

Die Geschichte von vergifteten Hunden am Aareufer ist offenbar am Mittwoch erstmals aufgetaucht und bis zum Wochenende schweizweit verbreitet worden. Inzwischen scheint klar: Es gab und gibt im Raum Aarau keine ausgelegten Giftköder. Jemand hat sich mit dem Gerücht einen Scherz erlaubt.

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Aargauer Zeitung

Toni Widmer

Der Inhalt der warnenden SMS und Mails nahm am Wochenende an Dramatik stetig zu. Am frühen Freitagnachmittag hiess es noch: «Wir haben soeben eine Warnung erhalten, dass im Aarauer Schachen und entlang der Aare nach Schönenwerd Giftköder ausgelegt sind. Offenbar sind bereits Hunde daran gestorben. Passt bitte auf.» Am späteren Freitagnachmittag waren die SMS schon etwas länger. Jetzt wurde behauptet, es seien bereits vier Hunde innert kürzester Zeit nach der Aufnahme von Giftködern gestorben. Die Zeit hätte nicht einmal mehr gereicht, einen Tierarzt aufzuzusuchen.

Am Wochenende 350 Retriever in Aarau zu Gast

Meldung über Giftköder hat Organisatoren des Hundesportanlasses beunruhigt

Am Wochenende führt die Regionalgruppe Nordwestschweiz des Retriever Clubs Schweiz (RCS) auf der Aarauer Rennbahn einen sportlichen Grossanlass durch. Die Meldung über Giftköder hat die Organisatoren beunruhigt. «Ich habe das ganze Wochenende lang den Wahrheitsgehalt der Meldung seriös überprüft und bin zum Schluss gekommen, dass höchstwahrscheinlich nichts dran ist», erklärte Hans Döbeli, Mitglied der RCS-Regionalgruppe und Jagdaufseher in Aarau. Eine ähnliche Meldung habe schon vor vier Jahren in der Region kursiert. Diesmal sei das Gerücht wohl wegen des bevorstehenden Anlasses noch breiter gestreut worden. um hundesportlichen Grossanlass werden am Wochenende auf der Aarauer Rennbahn gegen 350 Hunde aller sechs Retriever-Rassen (Golden, Labrador, Flatcoad, Curly Coated, Chesapeake Bay und Nova Scotia) aus der Schweiz, Deutschland, Italien und Österreich erwartet. Am Samstag, 25. April, finden ab 8 Uhr bis in den späteren Nachmittag Apportierwettbewerbe in verschiedenen Kategorien und Schwierigkeitsgraden statt. Am Sonntag, 26. April, ab 9 Uhr und ebenfalls bis in den späteren Nachmittag steigen die Show-Wettbewerbe. Die Hunde werden in verschiedenen Ringen vorgeführt und von Experten bewertet, die extra aus England und Kanada anreisen. u den Wettbewerben sind Zuschauer herzlich willkommen. Sylvie Berger-Jaeggi, Olten, Präsidentin der RCS-Regionalgruppe, erachtet einen Besuch als gute Gelegenheit, die Retriever-Rassen kennen zu lernen und mit erfahrenen Hundehaltern ins Gespräch zu kommen. Es wird eine Festwirtschaft geführt. (to)

Zürcher Tierarzt als Referenz

Mit einem ähnlichen Text wurden ab Freitagnachmittag schliesslich auch Mails versandt: «Hallo, habe soeben eine Warnung erhalten, dass im Aarauer Schachen und entlang der Aare nach Schönenwerd Giftköder ausgelegt sind. Bereits sind vier Hunde in kürzester Zeit daran gestorben. Es reicht nicht mal mehr bis zum Tierarzt.»

Erhalten hat so ein Mail auch der Zürcher Tierarzt und Hundehalter Paul Kramers. Und es ungeprüft weiter geschickt: «Ich habe das Mail weiter geleitet, weil im Aarauer Schachen am nächsten Wochenende ein grosser Hundesportanlass stattfindet.» Die Warnung habe für ihn recht glaubhaft getönt. Schliesslich sei er als Arzt auch schon mit absichtlichen Vergiftungen von Hunden in Berührung gekommen: «Früher wurden dazu oft Schneckenkörner verwendet. Heute ist das schwieriger, weil den Körnern Stoffe beigemischt werden, die für andere Tiere schlecht riechen.» Es sei aber auch weiterhin nicht unmöglich, dass ein Hund einen solchen Giftköder verschlinge, wenn dieser beispielsweise in einem Stück Fleisch «attraktiv verpackt» sei.

Aus dem Mail, das der Zürcher Veterinär am Freitag verschickte, wurde bis am Sonntagabend eine amtlich verbriefte Meldung: «Hab gestern vernommen, dass im Aarauer Schachen auf dem Weg Richtung Schönenwerd Giftköder ausgelegt worden sind. Vier Hunde sind inzwischen daran gestorben. Es reichte jeweils nicht einmal mit dem Hund noch zum Tierarzt. Aufgrund von zwei Maileingängen dürfte der Fall ziemlich aktuell sein. Ein Veterinär namens Dr. med. vet. Paul Kramers in Zürich weiss näheren Bescheid. Ich finde so was eine ziemlich miese Sache, die klar verurteilt werden muss. Wieviel die Polizei weiss, kann ich nicht sagen.»

Polizei weiss von nichts

Die Polizei weiss bisher von gar nichts. «Wir haben von diesen SMS und Mails Kenntnis erhalten und umgehend die entsprechenden Abklärungen getroffen. Bisher gibt es allerdings keinerlei Hinweise dafür, dass am Aareufer Hunde Opfer von Giftködern geworden sind», erklärte Kapo-Mediensprecher Bernhard Graser gestern. Für die Kantonspolizei liege die Vermutung nahe, dass es sich bei der Meldung um einen schlechten Scherz handle. Die Polizisten seien dennoch angehalten worden, am Aareufer vermehrt die Augen offen zu halten.

Aufgeschreckt sind auch die Hundehalter, die mit ihren Tieren regelmässig am Aareufer spazieren gehen: «Ich habe davon gehört, bin aber nicht wirklich überzeugt, dass die Meldung wahr ist. Dennoch bin ich vorsichtig und meide mit Zoga vorderhand das Aareufer», erklärte Karin Truninger Pulfer, die gestern Mittag mit ihrem Labrador-Retriever-Rüden auf einer Wiese unweit der Aare in Erlinsbach Apportier-Übungen machte.

Damian Haas sass mit Shila zwar am Aareufer, hielt die Appenzeller-Mischlings-Dame aber an der kurzen Leine: «Ich bin bei meinen Grosseltern in Erlinsbach auf Besuch und gehe mit Shila spazieren. Die Grosseltern haben mich angewiesen, sie nicht von der Leine zu lassen.»

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