Swissdate Gabriela Ursprung
«Vom Aussehen allein kann eine Beziehung nicht leben»

Moderatorin Gabriela Ursprung (28) über «Swiss Date» und ihr Leben vor der Kamera.

Merken
Drucken
Teilen
Ursprung.jpg

Ursprung.jpg

Aargauer Zeitung

Von Corinne Eisenring

Frau Ursprung, nach acht Wochen Casting wurden Sie zur neuen «Swiss Date»-Moderatorin gewählt. Wie war der erste Moderationstag?

Gabriela Ursprung: Ein ziemlicher Kaltstart. Bereits eine Woche nach meiner Wahl war die erste Aufzeichnung, deshalb hatte ich nicht viel Zeit, um meine Moderationstexte vorzubereiten. Im Eiltempo wurde ich durch das Studio geführt und noch am selben Vormittag haben wir dann die erste Sendung aufgezeichnet.

Wie haben Sie sich während der ersten Sendung gefühlt?

Die grösste Herausforderung war, sich auf so viele Sachen zu konzentrieren und gleichzeitig aufmerksam dem Gespräch zu folgen. Ohne Routine ist das sehr schwierig. Und ich habe zu schnell gesprochen.

Wie ist es für Sie, Kandidaten zu verkuppeln, die einiges älter sind als Sie?

Ich bin alt genug und habe auch schon meine Erfahrungen gemacht. Ich kenne die Facetten der Liebe. Ich weiss, wie es ist, wenn man verliebt oder wenn man traurig ist. Auch die älteren Kandidaten akzeptierten mich bisher in meiner Rolle als Verkupplerin.

Welche Reaktionen haben Sie in diesem ersten Monat erlebt?

Persönlich durchwegs positive, ich werde beispielsweise beim Einkaufen angesprochen. Übers Internet wird mehr kritisiert. Da ist man anonymer und getraut sich mehr. Es ist das erste Mal, dass ich negative Kritik auf diesem Weg erhalten habe, das fährt schon ein.

zur person


Gabriela Ursprung
Die 28-Jährige ist die neue «Swiss Date»-Moderatorin. Daneben arbeitet sie bei der Migros-Genossenschaft als Leiterin einer internen Dienstleistungsabteilung. Bereits früher war sie als Fernsehmoderatorin tätig:
Bei der Jugendsendung «Video Gang» und bei «Chilly Factor». Sie ist in Schlieren aufgewachsen. Heute wohnt sie in Urdorf. Zurzeit ist die neue Kupplerin der Nation Single. (cei)

Was kritisieren diese Zuschauer?

Erstaunlicherweise fast nur Optisches. Einige finden meine Kleider oder meine Frisur schrecklich. Einmal hatte ich ein Kleid an, da wurde geschrieben, das sei zu kurz und zu weit ausgeschnitten. Als ich einen Hosenanzug trug, hiess es, das sei zu stier. Dann trug ich Jeans und schon kam die Kritik, dass sei zu leger für eine Samstagabendshow.

Wurde nur Ihr Aussehen kritisiert?

Es gab Zuschauer, die mailten, dass ich kein Herz habe oder ich nicht so einfühlsam wie Joel Gilgen sei (ehem. Moderator von «Swiss Date», Anm. d. R.). Als Siegerin eines öffentlichen Castings hat man einen etwas schwierigeren Start.

Wieso glauben Sie, dass der Start schwieriger ist nach einem öffentlichen Casting?

Die Zuschauer kennen die anderen Kandidaten. Im Final haben 43 Prozent für meinen Konkurrenten Damian Betschard abgestimmt. Die sind jetzt erst mal unzufrieden mit dem Resultat und trauern ihrem Favoriten nach. Zudem gibt es Joel-Gilgen-Fans, die Mühe haben sich an mich zu gewöhnen. Der Mensch ist schliesslich ein Gewohnheitstier.

Warum haben Sie das Casting gewonnen?

Ich hatte ein glückliches Händchen. Und ich habe eine gute Selbsteinschätzung. Ich würde mich beispielsweise nie für ein «Music Star»-Casting bewerben, weil ich weiss, dass ich nicht singen kann. Ich hätte mich auch nie für das «Swiss Date»-Casting beworben, wenn ich erst 18 wäre. Wichtig war sicher auch, dass ich bereits Moderationserfahrungen mitbrachte.

Es scheint, als gelinge in Ihrer Berufskarriere alles.

Auch ich habe Rückschläge erlitten. Nach meiner KV-Lehre wollte ich ein Radiopraktikum machen und schrieb unzählige Bewerbungen, auf die ich nur Absagen erhielt. Darum habe ich mich entschieden, bei Radio Lora unentgeltlich zu arbeiten, ebenso bei der Jugendsendung «Video Gang». Während zwei Jahren habe ich in meiner Freizeit zusammen mit anderen Jugendlichen wochen- und nächtelang Fernsehbeiträge geschnitten. Das ist wie mit bekannten Sängern, bei denen man das Gefühl hat, sie seien Shootingstars. Die haben zuvor vielleicht jahrelang in irgendwelchen Bars gespielt.

Wie ging es mit Ihrer Fernsehkarriere weiter?

Ich habe schon bald gemerkt, dass die Medien ein unsicheres Business sind. Ich bin ein Sicherheitsfreak und durch frühere Erfahrungen vorsichtig geworden. Ich habe mich beim Schweizer Fernsehen als Moderatorin der Jugendsendung «Oops» beworben. Doch bevor ich das erste Mal vor der Kamera stand, wurde «Oops» abgeschafft. Etwa zwei Jahre spätere wurde dann die gesamte Jugendredaktion aufgelöst. Da hatte ich erstmal genug vom Fernsehbusiness. Als ich Ende letzten Jahres jedoch vom Moderatoren-Casting von Tele Züri gehört habe, wusste ich, dass ich mich da bewerben wollte.

Waren Sie demnach sofort überzeugt, sich für das Casting auf Tele Züri zu bewerben?

Am Anfang hatte ich «Schiss» mitzumachen, weil das Casting öffentlich war. Man hat keinen Einfluss darauf, was gezeigt wird und die ganze Welt kann zusehen, wenn man rausfliegt. Dann dachte ich aber: Tele Züri sucht einen Moderator für sich selber, die können nicht alle «verheizen». Ausserdem hatte ich Vertrauen zu Tele Züri als Sender, der nicht wie RTL die Kandidatinnen und Kandidaten in die Pfanne hauen will.

Wie haben Sie das Casting erlebt?

Im Gegensatz zu anderen Kandidaten habe ich auch immer gut geschlafen und nicht abgenommen während der Castingzeit. Aber durch das Casting hat mein Arbeitsumfeld bei der Migros, wo ich normalerweise nicht viel Privates von mir erzähle, einiges über mich erfahren.

Sie arbeiten seit zwölf Jahren bei der Migros-Genossenschaft, seit 2006 als Abteilungsleiterin. Wie hat Ihr Chef auf Ihren neuen Job reagiert?

Positiv. Er sagte, ich sei jung und solle das ausprobieren. Da ich bereits früher Fernsehen gemacht habe, kam es nicht so überraschend. Wichtig war sicher, dass ich immer sagte, dass ich meine Stelle bei Migros behalten werde.

Momentan haben Sie eine 100-Prozent-Stelle bei der Migros und neu jetzt noch die Moderationsaufgabe. Ist Ihnen das nicht zu viel?

Vor allem die Freizeit hat anfangs unter dieser Doppelbelastung gelitten. Inzwischen ist es jedoch etwas ruhiger geworden. Zudem mache ich meinen Bürojob gerne und möchte auch bei Migros bleiben. Das Moderieren ist ein guter Ausgleich, da meine Arbeit als Abteilungsleiterin im Bereichscontrolling sehr zahlenlastig ist.

Was reizt Sie an der Rolle als «Swiss Date»-Moderatorin?

Ich finde es schön, dass ich eine Sendung machen kann, die ich selber oft geschaut habe. Es gibt nur wenige «Swiss Date»-Sendungen, die ich nicht gesehen habe - aber ich habe nie einem Kandidaten geschrieben.

Und als Moderatorin haben Sie schon eindeutige Anfragen erhalten?

Es gibt schon ein paar Anfragen, aber bis jetzt sehr anständige. Es gibt Mails von Männern, die wissen, dass ich Single bin, und sich Sorgen um mich machen. Die fragen nett, ob wir zusammen eins trinken gehen.

Sind Sie auf die Dating-Anfragen eingegangen?

Bis jetzt nicht. Ich finde es schwierig, da diese Männer mich relativ gut kennen, wenn sie das Casting verfolgt haben. Ich hingegen kenne sie überhaupt nicht. Und ich habe momentan weder Zeit noch Lust, mit jemandem aufs Geratewohl abzumachen.

Hätten Sie mit Ihren zwei Jobs überhaupt Zeit für eine Beziehung?

Zeit ist immer nur eine Ausrede. Wenn es stimmt, wenn man jemanden kennen lernt, wieso nicht. Aber ich komme ganz gut klar als Single.

Wie sollte denn ein Mann sein, dass es für Sie stimmt?

Wichtig ist der Charakter. Damit mir ein Mann gefällt, muss er auf eigenen Beinen stehen und selbstständig sein. Spannend finde ich, wenn er intelligent ist und nicht ich als Frau dem Mann die Welt erklären muss.

Das Äussere spielt für Sie keine Rolle?

Das Aussehen ist relativ egal, er muss nur grösser sein als ich. Ansonsten habe ich kein Beuteschema. Vom Aussehen allein kann eine Beziehung nicht leben.

Eine letzte Frage: Sehen Sie sich als Urdorferin oder als Schlieremerin?

Nach den ersten Medienberichten haben mir viele Schlieremer nachgesagt, dass ich als Urdorferin bezeichnet wurde. Ich wuchs in Schlieren auf und kenne dort mehr Leute, aber jetzt wohne ich schon seit sechs Jahren in Urdorf. Ich fühle mich als Limmattalerin.