Volldampf im Kultur-Historischen Museum

Das Kultur-Historische Museum hat sich in kurzer Zeit zu einem respektablen Stadtmuseum gemausert. Im Hintergrund zieht Fred Fasnacht, Präsident der Museumsstiftung, die Fäden. Er hilft auch, das Vaporama nach Grenchen zu bringen.

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Solothurner Zeitung

Urs Byland

Zur Person

Fred Fasnacht (1945) lebt in Kehrsatz und ist seit zwei
Jahren im Ruhestand. Er war Bibliothekar an der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern. Fasnacht ist in Grenchen aufgewachsen und hat hier die Schulen besucht. Nach
einer Bankenlaufbahn wechselte er in die Bücherwelt, absolvierte eine Buchhändlerlehre und anschliessend die Ausbildung zum dipl. Bibliothekar VSB. (uby)

Fred Fasnacht, von Ruhestand kann bei Ihnen nicht die Rede sein, dann eher von Unruhezustand.
Fred Fasnacht: Ja, das stimmt. Zwei-, dreimal pro Woche bin ich in Grenchen. Und zu Hause arbeite ich auch ziemlich viel für das Museum. In meinem Zustand als Pensionist ist das eine willkommene Beschäftigung.

Im Kultur-Historischen Museum ist in kürzester Zeit ein radikaler Wandel geschehen. Wie das?
Fasnacht: Wir waren und sind ein sehr aktives Team. Oft spielt der Zufall mit. Eines Tages stieg ich in den Estrich und sah, dass das Dach Wasser durchlässt. Das haben wir dem Liegenschaftsbesitzer, der Stadt, gemeldet und das war am Ende der Anlass dazu, den Dachstock zu einem Ausstellungsraum auszubauen.

Es gab auch inhaltliche Änderungen. Was vorher mit viel Leidenschaft von Amateuren ge-
leistet wurde, erledigen jetzt Profis. Ist das alles nicht überdimensioniert für Grenchen?

Fasnacht: Das finde ich gerade gar nicht. Zusammen mit dem Umbau hat es sich aufgezwungen, das Konzept der Gesamtausstellung zu überdenken. Nach zehn Jahren sollte sich eine Ausstellung erneuern. Als Hauptthema wählten wir die Geschichte der Industrialisierung Grenchens und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen.

Wie kamen Sie auf diese Idee?
Fasnacht: 2003 hatten wir die Tripoli-Ausstellung, 2004 die 50er-Jahre-Ausstellung. Dies gab uns den Hauptimpuls, in diese Richtung weiterzugehen. Wir hatten ja so viel Material aus dieser Zeit aufbereitet. In der Tat erlangte Grenchen seine heutige Bedeutung allein durch die Industrialisierung.

Sind dies die einzigen Gründe?
Fasnacht: Nein. Manche Grenchner können sich noch an diese Zeit erinnern und sich damit identifizieren. Zudem ist das Thema Industrialisierung nur ungenügend und lückenhaft aufgearbeitet.

Das Thema passt zu Grenchen.
Fasnacht: Genau. Grenchen, das arme Bauerndorf ist durch die industrielle Fertigung der Uhr innert kürzester Zeit zum Industrieort gewachsen, mit allen gesellschaftlichen Symptomen, die ein solcher Wandel zur Folge hat. Hier die Fabrikanten, da die Arbeiterschaft, die ja in Grenchen und im oberen Leberberg sehr aktiv war. Das hat sich bis zum Generalstreik gesteigert.

Der Wandel des Museums hat auch mit Finanzen zu tun. Wie kamen Sie zu Geld?

Fasnacht: Nach dem Umbau hatten wir noch ein Vermögen von weniger als 100 000 Franken. Wir rechneten anfänglich mit 100 000 Franken für die Ausstellungserneuerung. Am Ende benötigten wir über 350 000 Franken. Auf Anraten des Stadtpräsidenten gründeten wir ein Patronatskomitee. So kam Geld zusammen. Der andere Glücksfall war die Schild-Comtesse-Stiftung. Diese Stiftung wollte den Rest ihres Vermögens für ein Projekt in Grenchen einsetzen. Wir wurden ausgewählt.

Zurück zur Frage «überdimensioniert». Was rechtfertigt diesen Aufwand?
Fasnacht: Grenchen ist eine Stadt, die sehr lebendig ist. Die soziale Umschichtung geschieht ständig. Hier ist es höchst nützlich und notwendig, dass eine Institution wie das Museum sich Identifikation und Integration auf die Fahne schreibt. Identifikation zur Geschichte: Wo komme ich her? Oder für Zuzüger: Welche Geschichte hat Grenchen. Hier ist der Nutzen gross, aber schwer quantifizierbar.

Planen Sie weitere Aktivitäten?
Fasnacht: Neu wollen wir Bildungs- und Vermittlungsprodukte entwickeln mit Stossrichtung Jugend, beispielsweise die Museumskoffer. Lehrkräfte und Klassen können bei uns Workshops durchführen. Zudem wollen wir den Schulklassen ermöglichen, bei uns eine kleine Ausstellung zu machen.

Wie messen Sie den Erfolg?
Fasnacht: Bisher hatten wir jährlich rund 1000 Besucherinnen und Besucher im Jahr. Unser Ziel ist eine Verdoppelung.

Der Erfolg ist vorhanden. Angekündigt wurde die Gründung eines kantonalen Museumsverbundes. Was ist das?
Fasnacht: Der Kanton führt eine längst fällige Museumspolitik ein. Vorgesehen ist ein Museumsverbund, der die Position der Museen stärken und Dienstleistungen für die Mitglieder anbieten soll. Die Gründung soll hier im Kultur-Historischen Museum stattfinden.

Sie beraten Grenchen in Sachen Vaporama (Dampfmaschinenmuseum).
Fasnacht: Ja, das stimmt. Grenchen als Industriestadt wäre der ideale Standort für das Vaporama. Der Berner Regierungsrat hat das Einverständnis gegeben, dass die Sammlung den Kanton Bern verlassen darf.

Ist nun Grenchen am Ziel?
Fasnacht: Nein. Ziel ist es, ein Projekt auf die Beine zu stellen und abzuklären, wie das Vaporama finanzierbar wäre.

Wo?
Fasnacht: Die Stadtverwaltung hat zwei, drei Varianten. Mir persönlich wäre es am liebsten, wenn der Standort in der Nähe des Bahnhofs Nord wäre.

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