Andrea Mašek

«Wo bin ich wohl? Dumme Frage, vor dem Stücki.» Der junge Mann muss in sein Handy schreien, denn Trommelwirbel feuern die Menge an, die sich vor den Eingangstüren des Einkaufszentrums drängt. Die Menschen werden in einen Einkaufsrhythmus gelullt. Die Spannung ist gross.

Noch muss man sich gedulden. Regierungsrat Hans-Peter Wessels hält eine Rede. Ist das dann der Center-Leiter, der den Menschen entgegen ruft, dass sie nun das Stücki in Besitz nehmen dürfen? Niemand kümmerts. Man schaut auf die Uhr, bereits zwei Minuten nach zehn. Plötzlich geht's vorwärts - erstaunlich gesittet.

Kleinhüninger sind neugierig

Die hohen Herren stehen an den Rand gedrückt. «Ich war noch gar nicht drin», antwortet Wessels auf die Frage, was er zum Stücki-Center sagt. Er überlasse den Vortritt dem Volk. Neben ihm staunt einer der Manager über den Aufmarsch. Bereits um 6 Uhr sind um die 1000 Personen bei der Saturn-Filiale aufgetaucht (siehe Infobox), jetzt sind es wieder so viele. Der Strom an multikulturellen Kleinhüningern, die «ihr» Einkaufsparadies anschauen wollen, reisst nicht ab. Sie seien neugierig, sagen sie - und: «Wir müssen sowieso in der Migros einkaufen.» Diese überwältigt sie: «Riesig, da muss ich mich erst zurecht finden.»

Ansonsten scheint kaum jemand Orientierungsschwierigkeiten zu haben. C&A, H&M und all die anderen Kettenshops sind schnell gefunden und überfüllt. Es gibt dort auch überall Prozente, Cüpli oder Gutscheine. «Die Geschäfte sind etwas zu jugendlich für mich», sagt eine ältere Dame. «Die billigen laufen gut, die anderen gar nicht», kommentiert eine andere. Sie hat recht. Aber es ist ja noch nicht einmal eine Stunde vergangen.

«Schön!»

Die vielen Familien und die jungen Männer streben nämlich zielstrebig zu Saturn, nachdem sie die Wettbewerbskarten ausgefüllt haben. Nur wenige schlendern gemütlich umher, schauen sich auch die Architektur an. Einstimmig meinen alle Befragten: «Schön!» Das Stücki gefällt von aussen, weil es kein Glaspalast sei, und von innen, weil es edel und dezent sei. Das Beleuchtungskonzept mit den kleinen Lämpchen, kreisförmig angeordnet, gefällt besonders gut. Auch die Einrichtung der Läden findet frau gelungen. Mann befindet sich immer noch im Saturn, und trägt dann mit kräftigen Armen Mikrowellen, Hifi-Systeme, Laptops oder Kaffeemaschinen - meist gar im Doppelpack - heraus.

Zeitvertreib im Winter

Nach dem ersten Rundgang äussern sich viele vorsichtig über den Einkaufstempel. Sie fragen sich, ob die Leute auch nach vier oder mehr Wochen noch herkommen. «Das Stücki ist der ideale Zeitvertreib an einem grässlichen Wintertag», heisst es aber. Dann könnte das King's Kurry einheizen, falls es bis dann offen ist. Auch Swarovski hat die Läden erst spät hochgezogen.

Hoch gehts per Rollband und runter mit demselben. «Cool», sagen Jugendliche. Sie haben die Schule geschwänzt, um das Grand Opening zu erleben. Psst! Als Belohnung winkt ihnen ein Schal des New Yorker. Alphornklänge erinnern daran, dass wir uns in der Schweiz befinden, auch wenn rundherum viel Französisch und noch mehr Deutsch gesprochen wird.

«Folge keinem Stil, präge ihn», steht an den Wänden geschrieben. Es bleibt abzuwarten, wer und was das Stücki prägen wird. Dem Aufruf, das Center stilvoll zu eröffnen, sind viele gefolgt.