Vögel im Lastwagen

Jörg Meier

Jörg Meier

Die tägliche Portion Meiereien aus der Aargauer Zeitung.

Vier Freiämter waren am Jassen. Da erzählte einer einen Witz. Das hätte er wohl besser unterlassen. Der Witz geht etwa so: Ein Mann steht am Strassenrand und macht Autostopp. Endlich nimmt ihn ein Bauer in einem grossen Kastenwagen mit. Während der Fahrt schlägt der Bauer alle paar Sekunden mit dem Ellbogen heftig gegen die Trennwand zum Laderaum. Nach einiger Zeit fragt der Autostopper den Bauern, warum er denn
ständig gegen die Wand schlage.

Er habe eine Tonne Vögel geladen, erklärt der Bauer. Der Lastwagen dürfe aber höchstens eine halbe Tonne laden. So müsse er halt dafür sorgen, dass immer die Hälfte der Vögel in der Luft sei.

Drei der vier Jasser fanden, dass das ein mittellustiger Witz sei. Sie wollten schon weiterjassen, als einer sagte, er sei sich da nicht so sicher: Er glaube, auch wenn die Hälfte der Vögel im Kastenwagen in der Luft wäre - die Ladung würde dadurch nicht leichter, sondern das Gewicht bleibe unverändert. Und da der, der das gesagt hatte, in früheren Jahren immerhin mal einige Semester Mathematik studiert hatte, war dieses Votum in der Jassrunde nicht ohne Gewicht.

Jetzt war es vorbei mit Jassen. Jetzt wurde diskutiert. Wie das denn sei mit den in einem geschlossenen System fliegenden Vögeln. Wenn ein Vogel in der Luft ist, dann zählt er doch nicht zur Ladung, denn er ist ja in der Luft - oder doch?

Oder in einem Flugzeug - wird das leichter, wenn in der gleichen Hundertstelsekunde alle Passagiere aufspringen? Und wie ist es, wenn die
Vögel in einem Käfig auf der offenen Ladefläche sind?

Die Diskussion wurde immer absurder, verwegener und lauter, bis man beschloss, die Sache vorerst ruhen zu lassen und einen Fachmann zu fragen. Aber da war der Abend schon fast vorbei. Blöde Vögel.

joerg.meier@azag.ch

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