Kanton Aargau

Virtuelle Hiebe für den Aargau

Der Aargau muss auf Facebook Hiebe einstecken. (Karikatur: Swen)

Facebook gegen Aargauer

Der Aargau muss auf Facebook Hiebe einstecken. (Karikatur: Swen)

Dürfen Aargauer bald nicht mehr Auto fahren? Sind sie gar keine richtigen Schweizer? Oder noch schlimmer: Sind Zürcher besser im Bett? Mit solchen Fragen beschäftigen sich Facebook-Gruppen. Ein Rundgang entlang der Anti-Aargau-Front zeigt wie sich Facebook-Nutzer über die Aargauerinnen und Aargauer lustig machen.

Michael Spillmann

Der «Kantönligeist» erlebt im Internet seinen zweiten Frühling. In unzähligen Facebook-Gruppen werden Diskussionen geführt, die - nach soziologischer Betrachtungsweise - erleuchtender nicht sein könnten. Dabei bekommen insbesondere die Aargauerinnen und Aargauer ihr Fett weg. Seien es nun die altbekannten Geschichten über die Fahrkünste und die weissen Socken oder aber neue Ansätze wie die (fehlenden?) Qualitäten der Aargauer als Liebhaber sowie ihr gefürchtetes Gebaren auf den Sesselliften.

Zuerst die gute Nachricht: Es gibt auch richtige Aargau-Fan-Gruppen. An einem Ort wird sogar gefordert: «Aargauer an die Macht!» Doch nur einen Mausklick davon entfernt findet man sich mitten im Krisengebiet wieder - im Kampf der Kantone. Einige Gruppen legen die Karten dabei unmissverständlich auf den Tisch. Sie nennen sich schlicht und einfach «Anti Aargau».

Auf dem Sessellift unerwünscht

Stolze 398 Mitglieder verzeichnet eine der Gruppen, höchst unverdächtig in die Rubrik «Gesundheit und Wellness» eingegliedert. Dies, so schreibt der Gründer gleich höchstpersönlich, da die Aargauer ja bekanntermassen «gesundheitsschädigend» seien. In einer eindrücklichen Liste werden den Angeklagten alle ihnen zur Last gelegten Verbrechen gegen die Menschlichkeit präsentiert: der Dialekt, weisse Socken, weisse Socken in Sandalen, das «Verstopfen» von Zürcher Klubs, Stahlfelgen und verchromte Rückspiegel.

Doch das ist noch längst nicht alles. Die Aargauer seien nicht nur im Strassenverkehr, in Zürcher Restaurants oder Discos unerwünscht, sondern auch gleich in allen Skigebieten - egal ob auf dem Sessellift (obwohl die Aargauer ja doch eher begeisterte Schlittler seien), vor und in der Gondel.

Aargauer- statt Tierversuche?

Zu weitaus drastischeren Mitteln will die Gruppe «Stoppt Tierversuche! Nehmt Aargauer!» greifen. Den Hintergrund der makabren Forderung erklärt der Zürcher Gruppengründer auf Anfrage kurz und knapp mit einem Verweis auf die Partnergruppe «Stoppt Tierversuche! Nehmt Zürcher!» Ganz im Sinne von: Wie du mir, so ich dir. Übrigens: Der aktuelle Zwischenstand von 1814 Mitgliedern gegen 145 Mitglieder spricht für die Aargauer - als künftige Versuchskaninchen.

Als Einzelkämpfer mit mässigem Zulauf tummeln sich verschiedene Ideen auf der Internetplattform, die den Aargauern sogar das «Schweizer sein» absprechen, den Kanton am liebsten fluten oder komplett an Deutschland verkaufen wollen. Über die Modalitäten und den Verkaufspreis verraten die Betreiber allerdings keine Einzelheiten.

Grösstes Reizthema: das Autofahren. Der Witz mit dem AG-Kontrollschild («Achtung Gefahr!») ist bekannt. In diese Sparte gehört wohl die «Vision Zero» - ein Strassenverkehr gänzlich ohne Aargauerinnen und Aargauer, jedenfalls am Steuer eines Autos. In die gleiche Kerbe schlagen die Gruppen «Aargauer runter von der Strasse» und «Aargauer gehören nicht auf die Strasse». Ein junger Facebook-Nutzer sucht - um den ultimativen Beweis zu erbringen - über «Aargauer können kein Auto faheren» (sic!) stolze 100 000 Mitglieder. Allerdings ist er bist jetzt das einzige Mitglied.

Tollpatschig und eitel?

Es kommt noch besser: Ein Grüppchen von Zürcherinnen und Zürchern stellt den Frauen und Männern aus ihrem Nachbarkanton jegliches Taktgefühl in Bezug auf das andere Geschlecht in Abrede: Aargauer «sind ignorant, tollpatschig und ihre Eitelkeit kennt keine Grenzen». Deshalb führen sie offensichtlich auch das Profil «Aargauer sind schlechter im Bett als Zürcher . . . (man lernt aus Erfahrung)».

In Schönheitsfragen liegen die Zürcher virtuell leicht vorne: Auf der Seite «Zürcher sind schöner als Aargauer» sind über 16 000 Benutzer eingetragen, auf dem Gegenstück «Aargauer sind schöner als Zürcher» über 14 000 Personen. Für die Beteiligten kommt es einem Wettkampf gleich: Für sie zählt jede Stimme.

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