Hochlandrind
Vierbeinige Naturschützer an der Aare

Das Hochlandrind, welches dem Kölliker Metzger ausgebüxt ist und erschossen werden musste, kam nicht aus Biberstein, wie am 17. Juli irrtümlich gemeldet wurde. Die Herde weidet ausbruchssicher am Aare-Ufer.

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Walter Senn und die Highland Cattles

Walter Senn und die Highland Cattles

Aargauer Zeitung

Toni Widmer

Die irrtümliche verbreitete Meldung, bei dem am 16. Juli in Kölliken ausgebrochenen und nach längerer Jagd in Suhr erschossenen Hochlandrind habe es sich um eines seiner Tiere gehandelt, hat den Bibersteiner Walter Senn verärgert: «Diese Falschmeldung verunsichert Spaziergänger und Radfahrer, welche meine an der Aare weidende Herde sehen. Sie könnten glauben, die Tiere könnten gefährlich werden.»

Dabei, versichert Senn, habe er den Elektrozaun extra stärker ausgelegt als vorgeschrieben und zudem würden Weide und Zaun von ihm oder seinem Sohn täglich kontrolliert. Respekt vor den zotteligen Tieren sei zwar durchaus angebracht. Aber Angst brauche vor ihnen niemand zu haben.

Schweizer Hochland-Pioniere

«Wir waren unter den Ersten, die in der Schweiz schottische Hochlandrinder gehalten haben», erzählt Senn. Seit 1997 leben die Kühe Samantha und Yvonne auf dem Hof, den er bis 2005 im Nebenerwerb bewirtschaftet hat. Heute ist der ehemalige Chauffeur der Busbetriebe Aarau pensioniert und hauptberuflich Landwirt.

Auf die Highland Cattles kamen er und seine Frau Ruth, weil sie den Betrieb etwas erweitern, aber keine zusätzlichen Stallungen bauen wollten. «Schottische Hochlandrinder können ganzjährig im Freien gehalten werden. Sie brauchen lediglich einen Unterstand», sagt Senn und verweist auf die weiteren Qualitäten der Tiere: «Sie sind genügsam und fressen, was anderes Vieh verschmäht: abgestandenes Gras, kleine Zweige oder junge Triebe von Brombeeren. Deshalb eignen sie sich bestens zur Nachweide.»

Versuchsprojekt im Schächli

Exakt wegen dieser Qualitäten übersömmern fünf Tiere aus Walter Senns mittlerweile elf Hochlandrinder starken Herde nun schon zum dritten Mal im Bibersteiner Schächli am Aareufer. Grund dafür ist ein Projekt, welches die Gemeinde 2005 lanciert hat. Im Gestaltungs- und Nutzungskonzept für das Schächli ist als Aufwertungsmassnahme unter anderem eine gründliche Durchforstung und Auslichtung der Flächen zwischen dem Bündten- und Aareuferweg vorgesehen. Damit will man eine Sichtbeziehung zwischen Siedlungsgebiet und Aare schaffen. Der Gemeinderat kam auf die Idee, diese Sichtbeziehung mit einer Beweidung des Gebietes zu gewährleisten und gelangte an Walter Senn.

Erste Erfahrungen durchaus positiv

Nachdem auch die Abteilung Wald des Kantons unter verschiedenen Auflagen ihre Zustimmung zu einem auf vorderhand fünf Jahre beschränkten Versuchsbetrieb gegeben hatte, wurde die Beweidung im Sommer 2007 mit drei Tieren aufgenommen. Bereits im ersten Jahr war die Bilanz positiv. Im Protokoll einer gemeinsamen Schlussbesprechung von Gemeinderat, begleitenden Landschaftsarchitekten, Forstbetrieb Aarau, Abteilung Wald und Tierhalter wird festgehalten, dass die Hochlandrinder im Wald sehr effizient gewirkt und die Erwartungen erfüllt hätten.

Inzwischen umfasst die Herde am Aareufer fünf Tiere und macht nach wie vor ganze Arbeit. Die Highland Cattles fressen aber im Schächli nicht nur, was von ihnen erwartet wird. Sie sind auch zu einer viel beachteten Attraktion für die zahlreichen Besucherinnen und Besucher des idyllischen Naherholungsgebietes geworden.

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