Viele Türchen in den Advent

Mit hundert historischen Adventskalendern stimmt das Birsfelder Museum auf die Weihnachtszeit ein. Sie stammen aus der Sammlung des Volkskundlers Dominik Wunderlin.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Muriel Mercier

Aus dem Radio dringen leise die Stimmen eines Kinderchors. Sie füllen das Birsfelder Museum mit weihnächtlichen Klängen. Kaum ist der Raum betreten, ziehen die zahlreichen Adventskalender die Blicke auf sich. Goldige Sterne blitzen von den Wänden, kunstvoll gemalte Engel spielen Geige, kleine Kinder packen mit glänzenden Augen unter dem Tannenbaum Geschenke aus: Die jüngste Ausstellung des Ortsmuseums - rund 100 Adventskalender aus der Sammlung des Volkskundlers Dominik Wunderlin - stimmt die Besucherinnen und Besucher auf die Weihnachtszeit ein.

Ursprung des Kalenders

Der erste gedruckte Adventskalender erschien im Jahr 1902 in Hamburg in Form einer Adventsuhr (vgl. Lauftext). Ab 1908 gab der Verlag Reichhold & Lang aus München den zweiten gedruckten, und zwar noch fensterlosen aber mit farbenprächtigen Zeichnungen verzierten Weihnachtskalender heraus. Nach 1920 verbreitete sich diese Art der Kalender zu einem Massenprodukt. In der Schweiz gibt es den Adventskalender seit 1930, er fasste aber erst ab den 50er Jahren Fuss.
Kalender mit Schokoladenfüllung wurden ab Ende der 30er Jahre hergestellt. In den romanischen Ländern setzte sich der Adventskalender bis heute nicht durch. (mum)

Rund 1500 Adventskalender hat Wunderlin in den vergangenen dreissig Jahren zusammengetragen. Für die Ausstellung in Birsfelden habe er «die Perlen» aus seiner Sammlung ausgesucht, sagt Wunderlin. Sein Augenmerk habe er auf historische Kalender und solche gelegt, die aus der Region stammen: aus Baden-Württemberg, aus dem Elsass und der Schweiz.

Ab Sonntag können sich die Interessierten im Birsfelder Museum von den Adventskalendern verzaubern lassen. Die Freude an seiner Sammlung ist Wunderlin spürbar anzumerken. Er unterbricht seine Erklärungen, zeigt unvermittelt auf einen «Kombinationskalender», der in einer Vitrine aufgestellt ist. Die Türchen werden auf dem Bild eines biblischen Dorfes geöffnet, davor stehen, einzeln aufgeklappt, zwei Tannen. «Dieser Kalender wurde in den 50er Jahren in Deutschland von Hand gemacht», erklärt er. Gleich daneben hängt an der Wand ein Kalender aus dem Jahr 1910, auf dem ein grosser Tannenbaum dargestellt ist. An der Tanne sind die Tage des Monats Dezember markiert. «Die Kinder haben damals den Weihnachtsschmuck aus einem Papierbogen geschnitten und aufgeklebt. Ein Lebkuchen oder eine Puppe zum Beispiel.»

Auf der Suche nach dem Ursprung

Besonders stolz macht Wunderlin, dass er ein Exemplar des ersten Adventskalenders in seinem Besitz weiss. Dieser Kalender aus dem Jahr 1902 war in Hamburg gefertigt und in einer Evangelischen Buchhandlung verkauft worden. Er hat die Form eines Rades; öffnet man die Türchen, kommen kirchliche Sprüche zum Vorschein. Auch im Nebenraum finden sich kleine Schätze. Feldschlösschen zum Beispiel produzierte einen grossen Karton, hinter jedem Türchen liegt eine kleine Bierdose.

Trotz der Einzigartigkeit seiner Sammlung - Wunderlin hängt an seinem ersten Kalender, den er als 5-Jähriger geschenkt bekommen hat. «Ich habe ihn über die Jahre hinweg gerettet.» Singende Engel bilden einen Bogen, weitere musizieren neben einem Stall. Wunderlin begeistert sich seit seines Ethnologie- und Volkskundestudiums für Adventskalender. «Eines Tages fragte ich mich, wo der Adventskalender seinen Ursprung hat. Niemand konnte mir eine Antwort geben. Also habe ich Verlage und Firmen angeschrieben.» Wunderlins Interesse an Kalendern sprach sich herum, immer wieder bekam er Adventskalender zugeschickt - von Firmen aus Deutschland, aber auch von Privatpersonen. Er sammle gerne, aber: «Ich bin kein aggressiver Sammler, der krankhaft auf die Suche nach Adventskalendern geht.» Er brauche keine Gleichgesinnten, gehe nicht auf Flohmärkte oder Sammlerbörsen. «Ich strebe keine Vollständigkeit meiner Sammlung an.» Ein Ziel hat Wunderlin aber doch: «Es wäre schön, wenn meine Sammlung später an ein Museum gehen könnte.»

Birsfelder Museum, Schulstrasse 29, 29.11. bis 20.12., Mi und So 17.30 bis 19.30 Uhr

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