Sichlete

Viehschau vor dem Bundeshaus

An der «Sichlete» des Berner Bauernverbandes präsentierte sich gestern in Bern die Landwirtschaft auf dem Bundesplatz. Bundesrat Ueli Maurer nahm die Landwirtschaft in Schutz.

Johannes Reichen

Man könnte glauben, es handle sich um einen Trend. Am Sonntagnachmittag schon fand im Berner Münster ein Jodlertreffen der Stadtberner Chöre statt, gestern nun präsentierte sich die Landwirtschaft in allen möglichen Facetten auf dem Bundesplatz. So gab es innert zwei Tagen eine geballte Ladung Volkskultur mitten in der Berner Altstadt mitzuverfolgen.

Während sich aber die Jodler zum ersten Mal in dieser Form trafen, fand die «Sichlete» des Berner Bauernverbandes Lobag bereits zum elften Mal statt. Offenbar aber hat sie von der Faszination nichts eingebüsst. Zahlreiche Besucher, darunter viele Touristen, liessen sich jedenfalls die «Itrechlete», den Streichelzoo oder die Alphornbläser nicht entgehen.

Die Landwirtschaft verteidigt

Andrang herrschte auch an den Ständen, wo Verkäuferinnen und Verkäufer aus allen Ecken des Kantons regionale Produkte anpriesen - etwa eine Gemüsesuppe aus dem Oberaargau, die innert zehn Minuten gekocht ist.

Etwa gleich lange brauchte Verteidigungsminister Ueli Maurer, um die heimische Landwirtschaft zu verteidigen. Es brauche für sie einen «gewissen Schutz an der Grenze», sagte der SVP-Bundesrat zu den Agrafreihandel-Verhandlungen mit der EU. «Schliesslich schicken wir unsere Kinder auch nichts ins Ausland in die Schule, nur weil es dort günstiger ist.

Der Beitrag der Bauern

Ausserdem, sagte Maurer, stelle sich bei der Nahrungsmittelproduktion nicht nur die Frage des Preises. «Die Gewissheit, dass wir etwas Gutes und Gesundes essen, hat auch einen Wert.» Dafür lohne es sich, gewisse Zölle aufrecht zu erhalten, «sonst laufen wir Gefahr, viele Existenzen und eeinen Teil unserer Identität zu verlieren».

«Wir produzieren Lebensmittel von hoher Qualität», sagte in seiner Ansprache Lobag-Präsident Walter Balmer. Mit tierfreundlicher Haltung und umweltschonender Produktion würden die Landwirte zur Versorgungssicherheit beitragen.« Achten Sie, wie gepflegt und abwechslungreich unserer Gegenden sind», rief der den Zuhörern zu. Die Landwirte würden so auch zu einem schönen Landschaftsbild beitragen.

«Alpabzug» durch die Stadt

Ein schönes Bild bot sich auch den Besuchern der «Sichlete». Kühe, Ziegen und Schweine gab es zu bestaunen. Ebenso wurden Schafe geschoren, es fand eine Bauernolympiade und ein Schaumelken stat. Auch eine vierbeinige «Miss Sichlete» wurde erkoren. Am Nachmittag fand zudem ein «Alpabzug» statt.

«Alles gut gegangen», sagte eine Begleiterin des Alpabzugs nach dem Abzug, der die rund 20 Kühe vom Nationalen Pferdezentrum im Wankdorfquartier durch die Altstadet auf den Bundesplatz führte. Drei Stunden später gabs für die Tiere und Helfer schon wieder den «Aufzug».

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