Videofilm wurde Raser zum Verhängnis

Weil sein Beifahrer eine wilde Raserfahrt gefilmt hatte und die Kamera später zufällig in die Hände der Polizei geraten war, hatte sich ein junger Autolenker vor dem Bezirksgericht Brugg zu verantworten.

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Louis Probst

Das Videofilmchen hatte es in sich: Es zeigte eine kinoreife Raserfahrt, die von der Autobahneinfahrt der A3 bei Lupfig bis zur Einmündung in die A1 führte. Auf dieser kurzen Strecke war der Lenker des PS-starken Wagens nicht nur mit bis zu 207 km/h gefahren. Er hatte zudem Fahrzeuge rechts überholt und Sperrflächen konsequent missachtet. Eine zweite Sequenz zeigte gewissermassen eine Fortsetzung der wilden Jagd, diesmal in Dietikon.

Auf den Film gestossen war die Polizei eher zufällig: durch eine Kamera, die als Fundgegenstand bei der Stadtpolizei Baden abgegeben worden war. Auf der Suche nach möglichen Hinweisen auf den Besitzer der Kamera war die Polizei nicht nur auf einige erotische Bilder, sondern eben auf die Aufnahmen der wilden Fahrt gestossen. In der Folge hatte die Kantonspolizei die Ermittlungen aufgenommen und den Fahrer ausfindig gemacht.

Kürzlich hatte sich der Fahrer, ein 24 Jahre alter Italiener, vor dem Bezirksgericht Brugg zu verantworten. Vorgeworfen wurden ihm neben der mehrfachen groben Verletzung von Verkehrsregeln auch Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten und eine Busse von 2500 Franken.

«Der Film war nicht geplant»

Vor Gericht anerkannte der Angeklagte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe mehrheitlich. «Ich war damals recht im Stress», meinte er auf die Frage von Bezirksgerichtspräsidentin Franziska Roth nach den Gründen für die «spezielle Fahrt». «Eigentlich war nicht eingeplant, ein Video zu machen», erklärte er. «Es war total unüberlegt. Ich habe während der Fahrt gar nicht gewusst, dass mein Beifahrer filmt. Ich bin so schnell gefahren, weil ich etwas im Stress gewesen bin. Ich wollte aber niemanden gefährden oder gar verletzen. Im Moment habe ich mir auch nicht überlegt, was alles hätte passieren können.»

Zum Vorwurf des Handels mit Marihuana meinte der Angeklagte etwas widersprüchlich: «Ich habe zwar früher ab und zu für Kollegen etwas gekauft. Meine Absicht war es aber nicht, Geld zu machen.» Zu einem Vorfall, bei dem die Polizei bei einer Kontrolle im Auto des Angeklagten auf mehrere mit insgesamt rund 100 Gramm Marihuana gefüllte Spraydosen gestossen war, erklärte er: «Weil es mir finanziell nicht gut ging, habe ich dieses Marihuana gekauft. Ich habe erwartet, dass ich durch den Verkauf 300 bis 400 Franken Gewinn machen könnte.»

«Beweise nicht verwertbar»

Der amtliche Verteidiger des Angeklagten beantragte Freispruch seines Mandanten von den Vorwürfen im Zusammenhang mit der Raserfahrt. Er machte dabei geltend, dass die Polizei mit der Auswertung der Videokamera unrechtmässig in die Privatsphäre des Angeklagten eingedrungen sei. Die Beweise – die Aufnahmen der Fahrt – seien daher nicht verwertbar. Das insbesondere deshalb nicht, weil es sich bei der Raserei nicht um eine so genannte schwere Straftat handle, welche das Eindringen in die Privatsphäre zulassen würde. In den übrigen Punkten sei sein Mandant gemäss Anklage schuldig zu sprechen und mit einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Franken zu verurteilen.

Das Bezirksgericht folgte jedoch mehrheitlich dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Wie die Gerichtspräsidentin bei der mündlichen Begründung des Urteils ausführte, gelangte die Mehrheit des Gerichtes zur Überzeugung, dass es sich beim Angeklagten, dem bereits zum dritten Mal der Führerausweis entzogen worden ist – diesmal auf unbestimmte Zeit –, um einen Wiederholungstäter handle, dem in Sachen Strassenverkehr keine günstige Prognose gestellt werden könne.