Zürich

Viadukt in Zürich: «Eine originelle Ergänzung»

Letzter Schliff: Die Einkaufsmeile unter den Viaduktbögen in Zürich-West steht kurz vor ihrer Vollendung. Bis morgen sollten die meisten Läden eröffnet sein. (Alfred Borter)

Viadukt

Letzter Schliff: Die Einkaufsmeile unter den Viaduktbögen in Zürich-West steht kurz vor ihrer Vollendung. Bis morgen sollten die meisten Läden eröffnet sein. (Alfred Borter)

Zürich erhält mit dem Viadukt im Kreis5 eine neue Einkaufsmeile. Für Brigit Wehrli, die Direktorin der Stadtentwicklung, bedeutet das für Zürich einen Gewinn.

Alfred Borter

Vor zwanzig Jahren, weiss Brigit Wehrli, gabs für Zürcherinnen und Zürcher eigentlich nur die Innenstadt, wenn sie sich mit mehr als dem alltäglich Nötigsten eindecken wollten. Jetzt aber haben sich Läden mit schicken, trendigen Angeboten auch andernorts angesiedelt, zusätzliche Zentren haben sich gebildet. An der Bahnhofstrasse machen der hohen Mieten wegen die eingesessenen Geschäfte weltweit tätigen, exklusiven Modelabels Platz. Deshalb muss man in die Seitenstrassen der Bahnhofstrasse ausweichen, wenn man auf eine spannende Entdeckungsreise bei einheimischen Geschäftsinhabern gehen will, die nicht die globalisierte Welt verkörpern, sondern Zürich.

Potenzial als Anziehungspunkt

Oder man geht nach Zürich-West. Dass sich hier in den alten Bögen der Bahnviadukte mehrere Dutzend engagierte Geschäftsbetreiber eingemietet haben, findet Wehrli gut. «Sie passen gut in dieses Quartier», meint sie. Und wenn dann noch die Markthalle aufgehe, die etwas südliches Flair mitbringt, könnte es durchaus sein, dass sich das Gebiet zu einer Attraktion entwickle. Allerdings brauche es wohl einige Anstrengungen, dass die Leute, die zunächst sicher einmal aus «Gwunder» bloss zum Schauen vorbeikämen, zu Stammkundinnen und Stammkunden würden.

Passanten gibt es in diesem Teil des Kreises5 nämlich nur wenige. Und die Erfahrungen im «Puls5» beim Turbinenplatz zeigen, dass das Publikum nicht unbedingt in Scharen herbeiströmt, nur weil etwas Neues in alten Mauern entstanden ist.

Mit dem Auto wird man zwar nur in seltenen Fällen vorbeikommen, riesige Parkplätze wie bei einem Shoppingcenter gibt es beim Viadukt nicht. Aber bei einer Untersuchung der Einkaufsgewohnheiten 2005 hat man ohnehin festgestellt, dass die meisten Zürcherinnen und Zürcher gerne die öffentlichen Verkehrsmittel zum Einkaufen benützen, wenn sie nicht zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sind. Als Vorteil sieht Wehrli auch den Umstand, dass die Mieten in den Bögen nicht so hoch sind wie sonst im Trendquartier, was heisst, dass man nicht Grossverdiener sein muss, um sich ein Verkaufslokal leisten zu können.

Immer wieder Neues

Doch wie sieht Brigit Wehrli die künftige Entwicklung Zürichs als Einkaufsstadt? «Es kommt immer wieder etwas Neues», ist sie überzeugt. So wird sicher die Europaallee beim Hauptbahnhof, wenn sie gebaut ist, mit neuen Läden aufwarten, auch in Neubaugebieten andernorts sind im Erdgeschoss vielfach Läden geplant. Wie gewerbefreundlich Zürich effektiv ist, dürfte ein auf Mitte April geplanter Bericht der Stadtentwicklung aufzeigen.

Wie schätzt man eigentlich bei Zürich Tourismus die Entwicklung von Zürich-West mit den Viaduktbögen ein? Maurus Lauber, stellvertretender Verkehrsdirektor, spricht von Belebung und Bereicherung für das Quartier, aber auch für Zürich. «Neues Leben in altern Mauern» sei ohnehin etwas Gutes. Die Bögen hätten ihren eigenen Charme. Natürlich würden die Touristen, die bisher der Bahnhofstrasse einen Besuch abgestattet haben, jetzt nicht nach Zürich-West pilgern, dennoch könnte sich die Viaduktstrasse zu einer Flaniermeile entwickeln. Die Markthalle mit ihren regionalen Angeboten werde sicher ein Magnet sein. Wichtig sei auch, dass das Konzept nicht auf «billig und schnell» ausgerichtet sei, sondern auf Qualität.

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