«Verzichte eher auf Frauen als den Traktor»

Bührer, Bucher und Hürlimann kennen wir ja als Traktoren-Marken. Aber hätten Sie etwas mit den Bezeichnungen Irus, Hatz, Nuffield, Pampa oder Käppeli anfangen können?

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«Verzichte eher auf Frauen als den Traktor»
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Landmaschinen-Oldtimer-Treffen in Effingen
 Viel Aufmerksamkeit erregt der Cletrac von Martin Wehrli aus Asp. Das Raupenfahrzeug wurde 1935 in den USA herstgestellt.

«Verzichte eher auf Frauen als den Traktor»

Peter Belart

Schon optisch ist der 70 Jahre alte Lanz Bulldog HR8 von Fritz Wegmüller eine absolute Attraktion: Ferrari-Rot nennt man diese Farbe wohl, dazu das Schwarz der Räder, des enormen Auspuffs und des Fahrersitzes und die messingfarbenen Zierelemente, alles in tadellosem Zustand, auf Hochglanz poliert, ein Stäubchen wäre ein Stäubchen, aber da findest du garantiert keins – eine Augenweide.

Aber das ist noch nicht alles. Zur Ästhetik kommt die Akustik: Wegmüller belässt den Motor des Kraftprotzes noch eine Weile im Standlauf. Ein tiefes Husten oder Rollen oder Bellen oder Schlagen oder wie zum Teufel sagt man dem – und der einzige Zylinder mit über 10 Liter Hubraum bringt den Traktor bei jeder Zündung buchstäblich zu einem Hupfer. Wegmüller strahlt. Die Fans staunen.

Mehrere hundert Fahrzeuge sind auf dem tadellos durchorganisierten Ausstellungs- und Festgelände aufgereiht. Und immer kommen weitere: ein Meili, ein Porsche Diesel, ein Kramer, ein Deutz, ein Fiat, ein Schlüter – und eine ganze Anzahl der bei uns geläufigeren Fabrikate Bührer, Bucher und Hürlimann.

Ein Traktor ist mehr als nur ein «Geschirr»

Von Helfern werden sie zu dem ihnen zugedachten Standplatz gewiesen: hier links, langsam, noch ein Stückchen, das linke Vorderrad genau beim Pfosten, ganz gerade ausrichten, stopp! Und dann gehen die Aussteller und die Besucher durch die Reihen, mustern fachkundig jedes einzelne Exponat, lassen sich zu Diskussionen anregen zu technischen, nostalgischen oder historischen Themen.

Und manch einer erzählt seine ganz eigene Geschichte, die ihn mit seinem Fahrzeug verbindet. Heinz Müller aus Oberflachs zum Beispiel. Er hat seinen Bucher D1800, Jahrgang 1956, hergebracht. «Vor einem Jahr, bei meiner Pensionierung, habe ich mir mit dem Ankauf dieses Traktors einen Traum verwirklicht», sagt er. «Ich habe Mitte der 1960er Jahre bei der Firma Bucher meine Stifti gemacht, und so habe ich eine enge persönliche Beziehung zu dieser Maschine. Wissen Sie, wenn man älter wird, denkt man halt gerne zurück.»

Viele äussern sich ähnlich wie Müller. Ihr Traktor ist für sie viel mehr als ein Gerät, eine Maschine oder ein «Geschirr», wie es hier heisst. Sie verbinden damit eine ganz individuelle Geschichte, und so wäre kaum jemand bereit, sein Gefährt zu verkaufen. Peter Hufschmid aus Birr bringt es lachend auf den Punkt: «Für mich ist mein Hela das Grösste. Den geb ich nie und nimmer her. Lieber verzichte ich auf eine Frau.»

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