Rauch
Verzicht auf ein zweites «Kafi»

Seit Anfang Jahr darf im Kanton Solothurn in Restaurants und Bars nicht mehr geraucht werden. Während Speiserestaurants keine Einbussen zu verzeichnen scheinen, merken Betriebe mit einer Stammtisch-Kultur einen Rückgang bei den Gästen. Dieser wird mit etwa zehn Prozent gewertet.

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Solothurner Zeitung

Angelica Schorre

«Nein», sagt Silvia Aebi vom «Pintli» in Feldbrunnen/St. Niklaus entschieden, «das Rauchverbot hat uns keine Umsatzeinbusse beschert». Das «Pintli»-Team hat auf dem Parkplatz ein grosses Mostfass als Fumoir für etwa 15 Personen eingerichtet. «Mit vielen Decken und Kissen. Viele Gäste finden es dort sogar gemütlicher als im Restaurant», lacht sie. Aber Speiserestaurants hätten es mit dem Rauchverbot generell einfacher als kleinere Betriebe mit einer Stammtisch-Kultur. «Das Rauchverbot ist eine Bevormundung», kritisiert Aebi die seit Anfang Jahr im Kanton Solothurn gültige Regelung. «Der Wirt soll selber entscheiden können, die Angestellten können wählen, ob sie in einem Raucher- oder Nichtraucher-Betrieb arbeiten wollen. Und der Gast entscheidet, wohin er geht.»

Das Restaurant Drei Eidgenossen in Brittern hat kein Fumoir. «Ob das Rauchverbot einen Einfluss auf den Umsatz hat, kann ich nicht sagen», sagt Marcel Tschumi. Aber es sei auch vorher nicht viel geraucht worden; sie seien keine ausgeprägte «Stammtisch-Beiz.»

Krise oder Rauchverbot

Andreas Graber vom «Löwen» in Messen vermutet, dass einige Raucher weggeblieben sind, da das ganze Speiserestaurant rauchfrei ist. Der Umsatz sei ein wenig zurückgegangen. «Aber ob das an der Wirtschaftskrise liegt oder am Rauchverbot, kann ich nicht sagen», so Andreas Graber.

Peter Oesch, Restaurant zum goldenen Ochsen in Olten, ist sich sicher, dass «Znüni»-, Feierabend- und Barbetriebe mit Umsatzeinbussen wegen des Rauchverbots rechnen müssen. Er selber bietet einen Wintergarten als Fumoir an. «Aber er wird nicht so gut genutzt. Die Gäste kommen sich ein wenig abgeschottet vor», sagt Oesch. Auf sein Speiserestaurant habe das Rauchverbot keinen grossen Einfluss. Was er nicht versteht, ist, dass es in der Schweiz 26 verschiedene Rauchverbote gibt: «Das ist doch Föderalismus pur.»

«Die Gäste bleiben nicht mehr so lange sitzen, verzichten auf einen zweiten Kaffee», stellt Denise Lappert, Seminarhotel Kreuz, Kreuz-Rössli-Kornhaus AG in Balsthal, fest. Einige verlassen den Tisch, um im Fumoir eine Zigarette zu rauchen. «Aber das stört die Geselligkeit», meint sie. Vor allem im Kornhaus, das kein Fumoir hat, würden sie das Rauchverbot merken. «Ich schätze, dass etwa zehn Prozent weniger Gäste kommen», so Denise Lappert.

Eine Umsatzeinbusse von mindestens zehn Prozent verzeichnen auch zwei Wirtinnen aus dem Wasseramt und aus dem Raum Oensingen, die anonym bleiben wollen. «Wir haben Stammgäste verloren, die drei Mal am Tag zu uns kamen», sagt die eine. Und die andere Wirtin: «Auf alle Fälle machen wir wegen des Rauchverbots mindestens zehn Prozent weniger Umsatz.»

Rauchverbot-Toleranz

In der Cucaracha-Bar im Martinshof in Zuchwil kann noch bis Ende August geraucht werden. «Dann werden wir sicher mit Einbussen rechnen müssen», sagt Stefan Reinhard. Wie gravierend diese sein werden, kann er nicht abschätzen. «Wie unsere rauchenden Stammkunden auf das Rauchverbot reagieren? Das werden wir sehen.»

Das Restaurant Ueli der Pächter in Kriegstetten war schon vor dem Verbot rauchfrei. «Zuerst sind ein paar rauchende Gäste weggeblieben», sagt Kim Kaufmann, «aber nach einem Monat wiedergekommen». Seine Gäste hätten das Rauchverbot akzeptiert, Raucher würden zwischendurch vor die Türe gehen. «Das ist gar kein Problem», so Kaufmann. Aber er kann sich vorstellen, dass Lokale mit einer ausgeprägten Stammtischkultur mit Umsatzeinbussen rechnen müssen.

Es gibt seit dem Rauchverbot klar weniger Gäste, die das «St. Joseph» in Gänsbrunnen besuchen. «Es ist um jeden Gast schade», sagt Stefan Favetto. Bei diesen Leuten würde es sich im weitesten Sinne um Stammgäste handeln. Aber es seien auf jeden Fall weniger als zehn Prozent. Das «St. Joseph» hätte hier den Vorteil, auch ein Ausflugsrestaurant mit einem grossen Garten zu sein, der gerne auch von Durchreisenden besucht wird.

Rückgang in Randzeiten

Für das «Kreuz» in Solothurn hat sich das Rauchverbot massiv ausgewirkt. Dies vor allem in der Zeit, als man draussen nicht sitzen konnte. «In den Randzeiten hatten wir markant weniger Publikum», sagt Michael Wilhelm. Dafür hätten sie mehr Essen verkauft, da die «Rauchfreiheit» im Restaurant von vielen geschätzt würde. «Aber die Gäste, die nach 22 Uhr noch ein Bier trinken wollen, sind weniger geworden.»

Nur wenig abgenommen hat die Kundschaft der Desperado-Bar in Gerlafingen. Björn Rehm: «Bei den Essen haben wir überhaupt nichts gemerkt.» Er ist zuversichtlich, dass sich das Einpendeln wird, sich die Leute an das Rauchverbot gewöhnen werden. Roger Liggenstorfer von der Absinthe-Bar in Solothurn verweist auf das schöne Jugendstil-Fumoir, das gerne genutzt wird. So hätten sie keine Einbussen wegen des Rauchverbots gehabt. Einige Raucher würden trotzdem vor die Türe gehen, was dann in Sachen Lärmbelästigung und «Kippen»-Abfall nicht so angenehm sei.

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