Ursula Burgherr

Kulinarische Genüsse aus der eigenen Backstube mit Geschichten rund ums Kochen, Essen und Geniessen verbinden: Von dieser Idee zeigten sich die Gäste begeistert und kamen sowohl beim Verkosten der fünf Gänge als auch beim Zuhören der verschiedenen Buchepisoden ins Schwärmen.

Sinnesfreuden

Einmal im Jahr veranstaltet das Ehepaar Karin und Markus Gfeller von der gleichnamigen Klingnauer Bäckerei-Konditorei-Confiserie einen Anlass, um sich bei der Kundschaft für die Treue zu bedanken. Nach ihrem Event «Schokolade und Wein» im letzten Jahr wurden heuer im wunderschönen Ambiente des Rittersaals kulinarische Leckerbissen mit Hörgenüssen kombiniert. Und die Anwesenden gaben sich gerne den Sinnesfreuden hin, die ihnen geboten wurden. Die Weinbaugenossenschaft Klingnau kredenzte der Schar ihre feinsten Tropfen, passend zu den jeweiligen Gängen, die Markus und Karin Gfeller mit Familie und Bekannten servierten. Ob Kürbissüppchen in warmem Bauernbrötchen, ofenfrische Milken-Pastetli oder Schweinsfilet im Butterblätterteig: Jede Speise war liebevoll auf den Teller drapiert - das Auge isst ja bekanntlich mit.

Geradezu meditative Ruhe breitete sich bei den Gitarrenklängen von Ruedi Hauenstein aus, welche auf die Lesungen von Jan Da Rin und Bettina Geiger (beide Mitglieder des Theaters Klingnau) einstimmten. Auch bei den von Karin Gfeller ausgewählten Kurzgeschichten ging es um Genuss, Essen und Küche. Zum Beispiel wie die berühmte Köchin und Bocuse- d'Or-Gewinnerin Lea Linster versuchte, ihre zenbuddhistische Ruhe zu bewahren, als beim perfekt orchestrierten 10-Gang-Diner für Chirac, Kohl und andere politische Grössen der Ofen explodierte (wahr). Oder wie der Olivenbauer Fra Bartolo eine Schar fastender Nonnen zur Zubereitung eines Festmahls überlistete (erfunden). Auszüge aus Büchern der bekannten Autorinnen Doris Dörrie und Donna Leon veranschaulichten, dass nicht nur Liebe, sondern auch der Tod durch den Magen gehen kann. Da wurden Gatten entweder mit Messer und Gabel oder mit Penne, Wurst und Sahnetorte ins Jenseits befördert. Im Kontrast dazu das Märchen der Brüder Grimm, wo es im Schlaraffenland Honig regnet und Würfelzucker hagelt. Vor dem Dessert wurden Kolumnen von Elke Heidenreich serviert, unter anderem über allzu perfekte Männer in der Küche.

Patisserie auf Spiegeln

Das Bouquet aus lukullischen, literarischen und musikalischen Genüssen wurde mit einer betörenden Kreation von Mini-Patissierie (auf Spiegeln serviert) aus der Backstube der Gfellers abgerundet. «Die Kombination von Lesungen und Essen habe ich so noch nie erlebt. Ich finde diesen Abend schlicht genial», äusserte sich eine begeisterte Besucherin. Und während man sich wohlig und angeregt im Stuhl zurücklehnte, fiel das Auge auf den Spruch, der an der Wand des Rittersaals aufgehängt war: «Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiss, ob sie wiederkommen.»