Versicherungskunden sind verunsichert

Weil die Krankenkassenprämien schon wieder massiv steigen, überlegen sich so viele Leute wie noch nie einen Wechsel. Gleichzeitig erwarten sie Sicherheit und Qualität.

Markus Christen

Der Prämienschock sitzt den Krankenkassenkunden noch tief in den lädierten Knochen. Durchschnittlich müssen die Versicherten im Aargau im nächsten Jahr mit einem Prämienanstieg von 10,5 Prozent rechnen (AZ vom 1. Oktober).

Viele sehen sich aus diesem Grund nach einer günstigeren Alternative um. «Im Moment werden wir von Anfragen überrannt. Es sind deutlich mehr als noch in vergangenen Jahren», sagt Peter Rickenbacher, Geschäftsführer der EGK-Gesundheitskasse mit einer Agentur
in Aarau. Obwohl Rickenbacher zum jetzigen Zeitpunkt über genaue Zahlen der Aarauer Agentur noch keine Angaben machen kann, erklärt er, das Beratungsbedürfnis der Kunden habe nach der Bekanntgabe der Prämienerhöhung in der ganzen Schweiz stark zugenommen.
Diese grundsätzliche Bestandsaufnahme kann auch Christian Beusch, Pressechef der Visana-Krankenversicherung, bestätigen. «Die Gesamtzahl der Anfragen und Rückfragen hat im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Hauptsächlich müssen wir unsere Kunden in Bezug auf die Möglichkeiten einer Prämienoptimierung beraten.» Beide Krankenversicherer bestätigen somit die Medienberichte der letzten Tage, wonach sich im nächsten Jahr bis zu 1,3 Millionen Versicherte für einen Wechsel der Krankenkasse entscheiden könnten.

Sicherheit ist wieder wichtiger

Die Kassen hatten in den letzten Wochen einiges an Informationsarbeit zu leisten. Die Versicherten enervieren sich über die Prämienerhöhung und sind verunsichert. «Wir erklären unseren Kunden, dass die Krankenversicherer nicht für die Erhöhung verantwortlich sind. Das verstehen sie auch», sagt Peter Rickenbacher.

Dieses Verständnis bringen die Aargauer aber nicht für den eigentlichen Entscheid über die drastischen Prämienerhöhungen auf. «Die Leute sind zum Teil geschockt. Vor allem junge Versicherte sind wegen dem Wegfall des Jugendtarifes bei einigen Kassen von einschneidenden Kostenerhöhungen betroffen», erklärt Beat Koch, Geschäftsführer der BiC AG, einer neutralen Versicherungsberatung in Seengen.

Internet als Informationsquelle

Die EGK-Gesundheitskasse stellt in den sich häufenden Anfragen auch eine Verschiebung des Kundenbedürfnisses fest. «Sicherheit und Qualität werden vermehrt wieder entscheidende Faktoren bei der Auswahl der Krankenkasse», so Rickenbacher. Die Gründe dafür seien zum einen das derzeitige Krisenverhalten der Kunden, wobei der Faktor Vertrauen wieder an Wert gewinnt, zum anderen aber auch die lauter werdende Kritik an den so genannten Billig-Kassen.

Sowohl die EGK-Gesundheitskasse als auch die Visana rechnen bis zum Jahresanfang mit einem Kundenanstieg. «Die Visana wird am 1. Januar mehr Versicherte ausweisen können als noch in diesem Jahr», sagt Christian Beusch.

Für die Wahl der richtigen Krankenversicherung wird auch das Internet immer entscheidender. So stellt Beusch fest, dass sich insbesondere potenzielle Neukunden vor ihrer Anfrage oft über ein Internet-Vergleichsportal wie comparis.ch vorinformiert und eine Auswahl an für sie interessanten Kassen getroffen haben.

Späte Policenzustellung

Nicht anders als bei den Krankenkassen verhält es sich bei den neutralen Versicherungsberatern im Kanton. «Allerdings», so die selbstständige, neutrale Versicherungsberaterin Doris Lienhard aus Aarau, «haben die Beratungsanfragen erst in den letzten Tagen signifikant zugenommen.» Das hat vor allem mit der relativ späten Bekanntgabe der definitiven Prämien zu tun. Die Kunden haben diese zuerst einmal abgewartet und immer noch gibt es Kunden, die ihre Versicherungspolicen noch nicht erhalten haben. Deshalb rechnet Lienhard bis im späten November noch mit einer grossen Zunahme an Kundenanfragen.

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