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Vernetzen und Energien bündeln

Fit werden: Im Werkteam Hölstein können Langzeitarbeitslose trainieren, um auf dem harten Pflaster des Arbeitsmarktes zu bestehen.

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Fit werden: Im Werkteam Hölstein können Langzeitarbeitslose trainieren, um auf dem harten Pflaster des Arbeitsmarktes zu bestehen.

Professionell abklären, kompetente Organisationen vernetzen und Strukturen für nachhaltige Lösungen aufbauen: Die Stiftung Brückenschlag arbeitet vor allem auf dem Feld der Koordination.

Daniel Haller

Null Bock in der Schule, keine Lehre und schliesslich Stress mit dem Sozialamt ... Oder aber 30 Jahre im gleichen Betrieb gearbeitet, bei einer Umstrukturierung den Job verloren, Alter um die Fünfzig, Rahmenfrist auf dem RAV abgelaufen und keine Ahnung, wie man sich heutzutage bewirbt ... Beide Situationen führen zu psychischen Belastungen, welche die Langzeitarbeitslosen auf dem Arbeitsmarkt zusätzlich benachteiligen: Wer unausgeschlafen, oft zu spät oder mit einer Fahne am Arbeitsplatz erscheint, verliert diesen bald wieder.

Weiterhelfen kann da - vorausgesetzt, die betroffene Person ist motiviert - ein Integrationsprogramm im Werkteam Hölstein: In der Schreinerei, bei Haus-, Garten- oder Umzugsarbeiten werden wieder geregelte Tagesstrukturen eingeübt. Betreuer coachen die Programmteilnehmer mit dem Ziel, dass diese einen regulären Job finden und von fremder Hilfe unabhängig werden. Das Werkteam bietet diese Programme im Auftrag der Stiftung Brückenschlag (SB) an.

Vorstand als Sozialantenne

«Die Leute sollen wissen, was wir machen», erklärte Vorstandsmitglied Markus Wagner an der Pressekonferenz der SB. In der Regel haben Organisationen ein klar umrissenes Tätigkeitsfeld. Der SB-Vorstand hingegen versteht sich als «Sozialantenne», die feststellt, wo im Waldenburgertal Probleme entstehen. Doch die Stiftung greift nicht selbst ein, sondern lässt das Problem professionell analysieren, etwa durch die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Dann bringt sie jene Akteure, die sich bereits professionell mit dem Problem befassen, an einen Tisch, um ein Lösungskonzept zu erarbeiten. Erst dann sucht sie kompetente Personen oder Organisationen, die im Mandat der SB das Konzept umsetzen. «Wichtig ist, dass wir die Aktivitäten begleitend evaluieren, um bei Bedarf Korrekturen vorzunehmen», erklärt Erwin Killer. Ziel sei, Mechanismen zu etablieren, die nachhaltig an der Lösung der Problemen arbeiten. Der Verein Pro Waldenburgertal, den Killer präsidiert, ist dafür ein Beispiel: Von der SB 2005 als Mandatsträger gegründet, wurde er auf Anfang 2009 von den Talgemeinden übernommen und betreibt nun wirtschaftliche Standortförderung.

Sprachkompetenz früh fördern

«Nichts Neues erfinden, sondern bestehende, oft kaum bekannte Angebote aufspüren und vernetzen», umschreibt SB-Präsident Diethelm Hartmann die Philosophie. Sitzen dann Vertreter von Kanton, Gemeinden, Kirchen, Sozialdiensten, Schulen, Kindergärten, Industrie und Gewerbe zusammen, gelte es die Energien zu bündeln.

Dies wird deutlich an der Förderung der Sprachkompetenz im Vorschulalter: Die Sozialraumstudie der FHNW hatte ergeben, dass im Waldenburgertal viele Kinder mit ungenügendem Deutsch die Schule beginnen. Wer von Anfang an schlecht mitkommt, bleibt oft in der Schule schwach, findet keine Lehrstelle und landet schliesslich arbeitslos auf dem Sozialamt.

Fred Schweingruber aus Oberdorf übernahm das Sprachförderungs-Mandat. Eine Umfrage in Spielgruppen ergab, dass pro Gruppe zwei bis vier Kinder Förderunterricht benötigen. Schweingruber kontaktierte das Amt für Volksschule, den Ausländerdienst Baselland, Schulen, Kindergärten und Spielgruppen. Ergebnis: Eltern werden mit mehrsprachigen Flyern ein geladen, ihr Kind für die Sprachförderung anzumelden, damit sie bei Schuleintritt Deutsch soweit beherrschen, dass sie dem Unterricht folgen können. Ergänzt wird dies mit Sprachkursen für Mütter sowie dem Unterricht in heimatlicher Sprache und Kultur: Wer in der Muttersprache sattelfest ist, lernt auch leichter Deutsch.

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