Ohne nach dem Ausweis zu fragen, verkaufte ein Angestellter des Coop Pronto Shops in Interlaken einer noch nicht 16-jährigen Testkundin zwei Flaschen Bier. Darauf verfügte der zuständige Regierungsstatthalter gegen den Shop ein einmonatiges Verkaufsverbot von alkoholischen Getränken. Die Beschwerde der Leiterin und einer weiteren Person gegen die Verfügung wies zuerst die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern und jetzt auch das Verwaltungsgericht ab. Die Beschwerdeführerinnen hatten moniert, das Verkaufsverbot sei unverhältnismässig. Einerseits habe die Leiterin den fraglichen Verkäufer über die Jugendschutzbestimmungen orientiert, andererseits habe der Shop erstmals gegen die Jugendschutzbestimmungen verstossen. Zudem widerspreche der Testkauf der Bundesgesetzgebung über die verdeckte Ermittlung.

In seinem gestern veröffentlichten Urteil widerspricht das Verwaltungsgericht dieser Auslegung. Die von der Kantonspolizei organisierten Testkäufe seien genügend im kantonalen Gastgewerbegesetz abgesichert. «Die Kontrolle, ob die mit Alkohol handelnden Betriebe die Jugendschutzbestimmungen einhalten, liegt im öffentlichen Interesse. Eine wirkungsvolle Kontrolle wäre nicht denkbar, wenn sich die jugendlichen Käuferinnen und Käufer als Testpersonen zu erkennen geben würden.» Das Interesse an der Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen wiege schwerer als das Interesse der betroffenen Verkaufsstellen. Die gegenüber dem Verkäufer ausgefällte Busse von 150 Franken habe nichts mit dem Verwaltungsverfahren zu tun. Die Leiterin sei «umfassend» verantwortlich für den Betrieb. Gestützt auf die Vorakten geht das Verwaltungsgericht zudem davon aus, dass im Shop bereits früher einmal gegen die Jugendschutzbestimmungen verstossen wurde. Den beiden Beschwerdeführerinnen auferlegte es pauschal eine Gebühr von 3000 Franken. Ein Weiterzug ans Bundesgericht ist möglich. (uz)