Küche

Verkauf der Stadtküche in Schwebe

Menu and  More AG: Laut Geschäftsführer Markus Daniel konnte die Geschäftstätigkeit massiv ausgeweitet werden.

Menu and More AG

Menu and More AG: Laut Geschäftsführer Markus Daniel konnte die Geschäftstätigkeit massiv ausgeweitet werden.

Der Zürcher Stadtrat hätte die Stadtküche gerne verkauft, aber eine Mehrheit im Stadtparlament verschob den Entscheid. Ihr Argument: Es lägen nicht alle Fakten auf dem Tisch. Damit ist der Verkauf auf den 1. Januar 2010 nicht mehr möglich.

Alfred Borter

Vorläufer der Stadtküche war im 19. Jahrhundert die Armenspeisung, welche in den Händen von Privaten lag. Dann, vor 125 Jahren, engagierte sich auch die Stadt in diesem Bereich. Und noch bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts stellte die Stadtküche in ihren 24 Speiselokalen der Bevölkerung günstige Mittag- und Abendessen zur Verfügung. Ausserdem versorgte die Stadtküche Horte, Schulen und städtische Personalrestaurants mit fertigen Mahlzeiten und füllte die von der Stiftung Pro Senectute verteilten Mahlzeitensäcklein für Senioren.

Lange Jahre Defizite

Allerdings kam schon vor gut zehn Jahren die Frage auf, ob die Defizite noch tragbar seien - 1999 entstand bei einem Umsatz von 4,4 Mio. Franken ein Defizit von 2 Mio. Und man fragte sich auch, ob es überhaupt noch nötig sei, dass die Stadt billige Mahlzeiten anbiete, das übernähmen doch jetzt auch private Restaurantketten. Als erste Massnahme zur Sanierung wurde die Stadtküche vom Sozialdepartement ins Gesundheits- und Umweltdepartement transferiert, einzelne Lokale wurden geschlossen, und 2000 plante man einen Neuanfang mit einer neuen Direktorin, welche den Betrieb wieder in die schwarzen Zahlen führen sollte, was ab 2002 tatsächlich geschah.

Weil es sich aber zeigte, dass die Stadtküche als Dienstabteilung der Stadtverwaltung kaum in der Lage ist, im hart umkämpften Markt erfolgreich unternehmerisch tätig zu sein, ging die Stadt eine Zusammenarbeit mit der Firma DSR ein, dem in der Schweiz zweitgrössten Caterer-Unternehmen mit Sitz in Morges; die Firma ist in der Grundstruktur als Stiftung organisiert und zeichnet sich, wie der Stadtrat festhält, durch hohe soziale Verantwortung und gemeinnützige Ausrichtung aus. Somit wurde eine gemeinsame Betriebsgesellschaft gegründet, die Menu and More AG. Seit 2005 liefert die Stadtküche fertige Menüs und Menükomponenten, Menu and More kümmert sich um Marketing, Verkauf und Kundenmanagement.

50 Mitarbeitende arbeiten für die Stadtküche und für die Betriebsgesellschaft, der Bruttoertrag beläuft sich nun auf einiges mehr als 10 Mio. Franken. Wie Geschäftsführer Markus Daniel sagt, konnte die Geschäftstätigkeit ausgeweitet werden. Zahlreiche private Krippen und Horte konnten als Kunden gewonnen werden, ausserdem bezieht Coop eine Joghurtspezialität und Sandwichs.

Vereinfachung als Ziel

Der Stadtrat beantragte dem Gemeinderat, die Stadtküche in die Menu and More AG zu integrieren. Das vereinfache die Abläufe und entlaste die Stadt von teuren Investitionen. Die Stadtküche soll an die DRS Participations für 2,12 Mio. Franken verkauft werden, anderseits beteiligt sich die Stadt am Aktienkapital der Menu and More AG mit maximal 20 Prozent. Die Angestellten würden zu den bisherigen Anstellungsbedingungen übernommen.

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