Regierungsstatthalteramt
Verifiziert wird in Landvogts Schlafzimmer

Im Schloss Wangen nimmt die neue regionale Kantonsverwaltung Gestalt an. Es wurde für zwei Millionen Franken saniert und angepasst. Das Regierungsstatthalteramt Oberaargau und das Grundbuchamt Emmental-Oberaargau sind eingezogen.

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Wangen
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Neuer Zweck 2
Martin Sommer
Regierungsstatthalteramt
Grundbuchamt

Wangen

Jürg Rettenmund

«Meine Aufgabe ist die Verifikation», sagt Anita Rey. Das heisse, deutscht die Mitarbeitende des Grundbuchamtes aus, dass sie die Grundbucheinträge der Sachbearbeiter auf ihre Richtigkeit hin überprüft. Sie tut dies in einem Raum, in dem man eine so trockene Arbeit eigentlich nicht erwarten würde.

«Wir befinden uns hier in den ehemaligen Wohnräumen der Landvögte», erklärt Regierungsstatthalter Martin Sommer auf einem Rundgang durch das sanierte Schloss. Anita Rey arbeitet im Schlafzimmer. Für seine Landvögte hat die Stadt Bern das Zimmer um 1690 von Michael Vogelsang und seiner Werkstatt mit so üppigen und freizügigen Darstellungen ausmalen lassen, dass das Schlosspersonal das Büro auch einfach das «Pornozimmer» nennt.

Gerichtssaal nur 30 Jahre

Doch reich ausgestattete Zimmer gibt es nicht nur in der ehemaligen Landvogt-Wohnung. Auch eine Etage tiefer, in den Amtsräumen von anno datzumal, liess sich das alte Bern nicht lumpen. Zum Beispiel in jenem Raum, der bis vor kurzem als Gerichtssaal diente. Deshalb musste sich Martin Sommer auch in seinem Regierungsstatthalteramt damit befassen, wie diese historischen Räume künftig genutzt werden können.

«Das Gerichtsmobiliar war nicht alt», erklärt er. Erst bei der letzten Sanierung des Schlosses in den 1970-er Jahren erhielt der Raum diese Funktion. Deshalb hatte die Denkmalpflege nichts dagegen, die Möbel wieder zu entfernen. Anders ist es mit den reichen Grisaille-Malereien und den Resten eines Wappenfrieses aus dem 17. Jahrhundert an den Wänden - eindrückliche Zeugen aus der 603-jährigen Geschichte Bernischer Regionalverwaltung im Oberaargau. «Hier mussten wir mit der Denkmalpflege einen Kompromiss finden, wie hoch unsere Möbel werden durften.»

Eingezogen ist die Abteilung Gemeindeaufsicht. «Bei 50 Gemeinden muss diese viele Akten bereithalten können», erklärt Sommer mit Verweis auf die vielen schwarzen Ablageschränke, die hier Platz gefunden haben.

30 Jahre seit letzter Sanierung

Die erwähnte Sanierung in den 1970-er Jahren war zugleich die letzte grössere Anpassung des Schlosses an neue Bedürfnisse. «Nach rund dreissig Jahren war deshalb unabhängig von der Verwaltungsreform wieder eine Auffrischung nötig», erklärt der Regierungsstatthalter. Rund zwei Millionen Franken hat der Kanton dafür investiert.

Auch in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der westliche Teil des Schlosses innen völlig neu gebaut. Deshalb gibt es auf jedem Stockwerk neben den historischen Gemächern auch moderne Büroräume. Auch diese hatten jedoch eine Auffrischung nötig.

Wieder klar gegliedert

Ähnlich wie im alten Landvogteischloss sind in der neuen Regionalverwaltung die Geschosse wieder klar aufgeteilt: Im ersten Obergeschoss befinden sich die Gemeinschaftsräume wie die Cafeteria und der technisch modernisierte Schulungsraum mit Platz für 50 bis 60 Personen.

Eine Etage höher haben die Mitarbeitenden des Regierungsstatthalteramtes ihre Büros bezogen, im dritten Geschoss schliesslich ist das Grundbuchamt angesiedelt. Im Dachgeschoss sowie in der ehemaligen Schlossscheune (mit dem Polizeiposten) entstanden zusätzlich Archivräume.

Glaspalast statt Pornozimmer

Wangen verlassen wird das Zivilstandsamt des Amtsbezirks Wangen. Es wird ins neue Zivilstandsamt Oberaargau in der neuen Überbauung auf dem «Rössli»-Areal an der Melchnaustrasse in Langenthal integriert. Bereits ausgezogen ist die Dienststelle des Betreibungs- und Konkursamtes. Es vertauschte das üppige «Pornozimmer» mit den nüchternen Räumen des «Glaspalastes» in Langenthal.