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«Verhungert wäre ganz sicher niemand»

Am Stephanstag öffneten vor allem Grossverteiler ihre Türen. Dabei fanden «normal viel» bis «extrem viel mehr» Kunden den Weg in die Läden. Für viele war aber klar: Den Einkaufstag hätte es nicht unbedingt gebraucht.

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Baden

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Schweiz am Sonntag

Michael Spillmann

Kaum war der erste Weihnachtstag vorüber und die Geschenke waren ausgepackt, konnte das Weihnachtsgeld bereits wieder in vollen Zügen ausgegeben werden - oder die Geschenke umgetauscht werden. Im Aargau öffneten am gestrigen Stephanstag viele Geschäfte ihre Türen. So hatten sämtliche Migros-Filialen geöffnet, wie Thomas Bornhauser, Mediensprecher Migros Aare, erklärte. «Es herrschte nicht Hochfrequenz, das Geschäft lief wie an einem normalen Samstag unter dem Jahr», sagte er auf Anfrage. «Die Elektronikabteilungen waren aber sehr gut besucht», fügte Bornhauser an.

Mehr Kunden als erwartet strömten in die drei Manor-Filialen in Spreitenbach, Baden und Aarau. «Es hatte mehr bis extrem viel mehr Kunden», schilderte Mediensprecher Markus Laub die Situation gestern Nachmittag.

Sehr gefragt seien Bijouterie- und Multimediaartikel gewesen. In der Lebensmittelabteilung in Baden waren Fisch, Fleisch und Schokolade der Renner. Was gemäss Mediensprecher Markus Laub auffiel: Die Kunden tauschten wenig Geschenke um. Und: Obwohl die Läden gut frequentiert waren, habe eine entspannte Atmosphäre geherrscht. Man habe sich im Laden getroffen und miteinander geredet. «So war es auch nicht erstaunlich, dass das Manor-Restaurant in Baden sehr gut besucht war», sagte Markus Laub.

In den Einkaufszentren und vor den Läden waren gestern die Kunden zu beobachten, wie sie gemütlich mit vollen Einkaufstaschen von Geschäft zu Geschäft flanierten oder volle Einkaufswagen vor sich herschoben. Doch in die Freude über die weihnachtlichen Einkaufsmöglichkeiten mischte sich auch Unverständnis. «Wir haben genug eingekauft. Ich verstehe nicht, warum die Geschäfte heute offen sein müssen», sagte Hubert Ruch aus Olten. Zusammen mit Cousin Karl Schwarz besuchte er mit den Kindern das Hallenbad in der Aarauer Telli. Das Auto parkierte er beim Shopping-Center. «Verhungert wäre ganz sicher niemand«, stimmte Karl Schwarz seinem Cousin zu.

«Komfortabel ist es für uns Kunden natürlich schon», meinte Hanspeter Locher vor dem Coop im Telli-Center. «Ich hätte aber Verständnis dafür, wenn die Läden geschlossen wären», so der Buchser, «viele Leute müssen jetzt am Stephanstag arbeiten.»

«Eigentlich ist es nicht richtig», war die Meinung der Badenerin Käthy Baer zum Einkaufen am Stephanstag. Sie habe nur die nötigsten Besorgungen gemacht: «Für den Besuch bei der Tochter habe ich ein Dessert geholt.» Beatrice Nabholz aus Baden, die seit 25 Jahren in Italien wohnt, ist über die Festtage zu Besuch im Aargau: «Ich gehe an Feier- oder Sonntagen nie einkaufen.»

«Ich musste mir nur ein neues Handy kaufen. Meine Freundin muss arbeiten, das tut mir leid», erklärt die 20-jährige Stephanie Amrein aus Kirchdorf. «Bei diesem Wetter ist es doch schön, in der Stadt zu spazieren», so Begleiter Roger Pahr aus Nussbaumen. «Ich habe sie nur begleitet», erklärte sich der 20-Jährige.