Verhaltene Kritik in den Deutschschweizer Zeitungen

Schweizer Zeitungen uneinheitlich

Schweizer Zeitungen uneinheitlich

Der erwartete Milliardenverlust der UBS hat in den meisten Deutschschweizer Zeitungen keinen grossen Aufschrei mehr verursacht. Kritisiert werden zum Teil die Umstrukturierungen und - vor allem in der Westschweiz - die Bonus-Zahlungen.

So schreibt der "Quotidien Jurassien", das Volk könne nur schockiert sein über die 2,2 Mrd. Fr. Boni, das Dreifache der erwarteten Einkünfte des Kantons Jura für 2009.

Schelte gibt es in diesem Zusammenhang auch für den Bundesrat: "Im Gegensatz zu den USA und Grossbritannien fürchten sich die Schweizer Behörden, sich in der Frage der Entlöhnungen die Hände zu verbrennen", kommentieren "L'Express" und "L'Impartial.

"La Liberté" geht sogar so weit, zu bedauern, dass in Anbetracht der Milliardenspritze nicht über eine Verstaatlichung der Bank gesprochen werde.

Für den Kommentator des "Tagesanzeiger" ist es unverständlich, dass die UBS-Manager die Krise weiterhin mit einem Naturereignis vergleichen und sich "in diesem Denken als Opfer und nicht Täter" darzustellen versuchen.

"Der Schaden, den die Verantwortlichen der UBS innerhalb und ausserhalb der Bank angerichtet haben, ist immens [...] Dafür gerade stehen muss niemand". Die Bonusdebatte zeige, dass die UBS-Chefs weit von einem Umdenken enfernt seien.

Weit nachsichtiger beurteilt die "Neue Zürcher Zeitung" das schlechteste UBS-Jahresergebnis der Geschichte. "So enttäuschend der Milliardenverlust ist: Die Zunft der Analytiker war von einem tendenziell höheren Minus ausgegangen."

Zwar sei der Abfluss verwalteter Vermögen in der Höhe von 226 Mrd. Fr. beunruhigend. Doch die vorgestellten Umstrukturierungen seien "ein Indiz dafür, dass sich die Bank endlich mit der Zukunft befassen kann und nicht mehr nur mit dem Löschen von immer neuen Bränden beschäftigt ist."

Die "Basler Zeitung" betrachtet die getroffenen Massnahmen skeptischer. "Lediglich einzelne Bereiche umzubenennen und neu zu gruppieren reicht nicht aus, damit die Kunden der Bank wieder vermehrt Geld anvertrauen", schreibt der Kommentator.

Der "Blick" spricht in diesem Zusammenhang von "Schönwetter-Banking". "Es wird ein bisschen reorganisiert [...] Es wird ein bisschen kommuniziert." Doch die UBS habe Vertrauen verloren. Vertrauen sei Gefühlssache. Deshalb müsse UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer wieder vermehrt "auf seinen Bauch hören".

Von der "relativen Mutlosigkeit der Grossbank, ihre Geschäftseinheiten neu zu strukturieren" schreibt auch die "Südostschweiz". Der Kommentator ist vor allem durch "das demonstrative Festhalten am (amerikanischen) Investmentbanking irritiert".

"Keine destruktive Kritik"

Doch wenigstens scheine es, als ob die Grossbank "die ganz grosen Leichen definitiv aus dem Keller" geschafft habe. Jetzt die Bonuszahlungen zu verteufeln, ziele in die falsche Richtung.

Die "Neue Luzerner Zeitung" sieht sogar "gewisse Anzeichen von Vernunft mit Blick auf die finanziellen Anreize in der Finanzbranche. "Destruktiven, öffentlichen Dauerbeschuss" könne sich die Schweiz nicht mehr leisten. "Erst recht nicht auf dem Buckel der UBS, des Rückgrats der Kreditversorgung in diesem Land."

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