Verhaftung könnte ihn befreien

Verhaftung könnte ihn befreien

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Kritik an Polanski-Verhaftung

Seit 30 Jahren kann Regisseur Roman Polanski nicht mehr in die USA reisen. Wenn ihn nun die Schweiz dorthin ausliefert, könnte das die Einstellung des Verfahrens gegen ihn ermöglichen. Doch Polanski wehrt sich gegen eine Auslieferung.

Christoph Bopp

Es gibt viele mysteriöse Aspekte im Fall Polanski. Nicht zuletzt die Frage, in welcher Intensität die kalifornische Justiz ihn eigentlich verfolgt. Aus den USA geflohen ist er 1978, aber erst seit 2005 international zur Verhaftung ausgeschrieben. Eigentlich hätte das Bundesamt für Justiz seit diesem Termin Polanski ebenfalls suchen und verhaften lassen müssen . . .

Bereits 2003, als er den Oscar für «The Pianist» gewann, erklärte sein Opfer, Samantha Geimer, dass sie ihm verzeihe. Und 2008 wirft der Dokumentarfilm «Roman Polanski: Wanted and Desired» neues Licht auf den Prozess von 1978. Regisseurin Marina Zenovich lässt die Leute auftreten, die damals dabei waren: Samantha Gailey, wie sie damals hiess, ihren Anwalt Douglas Dalton und auch Staatsanwalt Roger Gunson. Sie sagen ziemlich das Gleiche: Richter Laurence J. Rittenband ging es nur um eines: in der Öffentlichkeit gut dazustehen.

Richter setzt sich über Deal hinweg

Den berühmten Regisseur mit einer bedingten Strafe davonkommen zu lassen, wie es ein zwischen Verteidigung und Anklage ausgehandelter Deal vorsah, kam für Rittenband offenbar nicht infrage. Er hatte Polanski schon für 42 Tage in die psychiatrische Abteilung eines Hochsicherheitsgefängnisses geschickt. Als sich abzeichnete, dass sich der Richter nicht an den Deal halten würde, verliess Polanski die USA und kehrte nach Frankreich zurück, dessen Bürger er bereits seit 1976 war.

Judge Rittenband ist gestorben, aber die Faktenlage präsentierte sich so eindeutig, dass Polanskis Anwälte in Los Angeles Verfahrenseinstellung beantragten. Dass es Ungereimtheiten gegeben habe, räumten die Behörden zwar ein, meinten aber, der Fall könnte nur dann ad acta gelegt werden, wenn Polanski persönlich vor Gericht auftrete. Das jedoch wollte der Regisseur nicht riskieren.

Den Fall endlich einstellen

Vielleicht ist aber das die Lösung, auf die der Fall jetzt hinausläuft. Zivilrechtlich hat man sich geeinigt. Wenn Polanski schliesslich in die Auslieferung einwilligt, könnte der Fall vor einem kalifornischen Gericht eingestellt werden. Auch Samantha Geimer hätte dagegen nichts einzuwenden, im Gegenteil: Sie setzte sich selbst für eine Einstellung des Verfahrens ein und hatte angeboten, anstelle von Polanski vor Gericht aufzutreten und um die Einstellung des Verfahrens zu bitten.

Dass sich Polanski gestern noch gegen eine Auslieferung wehren wollte, spricht nicht unbedingt gegen ein solches Ende. Noch besteht die Möglichkeit, dass es gar nicht zur Auslieferung kommt. «Er war geschockt, entgeistert, aber er ist in Kampfesstimmung und er ist sehr entschlossen, sich zu verteidigen», sagte sein französischer Anwalt Hervé Temime gemäss der Nachrichtenagentur AP einem französischen Radiosender. Polanskis Anwälte kündigten Haftbeschwerde an.

Eine vereinfachte Auslieferung, wie sie der Vertrag mit den USA vorsieht, kommt deshalb nicht mehr infrage. Bis zum Abschluss des Verfahrens drohen Polanski mehrere Monate Haft. Innerhalb von 60 Tagen müssen die USA ein formelles Auslieferungsgesuch stellen. Ein Entscheid des Bundesamts für Justiz kann beim Bundesstrafgericht in Bellinzona und beim Bundesgericht angefochten werden.

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