AEW Energie AG
Verbund für Unterstadt gescheitert

Der geplante eigenständige Nahwärmeverbund für die Unterstadt Bremgarten verschwindet in der Schublade. Die Unterstadt-Interessenten müssten zu viel Geld für die bezogene Wärme bezahlen.

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Nahwärmeverbund

Nahwärmeverbund

Aargauer Zeitung

Lukas Schumacher

Das Konzept der 3. Etappe des Bremgarter Nahwärmeverbunds in der Unterstadt war ausgeklügelt. Es sah vor, die Abwärme des gereinigten Wassers der Kläranlage Bremgarten sowie die Abwärme der Firma Utz zu nutzen. Mittels Wärmepumpen sollte das Verbundnetz in der Unterstadt dann durch 65 bis 75 Grad warme Heizenergie gespeist werden.

Das Vorhaben bleibt Wunschdenken. «Wir können den Unterstadt-Verbund derzeit leider nicht wirtschaftlich betreiben», sagte Anselm Hagenbuch, Wärmecontractingleiter bei der AEW Energie AG, an einer Orientierungsversammlung in Bremgarten. 50 Personen nahmen an der Versammlung teil.

Zu Wenig Anschlusswillige

Laut Anselm Hagenbuch klemmte es an der Anschlussdichte, in der Unterstadt, also an der Anzahl anschlusswilliger Kunden. Ende Februar 2009 lagen Absichtserklärungen von 65 Unterstadt-Interessenten vor.

Die Anschlussleistung im Netz hätte 1500 Kilowatt betragen statt der erforderlichen 2000 Kilowatt, und die jährliche Wärmeverteilung lag bei 3000 Megawattstunden statt der benötigten 4000 Megawattstunden. Dies schlug auf den Preis durch. So hätten die Unterstadtbezüger nicht 14,9 Rappen plus Mehrwertsteuer pro Kilowattstunde zahlen müssen, sondern je Kilowattstunde 21,8 Rappen plus Mehrwertsteuer.

Das wenig attraktive Angebot von 21,8 Rappen erwies sich als Ablöscher. 44 der 65 interessierten Unterstädter stiegen wieder aus. «Es ist sehr schwer nachvollziehbar», gab ein Interessent zu verstehen, «weshalb wir in der Unterstadt 50 Prozent mehr zahlen müssten als die Wärmeverbundsbezüger in Bremgarten West und Ost.»

Erste und zweite Etappe auf Kurs

In der Tat kommen die Wärmeverbundskunden der beiden ersten Bremgarter Etappen (West und Ost, ab 2010/2011 auch obere Altstadt) um einen Drittel günstiger weg. Hauptgrund: Die beiden ersten Verbundsetappen - sie werden vorwiegend mit einheimischen Holzschnitzeln betrieben - bringen es auf eine weitaus höhere Anschlussdichte.

215 Wärmekunden stehen hier zu Buche, 9 Megawatt beträgt dabei die Anschlussleistung, und jährlich werden gemäss Berechnungen rund rund 19 Gigawattstunden Netzwärme verteilt. Anselm Hagenbuch rechnet mit einem Holzschnitzelverbrauch von rund 22 700 Kubikmetern pro Jahr.

Demnächst, genauer Ende Mai, wird beim Isenlaufschulhaus Bremgarten die unterirdisch angelegte Heizzentrale den Betrieb aufnehmen. Die Wärmelieferung der ersten Verbundsetappe erfolgt Ende Juli. Ab Oktober werden auch die Kunden der 2. Etappe mit Wärme versorgt. Die Investitionskosten des Wärmecontractors AEW Energie AG in die zwei Verbundsetappen sind happig. Sie belaufen sich auf 17,9 Millionen Franken.

Lösung für Ortsbürger-Bauten

An den zwischen Stuhl und Bank gefallenen Unterstadt-Verbund hätte auch ein halbes Dutzend Gebäulichkeiten der Ortsbürgergemeinde angeschlossen werden sollen, darunter das Kornhaus, das Haus an der Reuss, der Werkhof und das Klara-Kloster. Wärmecontractingleiter Anselm Hagenbuch: «Für diese Einzelgebäude ist eine Sonderregelung vorgesehen. Sie werden ans Holzschnitzel-Verbundsnetz angeschlossen.»

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