Velochaos bleibt Alltag

Das Velochaos am Bahnhof SBB ist riesig. Das Tiefbauamt will aber noch nicht handeln.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Yen Duong

Die Parkplatzsituation für Velofahrer am Bahnhof SBB ist verflixt: Die Abstellplätze im Parking unter der Passerelle sind immer besetzt, von der unterirdischen Einstellhalle am Centralbahnplatz ganz zu schweigen und rundherum herrscht das absolute Chaos. Seit Jahresbeginn hat die Basler Polizei rund um und unter dem Centralbahnplatz 353 Fahrräder eingesammelt (siehe bz von gestern).

Eine Verbesserung der Parkplatzsituation ist nicht in Sicht. Im Juni 2007 gab das Tiefbauamt Basel-Stadt zwar bekannt, dass es am Bahnhof SBB etwa 500 neue Veloabstellplätze schaffen will, dieses Ziel sei jedoch bereits erreicht worden, wie Mediensprecher André Frauchiger sagt. So wurden in den letzten beiden Jahren unter anderem 180 auf der Meret Oppenheim-Strasse und 340 Abstellplätze unter dem Centralbahnplatz realisiert. Rund um den Bahnhof SBB gibt es jetzt demnach etwa 3000 Veloparkplätze - aber eben, scheinbar genügt auch diese Anzahl nicht.

«Der extreme Bedarf an Veloabstellplätzen hat unsere Erwartungen übertroffen», sagt André Frauchiger. Das Problem liege aber nicht nur am Parkplatzmangel, sondern auch an der Bequemlichkeit der Velofahrer. «Es gibt rund um den Bahnhof SBB noch einige freie Veloabstellplätze, so zum Beispiel beim De Wette Schulhaus oder an der Hochstrasse. Diese sind ja wirklich nicht weit weg», meint André Frauchiger. Doch viele Velofahrer seien nicht bereit, diese paar Meter Fussweg auf sich zu nehmen.

In nächster Zeit werden am Bahnhof SBB keine weiteren Veloabstellplätze entstehen. Der Grund: Das Tiefbauamt wolle erst auf eine Wirkungskontrolle warten, wie die 500 neuen Parkplätze benutzt werden, ehe sie zusätzliche schafft. Diese Wirkungskontrolle werde in den nächsten Monaten erstellt. «Wir möchten auch analysieren, wo genau ein grösserer Bedarf an Veloparkplätzen besteht.» Störend sind laut Frauchiger vor allem die illegal abgestellte Fahrräder rund um den Centralbahnplatz. Diese seien für die Fussgänger zur Belastung geworden. Um das Problem zu lösen, seien polizeiliche Massnahmen nötig. Velos, die abgeschleppt werden, können gegen eine Mindestgebühr von 35 Franken im Zeughaus abgeholt werden.

Ein Velochaos ist aber auch auf dem Meret-Oppenheim-Platz anzutreffen. Jedoch sammelt die Polizei dort derzeit keine Velos ein - auch wenn sie kürzlich auf Zetteln bekannt gab, dass sie härter gegen wild parkierte Fahrräder vorgehen möchte: Weil das Gelände ein Privatareal der SBB ist, muss nun rechtlich abgeklärt werden, ob die Polizei darauf überhaupt ordnungsbefugt ist. Zwar hat die SBB der Polizei die Vollmacht erteilt, doch gegen diese Vollmacht wurde Einsprache erhoben. Dass die Gemüter der Velofahrer erhitzt sind und Handlungsbedarf besteht, das habe das Tiefbauamt erkannt. «Wir tun, was wir können», sagt Frauchiger.

Dies bestätigt auch Barbara Auer vom Amt für Mobilität: «Wir wollen die Parkplätze klar ausbauen», sagt sie. Das werde aber sicherlich keine leichte Aufgabe und erfordere eine enge Zusammenarbeit mit den umliegenden Partnern (SBB und Post).

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