«Veganer können alles genauso tun wie Fleischesser»

Sie verzichten aufs Kotelett, das Dreiminutenei sowie die Butter auf dem Brot und sind trotzdem keine Bohnenstangen: Chris Kohlbrenner und Moni Näf wollen die Leute durchs eigene Vorbild von der veganen Lebensweise überzeugen.

Fabian Muster

Er sieht ganz anders aus als der schmächtige Veganer: Der 34-jährige Chris Kohlbrenner ist 1,85 Meter gross, muskelbepackt und tätowiert, dazu macht er Kampfsport und ist leidenschaftlicher Töfffahrer. Auch die 37-jährige Lebenspartnerin Moni Näf widerspricht dem Bild, das sich die Allgemeinheit von einer Veganerin macht. «Die Leute sind oft ganz erstaunt, wenn ich sage, dass ich überhaupt keine tierischen Erzeugnisse mehr esse», sagt Näf. Und Chris Kohlbrenner fügt bei: «Bei mir ist es noch extremer. Die Leute nehmen mir meine vegane Lebensweise zuerst gar nicht ab, etwa wegen meiner Postur. Sie haben wohl eine Bohnenstange erwartet.»

Gesundheit als «Beigemüse»

Doch vielleicht liegt es auch daran, dass die beiden in Ammerswil wohnhaften Veganer fürs Leben gern gut essen. Sie treten dem gängigen Vorurteil vehement entgegen, Veganer seien nur Körnlipicker. «Für uns ist es absolut kein Verzicht, kein Fleisch oder keine Milchprodukte mehr zu essen», so Kohlbrenner. Ihr Ziel sei es, nicht mit dem moralischen Zeigefinger, sondern durchs eigene Beispiel voranzugehen, um die Leute von der tierfreundlichen Lebensweise zu überzeugen. «Die Veganer sind unter uns und können alles genauso tun wie Fleischesser», gibt sich Kohlbrenner kämpferisch. Man will laut Näf vom «Exotenstatus» wegkommen.

Der Veganismus geht noch weiter als der Vegetarismus, bei dem vom Fleisch- und Fischkonsum abgesehen wird. Die Veganer verzichten zusätzlich auf alle anderen tierischen Lebensmittel wie Milch, Eier und auch auf Honig. Zudem vermeiden sie bei Kleidung, Schuhen oder Möbeln Leder und achten bei kosmetischen Produkten auf solche ohne Tierversuche und ohne tierische Inhaltsstoffe.

Die meisten Veganer begründen ihre Lebensweise ethisch. «Der Gesundheitsaspekt ist schönes Beigemüse», wie es Kohlbrenner bildlich ausdrückt. Argumente gegen den Gebrauch von Tieren zielen nach Angaben von Kohlbrenner aufs Tierwohl selbst, auf den Umweltschutz – etwa den erhöhten Wasser- und Landverbrauch durch die Fleischindustrie – oder auf die «unnötige Nahrungsmittelverschwendung» – Getreide wird den Tieren statt den Menschen verfüttert.

Mit Kochshow auf Youtube

Das Engagement für ihre Lebensweise beginnt für die beiden Veganer, die sich gemeinsam vor rund zwei Jahren zu diesem Schritt entschieden haben (und vorher drei Jahre Vegetarier waren), schon zu Hause. Der 12-jährige Mischlingsrüde Snow wird seit 5 Jahren vegetarisch ernährt. Doch sie scheuen auch den Gang an die Öffentlichkeit nicht. Moni Näf hat kürzlich ihre vegane Kochshow «Vegusto.TV» auf dem Internetportal Youtube gestartet. «Ich will damit aufzeigen, wie einfach es ist, vegan zu kochen», erläutert sie ihre Beweggründe. Zudem wird Näf demnächst eine dreijährige Weiterbildung als Ernährungstherapeutin beginnen. Damit will sie Personen mit gesundheitlichen Problemen, etwa einer Milchzuckerunverträglichkeit, ansprechen.

Bald Veganer-Strassenfest?

Chris Kohlbrenner ist in diversen Bereichen engagiert. Er ist Gründer des monatlichen Vegi-Treffs in Luzern, hat an einer Käfig-Eier-Kampagne gegen den Supermarkt-Discounter Aldi mitgewirkt und ist unlängst zum Vorstandsmitglied der schweizerischen Vereinigung für Vegetarismus, dem Sprachrohr der Veganer und Vegetarier in der Schweiz, gewählt worden. Sein Anliegen ist es, den Veggie-Street-Day, ein Strassenfest mit Verkaufsständen tierfreier Produkte, aus Deutschland auch in die Schweiz zu holen.

Und wie verbringen die beiden Veganer Ostern? Moni Näf: «Für Ostersonntag ist ein veganer Brunch geplant, am Abend steht dann ein Dreigänger auf dem Programm.» Da gibt es als Hauptspeise Frühlingstagliatelle mit Spargeln. «Das hat sogar meinem Bruder, dem alles Vegetarische zuerst einmal verdächtig ist, sehr geschmeckt», sagt Näf lachend.

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