Meiereien 05.11.09
Vaterpflicht am Samstagmorgen

Die tägliche Portion Meiereien in der Aargauer Zeitung.

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Jörg Meier

ER HAT ES hinter sich. Deshalb konnte er den beiden jungen Vätern entspannt zuhören. Doch, doch, sagte der mit dem teuren Aktenkoffer, aus pädagogischer Sicht könne er das durchaus nachvollziehen. Die Einbindung der Väter in die Welt der Kinder sei eine sinnvolle Sache.
Der andere kratzte sich am Dreitagebart und nickte. Im Prinzip schon, bestätigte er, das letzte Jahr sei zwar seine Frau gegangen, aber jetzt gebe es wohl kein Entrinnen. Diesmal seien nur die Väter aufgeboten. Aber der Termin sei einfach schlecht. Am Samstagmorgen um 9 Uhr sei er gewöhnlich am Joggen.

DER ANDERE ENTGEGNETE, wer sich für Kinder entscheide, müsse halt auch Opfer bringen. Das sei part of the game.«Hast du das denn schon einmal gemacht?» «Nein, ich bin nicht von hier. Dort, wo ich herkomme, gibt es das nicht. Und du?» Der junge Vater mit dem Dreitagebart nickte wieder. «Ja schon, aber das sind jetzt sicher bald 30 Jahre her. Ich war sehr stolz. Das weiss ich noch. Meine Schwester fand es dann nicht so toll. Da gefiel es mir auch nicht mehr.»«Was muss man da mitnehmen?»«Ein Messer, denke ich, und einen Löffel und so einen Aushöhler. Und eine Schürze.»«Eine Schürze?»«Ich glaube schon. Aber ich frage noch meine Frau. Ich kann dir ja ein SMS schicken.»

JETZT HIELT DER, der es schon hinter sich hat, den Zeitpunkt für gekommen, sich einzumischen und die beiden jungen Väter von seiner Erfahrung profitieren zu lassen. «Ich hätte Ihnen da noch einen Tipp», sagt er zu den beiden. «Wenn Sie das fertig geschnitzte Räbeliechtli in kaltes Wassereinlegen, bleibt es bis zum Umzugfrisch und schrumpft nicht.»

joerg.meier@azag.ch

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