Väterchen Frost hat zugeschlagen

Schlaglöcher und Risse: Der Winter hat seine Spuren auf den Strassen hinterlassen. Vor allem im unteren Kantonsteil sind die Schäden gross. Nun sind die Unterhaltsdienste geforder

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Der strenge Winter hat im Kanton Solothurn seine Spuren hinterlassen.

Der strenge Winter hat im Kanton Solothurn seine Spuren hinterlassen.

Solothurner Zeitung

Urs Huber / Lucien Fluri

«Momentan geht es um die Sicherheit, richtig flicken können wir erst im Sommer», sagt Walter Kissling, Leiter des Kreisbauamtes I. Rund acht Tonnen Kaltbelag haben seine Männer diesen Winter bereits benötigt, um Risse aufzufüllen, Schlaglöcher zu reparieren und Frostschäden zu beheben. «Das ist mehr als in anderen Jahren, aber noch nicht besonders aussergewöhnlich», meint Kissling. Sein Kreisbauamt I ist für die 250 Kilometer Kantonsstrasse in den Bezirken Lebern, Solothurn, Wasseramt und Bucheggberg zuständig.

Mehr im unteren Kantonsteil

Schlimmer gestaltet sich die Situation beim Kreisbauamt II, das für das Thal und den unteren Kantonsteil zuständig ist. Von Schönenwerd bis Gänsbrunnen gleicht sich die Szenerie: Schlagloch folgt auf Schlagloch. «Es ist natürlich nicht überall gleich schlimm», ergänzt Strassenmeister Urs Strähl. «Aber über alles gesehen, vom Thal bis ins Niederamt, sind die Schäden ziemlich gut verteilt.»

Zu wenig Geld für Unterhalt

Wie sind die Unterschiede in den beiden Kantonsteilen zu erklären? «Der obere Kantonsteil hat von den flankierenden Massnahmen rund um die Autobahn profitiert. Wir haben neuere Strassen», begründet Kissling den Unterschied. «Der untere Kantonsteil dagegen hat den Neuausbau noch vor sich. Dies kommt mit der Umfahrung in Olten.» Denn die Schlaglöcher entstünden vor allem bei älteren Strassen, insbesondere bei Schottertränkungen.

«Es liegt nicht nur am Winter», sagt denn auch Gruppenführer Peter Herrmann, seit rund 30 Jahren beim Kreisbauamt II (KBA II) «an der Front» tätig und mit Walzasphalt, Belagskruke, Handstampfer und Schubkarre quasi auf Du und Du. «In den letzten zehn Jahren hat man aus Spargründen sicher den Substanzerhalt unserer Strassen vernachlässigt», meint er weiter und säubert eines der ungezählten Schlaglöcher mit dem Reisigbesen. «Fast nicht der Rede wert» sind Schlaglöcher dagegen auf den kantonalen Autobahnen, wie Dieter Flückiger, Betriebsleiter des Autobahnwerkhofs in Oensingen, angibt. Zwar gibt es Schäden, etwa auf dem Abschnitt Härkingen-Wiggertal, diese führt Flückiger aber allgemein auf das Alter der Betonplatten, nicht auf den Frost zurück.

Ein teurer Winter

Eine runde Viertelmillion Franken an Kosten sind bis Mitte Februar im KBA II aufgelaufen. Gut 70000 Franken davon entfallen auf Material (Kaltbelag/Walzasphalt warm) und externe Unternehmer. «Wir im KBA II hatten gar nicht die Möglichkeit, alle dringlichen Flickarbeiten in Eigenregie auszuführen», so Theo Frei, Leiter des KBA II. Von rund 1700 Stunden internem Arbeitsaufwand spricht sein Arbeitspapier, das er «Zusammenstellung für die provisorische Sanierung der Belagsschäden Januar/Februar 2010» nennt.

In seinen zehn Jahren im KBA II hat der Leiter solches nicht erlebt. «Klar», stützt er die Ansicht Herrmanns, «nicht nur der Winter ist schuld an der Schadenshäufigkeit.» An fehlendem Substanzerhalt – alternde Beläge sind anfälliger für Witterungsschäden – liege es sicher auch. «Zudem verkehren seit ein paar Jahren 40-Tönner auf unsern Strassen, die Frequenz hat grundsätzlich zugenommen», gibt Frei zu bedenken.

«Frost-Tau-Zyklen» schaden

Kleine Ursache – grosse Wirkung, liesse sich da sagen. «Im Grunde ist nicht die grosse Kälte das Problem, sondern der Temperaturwechsel», erklärt Theo Frei. Feuchtigkeit dringt in Ritzen und Spalten eines alternden Strassenbelags, gefriert dort und taut wieder auf. Beim Frieren erfährt das Wasser eine signifikante Ausdehnung und somit enorme Sprengwirkung. Der Deckbelag (oberste Schicht) platzt auf, darüber hinwegrollenden Autos erledigen mit ihrer Sogwirkung den Rest.

Frei zuckt mit der Schulter. «Eine Strasse, die sich am Morgen beim Kontrollgang noch ganz ordentlich präsentiert, kann 24 Stunden später enorme Schäden aufweisen», meint er. Sein Gesicht verrät: Er spricht aus Erfahrung.