Valentinstag auf Dominikanisch

Fotoshooting an der Schule

Austauschjahr in der Dominikanischen Republik

Fotoshooting an der Schule

Während sich mein dominikanisches Leben nach dem Wechsel meiner Gastfamilie wieder vollends eingependelt hat, lerne ich nach wie vor täglich neue kulturelle Unterschiede kennen. Diese Woche zum Beispiel: Wie der Valentinstag gefeiert wird.

Tanja Enseroth

Bereits eine Woche vor dem eigentlichen Valentinstag wurde davon gesprochen. Geschenke wurden geplant; Gekauft wurden sie dann doch erst Samstagnacht. Typisch dominikanisch eben.

Nach und nach wurde das ganze Land von einer regelrechten Hysterie erfasst, die sich je länger je mehr steigerte: Die Geschäfte wurden mit Herzchen geschmückt, das Fernsehprogramm mit Werbungen durchzogen, Blumen an den Strassenecken verkauft und sogar die Telenovelas handelten davon.



Freitags erreichte das ganze Theater schlussendlich seinen Höhepunkt. Schon erwartete mich eine fast vollständig in rot getauchte Schule, überall hingen Herzen und schon beim Eingang wurde mir ein ebensolches aus Papier an die Uniform geheftet. Unterricht fand diesen Tag nicht wirklich statt. Dafür waren alle damit beschäftigt, das «grosse» Konzert in der Zehn-Uhr-Pause vorzubereiten. Wer da nicht beteiligt war, verbrachte die Zeit damit Liebesbriefchen zu schreiben, Süssigkeiten zu verteilen oder Fotos zu schiessen. So schlich auch ich mich aus dem Schulzimmer und zog von Klasse zu Klasse wo ich mit meiner Spiegelreflexkamera für ein Fotoshooting sehr willkommen war.

Am Nachmittag zogen ich und meine Schwester dann durch die Läden um ein passendes Geschenk für ihren Freund zu finden. Was aber gar nicht so einfach war, nachdem gewolltes Parfüm schon ausverkauft war. Schlussendlich wurden wir aber doch fündig. Und da der Valentinstag neben dem Tag der Liebe auch jener der Freundschaft ist, liessen wir uns zwei gleiche Armbänder anfertigen.

Am Samstag ging der Aufruhr auch schon weiter, da in der Hauptstadt das das letzte Konzert der wohl berühmtesten Bachata-Band Aventura stattfand.

Nach so viel Aufregung und Vorbereitung verlief der Sonntag, eigentlicher „San Valentín" überraschenderweise relativ ruhig. Es wurde ausgeschlafen - was bei meiner hyperaktiven kleinen Schwester fast an ein Wunder grenzte - und der Freund meiner grossen Schwester hatte Mitleid mit einer einsamen Schweizerin und schenkte auch mir eine Rose.

Abends wurden dann noch einmal die letzten Kräfte gesammelt, um sich für das Essen mit einer Gruppe aus New York herauszuputzen. Anlass des Essens war neben dem Tag der Liebe auch die jährliche Zusammenkunft des Clubs der Leones, einer internationalen Hilfsorganisation. Da die Englischkenntnisse der Dominikaner bekanntlich nicht die Besten sind, stellte man mich kurzerhand als Dolmetscherin an. Na dann: Feliz día de San Valentín!

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