Schweinegrippe
Urlauber bringen Schweinegrippe heim

Sommerzeit ist Reisezeit. Auch dieses Jahr zieht es viele Schweizer nach Spanien. Ausgerechnet dort aber grassiert die Schweinegrippe besonders stark.

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Schweinegrippe in Spanien

Schweinegrippe in Spanien

Keystone

Jessica Pfister

Die Schweinegrippe nimmt die Schweiz immer mehr in den Griff: Täglich werden über zehn neue Erkrankungen registriert. Inzwischen sind hierzulande 220 Menschen am Virus erkrankt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) rechnet damit, dass diese Zahl gerade in den nächsten Wochen sprunghaft ansteigen wird. Der Grund: Im August kehren die Schweizer aus den Schulsommerferien zurück und bringen - neben Geschenken für die Daheimgebliebenen auch die Schweinegrippe ins Land.

4 Tote und 1250 Erkrankte in Spanien

Gerade Spanien, das mit einer Million Touristen jährlich zu den beliebtesten Feriendestinationen der Schweizer gehört, verzeichnet in Europa neben England die meisten Fälle von Schweinegrippe. Offiziell bestätigt sind in Spanien 4 Tote und annähernd 1250 Schweinegrippe-Kranke.

Beunruhigend ist, dass beim neusten Todesfall auf der Ferieninsel Mallorca eine besonders aggressive Form des Virus festgestellt wurde. Beim BAG gilt Spanien inklusive Balearen und Kanaren deshalb seit kurzem als Region mit «erhöhtem Expositionsrisiko». Das heisst: Die Chance, sich mit dem Virus anzustecken, ist besonders gross.

Annalis Marty, die als Präsidentin der Schweizerischen Kantonsärzte einen Überblick über die gemeldeten Schweinegrippefälle in der Schweiz hat, weiss: «Geschäftsreisende infizieren sich vor allem in den USA und England, Ferienreisende in Spanien.»

Für Reisebüros kein Thema

Trotz diesen Informationen haben die Schweizer Reisebüros bis jetzt noch keine speziellen Massnahmen für Spanienreisende getroffen. «Besorgte Kunden informieren wir über Hygienemassnahmen und halten uns sonst an die Anweisungen des BAG und des Aussendepartements», sagt Prisca Huguenin von M-Travel Switzerland. Zurzeit hat M-Travel Switzerland mit den Reisemarken wie Hotelplan oder Migros-Ferien rund 670 Gäste auf Mallorca. Im Badeort Jerez sind es 55.

Auch für Roland Schmid von TUI Schweiz ist die Schweinegrippe-Gefahr in Spanien kein Grund zur Sorge. «Ich habe mit dem zuständigen Reiseleiter gesprochen: Vor Ort ist die Grippe kein Thema.»

Desinfektion am Migros-Eingang

Mehr Gedanken machen sich die Schweizer Detailhändler Migros und Coop. «Wir müssen uns auf eine massive Grippewelle vorbereiten», sagt Urs Peter Naef. Der Migros-Sprecher bestätigt eine Meldung der Nachrichtenagentur SDA, wonach sich die Kunden womöglich ab Herbst am Filialeingang die Hände desinfizieren müssen. Bei Coop zieht man sogar die vorübergehende Schliessung einzelner Filialen in Erwägung. Auch die Vielfalt einzelner Produkte müsste zum Teil eingeschränkt werden.

Ein Produkt, das in den Migros-Regalen bald rar sein wird, ist die Gesichtsmaske. Das BAG empfiehlt jedem, mindesten 50 solcher Masken auf Vorrat zu Hause zu lagern. Im Krankheitsfall schützen sie Dritte vor einer Ansteckung. «Seit der alarmierenden Prognose von letzter Woche ist die Nachfrage weiter gestiegen, doch wir bekommen keine Masken mehr nachgeliefert», sagt Naef gegenüber der MZ.

Engpass bei Schutzmasken

Walter Güttinger von 3M, dem Lieferanten und weltweit grössten Maskenhersteller, bestätigt: «Obwohl wir rund um die Uhr produzieren, haben wir Engpässe und können momentan nicht genügend nachliefern.» Die Nachfrage sei explosionsartig gestiegen. «Nicht nur aus dem Gesundheitsbereich treffen Bestellungen ein, sondern auch von Institutionen wie Verwaltungen oder von Banken», so Güttinger. Noch sei unklar, wann der Engpass behoben werden könne. Dafür seien die teureren Masken, die nicht nur Dritte, sondern auch einen selbst schützten, in zwei bis drei Wochen lieferbar.

Doch nicht nur die Nachfrage nach Masken steigt, sondern auch der Wunsch nach Desinfektionsmittel. Güttinger dazu: «Dort gibt es zurzeit zum Glück genügend Nachschub.»

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