Unvergessliches Ferienlager

«Endlich weg von den Eltern!», freuen sich die Schüler im Ferienlager. Doch was, wenn plötzlich Mama und Papa aus dem Nachbarhaus winken? Die Wohler Bez-Schüler erzählten im Musical «Camp» die Geschichte dazu und wurden für ihre Aufführung mit tosendem Applaus belohnt.

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Yvonne Ilg

Die Geschichte des Musicals «Camp» beginnt an einem idyllischen Mittag im kleinen Städtchen Hagen. Kinder spielen ausgelassen und amüsieren sich, als ihr Spielball plötzlich auf eine Passantin zufliegt und diese schmerzlich trifft. Die Eltern sind empört über ihre Kinder und die heutige Zeit allgemein. «Früher, ja früher, da war alles besser», schimpfen sie singend. Beobachtet wird die Szene von interessierten Touristen mit Sonnenbrillen und englischem Akzent. «Wonderful» ist das Einzige, was die Reisegruppe dazu zu sagen weiss.

Improvisation war verlangt

Lehrer Adrian Heimgartner leitet das Musical «Camp».
Die Musik zu «Camp» hat der Wohler Musiklehrer Adrian Heimgartner komponiert, seine Tochter Cornelia schrieb den zugehörigen Text als Maturarbeit an der Kanti Wohlen. «Die grosse Herausforderung war, dass wir bis kurz vor der Premiere immer nur Einzelteile des Musicals üben konnten», sagt Adrian Heimgartner. Dies habe von den Schülern viel Vorstellungsvermögen und Improvisation verlangt. Der erfahrene Musiklehrer hat ein ganzes Jahr lang mit den rund 150 mitwirkenden Schülerinnen und Schülern der Bez Wohlen geprobt und das Musical als Gesamtprojekt geleitet. Die Jugendlichen muss-ten dafür unzählige freie Mittags- und Nachmittagsstunden investieren. «Es ist mir wichtig, dass die Schüler in ihrer Freizeit etwas Sinnvolles tun. Mit meiner Arbeit möchte ich ein kleines Stück dazu beitragen», so Adrian Heimgartner. «Die Jugendlichen sollen ihre Schulzeit auch dank solchen Projekten in guter Erinnerung behalten.» (yi)

Erlebnis und Weiterbildung

Mit dem Läuten der Schulglocken am späten Nachmittag sind die Streitereien jedoch bereits vergessen. Endlich sind die Ferien da. Für die Schüler gibt es kein Halten mehr, eine Woche Freizeit-«Camp» weit weg von den Eltern steht vor der Tür. Und das freut nicht nur die Sprösslinge. Auch die Mamis und Papis sind in aufgeräumter Stimmung, hat ihnen doch die Regierung eine Erlebniswoche in der Umgebung spendiert. Einzig den Lehrern ist nicht zum Feiern zumute, ihnen blüht ein unliebsamer Weiterbildungskurs in der Natur.

Wiedersehen im Wald

Doch es kommt alles ganz anders. Während die Lehrer hinter einem weiterbildungsverrückten Schulleiter durch das Gehölz marschieren, treffen die Schüler fassungslos auf ihre Lagernachbarn: Es sind die eigenen Eltern, die im Nachbarhaus die versprochene Erlebniswoche verbringen. «Was macht ihr denn hier?», kommt beiden als Ers-tes über die Lippen. Nach dem ersten Schock versuchen sie sich in Lager-organisation und Freizeitspass zu überbieten. Einzig zwei Liebespaare entziehen sich den Streithähnen und suchen im Wald nach etwas Zweisamkeit.

Nach einer langen Nacht nähern sich Eltern und Kinder beim Morgenturnen zaghaft an und vergessen nach und nach ihre Gehässigkeiten. In einer turbulenten Sturmnacht treffen die ungewollten Nachbarn auch noch die ängstliche Lehrerschar auf Weiterbildungs-Exkursion und helfen sich gegenseitig, den Heimweg zu finden. Zusammen mit den begeisterten Touristen geniessen die Hagener Bewohner die Natur und kehren schliesslich glücklich vereint in ihr Heimatstädtchen zurück.

Dort angelangt wurden die rund 150 Sänger und Tänzer der Bezirksschule Wohlen mit tosendem Applaus und viel Lob vom Publikum und Schulleiter Rolf Wernli empfangen. Ein verdienter Lohn für einen grossen Einsatz.