Ninetta Sax
«Unterscheiden zwischen seriöser und boulevardesker Astrologie»

Ninetta Sax ist Maltherapeutin und Astrologin mit eigenem Atelier in Oetwil. Der Bezirks-Anzeiger Dietikon hat ihr Fragen zur Astrologie gestellt und sie um eine Prognose fürs Jahr 2010 gebeten.

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5-Schichten-Modell der Astrologie

5-Schichten-Modell der Astrologie

Zur Verfügung gestellt

Thomas Pfann

Ninetta Sax, viele kennen Astrologie, wenige wissen genau, was dahintersteckt. Können Sie den Begriff verständlich erklären?
Die Begriffsdeutung heisst übersetzt «die Lehre der Sternen». Grundsätzlich geht es bei der Astrologie und dem Erstellen von Horoskopen darum, Planeten-Konstellationen an einem bestimmten Datum und zur genauen Uhrzeit zu erkennen und mit ihrer Lage einen Zusammenhang mit Ereignissen auf der Erde herzustellen. Die Ereignisse können dabei Menschen, Natur und Umwelt betreffen, darum ist die geografische Lage des Subjekts oder Objekts ebenfalls relevant. Die Astrologie erlaubt, sich wiederholende Konstellationen mit wiederkehrenden Ereignissen zu vergleichen und daraus Schlüsse zu ziehen. Solche Ereignisse aus der Antike sind zum Beispiel der Zusammenhang der Sichtbarkeit des Sternes Sirius und die immer wiederkehrenden Nil-Überschwemmungen in Ägypten, auf welche Astrologen bereits damals hinweisen konnten.

Sternebeobachten ist doch Sache der Astronomen. Wo liegt eigentlich der wesentliche Unterschied zwischen der Astrologie und der Astronomie?
Astrologie und Astronomie waren früher (im 3. und 2. Jahrtausend vor Christus) eine Einheit. Als Basis für die damalige klassische Astrologie diente die Deutung der Tierkreiszeichen und Aspekte der Himmelskörper (Sonne, Mond, Venus, Merkur, Mars, Jupiter und Saturn) aus geozentrischer Sicht. Im Gegensatz zur Astronomie arbeiten Astrologen mit der Symbolkraft der Tierkreiszeichen und der Planeten. Die Konstellation zur Zeit der Geburt eines Menschen, aber auch bei der Gründung einer Firma zum Beispiel, deutet auf die Stärken und Neigungen des jeweiligen Individuums oder einer Unternehmung hin. Die Astronomie ist die Wissenschaft und Beobachtung der Sterne und des Kosmos und befasst sich viel stärker mit Materie und Physik. Mit der Entstehung des Christentums trat die Astrologie gegenüber der Astronomie in den Hintergrund, war aber im Zusammenhang mit der Medizin und auch in der Landwirtschaft stets präsent. Zur Zeit der Aufklärung musste das metaphysische Deuten vermehrt dem wissenschaftlichen Erklären weichen. Die Astrologie gewann erst mit den Entwicklungen in der humanistischen Psychologie Ende des 19. Jahrhunderts wieder an Bedeutung. Veränderungen zwischen Astronomie und Astrologie gab es auch durch die kreisende Bewegung der Erdachse im Raum, auch Präzession genannt. In einem Rhythmus von rund 26 000 Jahren verschieben sich die Punkte von Tag- und Nachtgleiche im Frühling und Herbst sowie die Sommer- und Wintersonnenwendepunkte in rund 2000 Jahren um je ein Tierkreiszeichen. So steht zum Beispiel der Frühlingspunkt heute nicht mehr im Sternbild Widder wie vor 2000 Jahren, sondern in den Fischen und wandert auf den Wassermann zu. Die Astronomie orientiert sich an den Sternbildern, die Astrologie an den Tierkreiszeichen.

Viele Menschen betiteln die Astrologie als Hokuspokus, lesen aber ihr Horoskop in der Zeitung oder in der Illustrierten trotzdem mit Interesse. Was kann die Astrologie?
Ich erlaube mir, zwischen seriöser und boulevardesker Astrologie zu unterscheiden. So genannte «Heftli-Horoskope» dienen lediglich zu Unterhaltungszwecken und haben keinen tieferen Hintergrund. Denn in zwei, drei Sätzen lassen sich weder Charakter noch Stärke und Entwicklung eines Menschen beurteilen. Heute wird für Standortbestimmungen, Berufsberatungen usw. vor allem mit der psychologischen Astrologie gearbeitet. Im Zusammenhang mit Stunden-Augenblicksastrologie ist ein vermehrtes Interesse nach der klassischen Astrologie zu erkennen. Grundsätzlich ist das Werkzeug der Astrologie das Horoskop, es ist das Abbild der Gestirnskonstellationen im Moment der Geburt eines Menschen, einer Unternehmung usw. bezogen auf die geografischen Koordinaten des Geburtsortes. Dieses individuelle Geburtshoroskop, bestehend aus Planeten, Aspekten, Tierkreiszeichen und Häusern zeigt uns Fähigkeiten, Anlagen und Prägungen auf. Es sagt nicht wie ein Mensch sein Potenzial lebt, sondern gibt uns Auskunft darüber, welches Potenzial in ihm angelegt ist. In der persönlichen Besprechung wird, unter Einbezug der aktuellen Lebenssituation, die symbolhafte Sprache der Astrologie übersetzt und der Horoskopeigner wird unterstützt, Verhaltensweisen zu erkennen sowie Möglichkeiten zu finden, die ihm zur Verfügung stehenden Werkzeuge konstruktiv einzusetzen.

Die Astrologie wird demzufolge in Ihrer Praxis in eine klassische und ein psychologische Kategorie unterteilt.
Die klassische Astrologie wird heute vor allem in der Deutung der Stunden- und Augenblicks- sowie Medizinischen Astrologie eingesetzt. Es wird hier mit den sieben klassischen Planeten und nach antiken und deterministischen Ansätzen gearbeitet. Die psychologische Astrologie versucht den Menschen ganzheitlich zu betrachten. Ideen wie Selbstverwirklichung, der freie Wille, Selbsterkenntnis, und Weiterentwicklung stehen im Mittelpunkt der Deutung. Hier werden auch die Langsamläufer Uranus. Neptun und Pluto einbezogen.

Manchen sind die Erklärungen der Astrologie zu kompliziert. Man will doch einfach wissen, was auf einen zukommt, ob man Glück hat und wie die Zukunft wird. Können Sie eine Prognose machen für das neue Jahr?
Nein, das kann ich so nicht. Eben darum, weil die Zusammenhänge zwischen dem Individuum und den Tierkreis-Konstellationen zu komplex sind. Wovon ich überzeugt bin, ist der Einfluss der Zyklen. Jeder von uns kennt zum Beispiel den Mond-Zyklus mit Ebbe und Flut oder Vollmond und Neumond. In einem grösseren Zusammenhang stehen die Zyklen der so genannten Langsamläufer. Dazu gehören die Planeten Uranus, Neptun und Pluto. Sie haben extrem lange Umlaufzeiten um die Sonne: Uranus 84, Neptun fast 164 und Pluto 248 Jahre. Auch Saturn mit 29 Jahren und Jupiter mit 12 Jahren werden oft zu den Langsamläufern gezählt. Vergleicht man nun diese Langsamläufer-Konstellation mit dem Weltgeschehen in der Geschichte, könnte man auf eine Zeit im Umbruch, ja sogar auf Unruhen, deuten. Auf eine Zeit, welche Klarheit verlangt und wo sich die Welt neu ordnen wird. Die Wirtschaftskrise hat möglicherweise einen direkten Zusammenhang zu dieser Konstellation. Und weil Zyklen sich langsam verändern, glaube ich auch, dass die weltweiten Umwälzungen sich auch im neuen Jahr fortsetzen werden.

Darf man denn der Astrologie überhaupt vertrauen?
Vertrauen auf jeden Fall. Die Astrologie soll aber einer von verschiedenen Aspekten zur persönlichen Meinungsbildung sein und zur eigenen Entwicklung beitragen. Ansprüche an einfache Problemlösungen durch die Astrologie sind sicher verfehlt. Wer sich seriös mit dem Thema befasst und die Aspekte der Astrologie ausgewogen auf die Waagschale legt, kann vom Wissen und den Erfahrungen der Astrologie profitieren.