Gemeinden der Unteren Emme spannen bei der Energiepolitik zusammen

Gemeinden der Unteren Emme spannen bei der Energiepolitik zusammen

Bätterkinden und Utzenstorf haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Energiestadt werden. Gemeinsam mit Wiler und Zielebach erarbeiten sie einen Richtplan Energie, dessen Ergebnis allen vier Gemeinden als Basis zur Umsetzung von energiesparenden Massnahmen dienen soll.

Energiepolitik beginnt in der Gemeinde. Allerdings muss auch der Kanton Wesentliches dazu beitragen. Genau nach diesem Prinzip funktioniert das Berner Energieabkommen von 2006, das bis heute 15 Gemeinden unterzeichnet haben.

Auch Bätterkinden (etwa 3000 Einwohner) und bald auch Utzenstorf (4100 Einwohner) gehören dazu, zwei vergleichsweise kleine Gemeinden, die gemeinsam den Weg Richtung Energiestadt beschreiten wollen. Das ist denn auch das Fernziel dieses Abkommens, in welchem der Kanton Bern die Gemeinden fachlich und ebenfalls finanziell unterstützt.

Im Vergleich zu grossen, ist das Energiestadt-Label für kleine Gemeinden aber nicht schwieriger zu erlangen: «Der politische Wille ist für eine aktive Energiepolitik viel entscheidender als die Gemeindegrösse», sagt Beatrix May, Zuständige der E plus U Energie und Umweltberatung GmbH. Zahlreiche Massnahmen liessen sich auch in kleinen Gemeinden umsetzen.

Eine Herausforderung werde allerdings sein, die nachhaltige Energienutzung weit oben auf der Politagenda zu halten. «Dadurch, dass in den Gemeinden untere Emme das Energiebewusstsein bereits durch das Gaskraftwerk gewachsen ist, bestehen bereits beste Voraussetzungen», so May.

Gemeinde muss mustergültig handeln

Im letzten Juni hat Bätterkinden das Beakom unterzeichnet und zu dessen Umsetzung im diesjährigen Budget bereits 65 000 Franken berücksichtigt. Urs Salvisberg (FWB), Bätterkinden, zuständiger Gemeinderat mit Ressort Umwelt, leitet die Arbeitsgruppe, die zur Umsetzung ins Leben gerufen wurde.

«Anfangs waren alle hell begeistert. Geht es aber ans Umsetzen, ‹hets scho herter›», sagt er. Salvisberg schätzt, dass es schwierig wird, auch Private von Energiesparmassnahmen zu überzeugen, zumal solche oft mit hohen Investitionen verbunden seien. «Darum muss die Gemeinde eine Vorreiterrolle übernehmen», sagt er. «Sonst klappt es nicht.»

Inzwischen hat die Arbeitsgruppe ein Massnahmenkatalog zusammengestellt und diesen in die Vernehmlassung geschickt. Sobald der Katalog auch vom Kanton gutgeheissen wurde, soll die Umsetzung in Einzelschritten inklusive der Finanzierung geplant werden.

Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit den drei Nachbargemeinden Utzenstorf, Wiler und Zielebach, dem Kanton, regionalen Energieberatern sowie Orts- und Raumplanern. Als Erstes soll ein Richtplan Energie erstellt werden. Dieser zeigt dann auf, in welchen Gebieten es Möglichkeiten für eine effizientere Energienutzung gibt.

Utzenstorf in den Startlöchern

Für Salvisberg besteht in Bätterkinden vor allem bei kommunalen Gebäuden Handlungsbedarf. Schliesslich müsse das Handeln der Gemeinde auch mustergültig sein. Er denke etwa an Wärmedämmung bei diversen Gemeindebauten. Auch ein Wärmeverbund im dicht besiedelten Zälgli-Quartier wäre denkbar, sinniert Salvisberg.

«Grundsätzlich wären alle Massnahmen sinnvoll, die uns weniger vom Erdöl abhängig machen. Mit einer Holzschnitzelfeuerung beispielsweise würde das Geld gar in der Region bleiben, statt in den nahen Osten abzufliessen.» Letzlich würde die Gemeinde damit auch regionale Unternehmen stützen und Arbeitsplätze sichern.

Bis es allerdings so weit ist, steht noch ein langer Weg bevor. Eine Prognose, wann Bätterkinden das Energiestadt-Label erlangt, wagt er nicht: «Das Vorankommen hängt von vielen, teilweise nicht beeinflussbaren Faktoren ab.»

Sicher ist: Bereits 2009 werden Sofortmassnahmen umgesetzt. Ausserdem gelte es, Synergien mit den Nachbargemeinden Wiler, Utzenstorf und Zielebach zu nutzen. «Es macht keinen Sinn, das Rad viermal neu zu erfinden», sagt Salvisberg und spricht etwa den Richtplan Energie oder eine später eventuell nötige Energiebuchhaltung an.

Auch Daniel Gast (parteilos), zuständiger Gemeinderat aus Utzenstorf, sagt, die Zusammenarbeit sei sinnvoll. «Die Energie macht ja an der Gemeindegrenze auch nicht Halt.» Allerdings sei Utzenstorf noch nicht ganz so weit wie Bätterkinden. Das Projekt befinde sich erst in den Startlöchern, sagt er. Utzenstorf werde erst nach der Startsitzung, die demnächst stattfindet, das weitere Vorgehen besprechen.

Wiler und Zielebach auch aktiv dabei

Während Utzenstorf und Bätterkinden Energiestadt werden wollen, sind Wiler (rund 800 Einwohner) und Zielebach (rund 330 Einwohner, Stand Ende 2007) nicht ganz so ehrgeizig. Gemäss Peter Steiner (FW), zuständiger Gemeinderat, hat Wiler zwar das Beakom vergangenen Juni unterzeichnet und auch schon erste Massnahmen umgesetzt, doch geht es der Gemeinde vorab darum, überhaupt einen Beitrag zur besseren Energienutzung beizusteuern.

Ähnlich ist es bei Zielebach: «Ob wir das Beakom noch unterzeichnen werden, darin sind wir uns noch nicht schlüssig», sagt der zuständige Gemeinderat Alfred Reist (parteilos). «Wir machen beim Richtplan Energie mit, weil wir uns verpflichtet fühlen. Wir wollen unserer Nachkommenschaft eine Gemeinde mit Zukunft überlassen.» Je nach Ergebnis des Richtplans werde auch Zielebach Massnahmen umsetzen. (mz/com/lba)

Meistgesehen

Artboard 1