Meier

Unter Druck entscheiden

Schiedsrichter und Unternehmer: Urs Meier sprach in Rheinfelden aus seiner Erfahrung. Peter Hagemann

Urs Meier

Schiedsrichter und Unternehmer: Urs Meier sprach in Rheinfelden aus seiner Erfahrung. Peter Hagemann

Die Rheinfelder Geschäftsstelle der Aargauischen Kantonalbank (AKB) lud zum KMU-Fokus in die Rheinfelder Reha-Klinik. Chefökonom Marcel Koller referierte über die Wirtschaftsaussichten, Urs Meier übertrug Führungsaspekte aus der Fussball- auf die Geschäftswelt.

Peter Hagemann

«Ohne Druck würden wir viele Entscheidungen gar nicht treffen», sagte Regionaldirektor Urs Fässler zur Einführung, und «ohne finanziellen Druck hätte Mozart wohl viele seiner Werke nie komponiert.» Doch gerade für ein dynamisches Finanz- und Wirtschaftssystem brauche es täglich auf allen Ebenen Entscheidungen, um nicht zu stagnieren. Entscheidungen, die eben, ähnlich wie im Fussball, oft unter Druck gefällt werden müssen.

Davon weiss Schiedsrichter Urs Meier ein Lied zu singen, und das tat er denn auch: Eloquent, spritzig und voller amüsanter Fussballanekdoten war sein Referat unter dem Titel «Zwischen den Fronten - entscheiden unter Druck». Seit 1977 leitete Urs Meier Fussballbegegnungen auf fast jeder Stufe, von der Nationalliga A, erstmals 1991, bis hin zur Fussball-WM 2002. Im Dezember 2004 pfiff er in der Schweiz sein letztes Spiel und trat anschliessend altershalber zurück.

Heute ist er Schiedsrichterobmann beim Schweizer Fussballverband. In Wettingen führt Meier seit über zwei Jahrzehnten ein Haushaltgerätegeschäft, mutiert vor einiger Zeit zur Firma Mundart Küchen und Haushaltsgeräte AG, Design-Küchen sind in erster Linie das Geschäftsfeld.

«Schiri» unter Polizeischutz

Der Mann muss also wissen, was er tut, wenn er von «Entscheidungen unter Druck» spricht: Beides kennt er, den Zwang zu blitzschnellen Entscheidungen auf dem Fussballfeld, aber auch die Notwendigkeit, im Geschäftsleben unter Druck Entscheidungen zu treffen. 250 bis 300 Entscheidungen fallen für einen Schiedsrichter während eines Spiels an. Dass dabei auch mal Unmut entstehen kann, erlebte Meier anlässlich eines EM-Qualifikationsspiels zwischen England und Portugal im Jahr 2004: Er traf einen spektakulären Entscheid und wurde im Anschluss daran von englischen Fans und der Boulevardpresse arg bedrängt, mit auf der Palette Morddrohungen und Polizeischutz.

«Selbstregulierung funktioniert im Fussball längst nicht mehr», sagte Meier mit Seitenblick auf die noch in den Kinderschuhen stehenden Bemühungen zur Regulierung im Finanz- und Bankgewerbe. Beim Fussball handle es sich um eine Unterhaltungsindustrie mit grossen finanziellen Einsätzen, da werde nichts dem Zufall überlassen. Die wichtigsten Führungsgrundsätze sind für Urs Meier sowohl auf dem Spielfeld als auch im Geschäftsleben Fairplay, Intuition, Teamwork, Stand- und Durchsetzungsvermögen, Klarheit im Ausdruck und in den Zielsetzungen, Schutz sowohl des Unternehmens als auch der Mitarbeitenden sowie die Fähigkeit, unter Druck rasch und ohne Fallnetz Entscheide zu treffen. «Visionen ohne Taten sind Träume, Taten ohne Visionen verlorene Zeit», sagte Meier dazu.

Schon im vergangenen Jahr hatte AKB-Chefökonom Marcel Koller die allgemeinen wirtschaftlichen Aussichten als eher düster bezeichnet. Am vergangenen Mittwoch zeigte er sich dazu als «verhalten positiv». Noch immer seien viele Probleme in der Finanz- und Bankenwelt nicht gelöst. In seinem Referat zeichnete er ein Bild über die Ursachen der Finanzkrise und über die volkswirtschaftlichen Aussichten in der Zukunft. Die aktuelle Finanzkrise bezeichnete er als Jahrhundertereignis. Trotz dem aktuellen Aufschwung an der Börse müsse mit weiteren Einbrüchen gerechnet werden - «die Abarbeitung der Finanzkrise steht erst am Anfang».

Keine Warnlampen

Eine Rückkehr zu tendenziellem Wachstum erwartet Koller erst 2011. Die Arbeitslosenquoten würden weltweit weiterhin stark ansteigen. Die Zinsen bleiben langfristig tief. Koller empfiehlt Anlegenden, sich vermehrt auf Sachwerte wie Immobilien und Gold zu diversifizieren. Der AKB gehe es trotz Krise gut, sagte Regionaldirektor Lukas Fässler im seinem Kurzreferat: «Auf unser Finanzunternehmen bezogen kann ich sagen, dass wir keine Warnlampen schwenken müssen.»

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