Von Deborah Balmer

Vor acht Jahren ist Tufail aus allen Wolken gefallen: Als er Geld von seinem Konto abheben wollte, war dieses plötzlich gesperrt. Auch auf alle anderen Konti hatte er von einem Tag auf den anderen keinen Zugriff mehr. «Die Bundesanwaltschaft hatte alle meine Konti gesperrt», erinnert sich der Aargauer Arzt.

Der Grund: Verdacht auf Geldwäscherei und der Zusammenarbeit mit der Terrororganisation al-Kaida oder den Taliban, schreibt der «Beobachter». Erst nach einem Jahr hatte die Bundesanwaltschaft damals seine Konti wieder freigegeben und das Strafverfahren gegen ihn eingestellt. «Ich hatte zuvor einen Brief geschrieben, dass ich nichts Verkehrtes getan habe», so der Rheinfelder. Mohammad Tufail ist Schweizer mit pakistanischen Wurzeln. 1956 ist er nach Europa gekommen, hat in Norddeutschland Medizin studiert.

Als Oberarzt gearbeitet

Vor seiner Pensionierung hat der Chirurg und Gründer des Islamischen Zentrums Bern in verschiedenen Schweizer Spitälern als Oberarzt gearbeitet, auch in Rheinfelden. Er hat sich nie etwas zuschulden kommen lassen.
Auch wenn für die Schweizer Behörden klar ist, dass der Chirurg aus dem Aargau nicht der gesuchte Mann ist: Auf der UNO-Terrorliste steht sein Name weiterhin. Zwar hat die UNO mittlerweile das Verfahren verbessert: Wer zu Unrecht auf der Liste steht, kann sich streichen lassen.

Doch sein pakistanischer Namensvetter bleibt weiterhin auf der Liste, da er offensichtlich zu Recht im Verdacht des Terrorismus steht, wie der «Beobachter» schreibt.

Reise nach Mekka

Heute unternimmt der Rheinfelder Mohammad Tufail keine weiten Reisen mehr. «Obwohl ich in Norddeutschland noch Freunde habe.» Auch würde er als gläubiger Muslim gerne einmal nach Mekka in Saudi-Arabien reisen, eine Pilgerreise unternehmen. Doch nicht einmal an die Beerdigung seines Schwagers in Pakistan hat er sich gewagt.

Auch wenn er mittlerweile ein Schreiben der Bundesanwaltschaft besitzt, dass er nicht der gesuchte Terrorist ist, bleibt die Pilgerreise wohl ein Traum.

In Guantánamo landen

«Wenn es einer bei der Grenzwache nicht so gut meint, würde ich vielleicht sogar in Guantánamo landen», befürchtet Tufail. «Denn in solchen Fällen gilt nicht die Unschuldsvermutung, sondern ich müsste beweisen, dass ich nicht der Gesuchte bin.» Es gibt nicht wenige Beispiele von solchen verhängnisvollen Verwechslungen.

Tufails Frau habe gerade ein Buch gelesen von einem Deutsch-Türken, der fünf Jahre unschuldig in Guantánamo sass. Er ist sich sicher: «So etwas kann jedem passieren.» Als er von diesem Buch und dem Fall erfahren habe, habe er den Kopf geschüttelt.

Er selber hat ein Ziel: «Ich suche derzeit nach einer Lösung, dass bei meinem Namen auf der UNO-Liste vermerkt wird, dass ich nicht der Gesuchte bin.» Um sich mit seinem Anliegen innerhalb der UNO Gehör zu verschaffen, brauche er aber die Hilfe von Schweizer Diplomaten. «Sie könnten vielleicht bei der UNO vorstellig werden.» Denn: «Ich bin eingeschränkt in meiner Freiheit.» Wie ein Vogel in einem Käfig fühle er sich manchmal.