Dorfbewohner

Uns stinkts! Die Oberbipper Dorfbewohner haben die Nase voll

Die Dorfbewohner haben die Nase voll

Die Dorfbewohner haben die Nase voll

Daniel Schöni und sein Unternehmen bleiben im Fadenkreuz der Oberbipper Dorfbewohner: Am Dienstag hat eine Bürgerinitiative eine Petition eingereicht. Sie fordert, dass endlich Schluss sei mit dem Gestank der Sauerkrautfabrik. Ein Fünftel der Bevölkerung will, dass es in der Gemeinde aufhört, nach Sauerkraut zu stinken.

Marisa Cordeiro

Wer sich unter «Finefood» etwas vorstellt, dem steigt unweigerlich ein wohlriechender Duft in die Nase. Nicht so den Dorfbewohnern von Oberbipp: Mindestens 238 von ihnen haben die Nase gestrichen voll. Mit einer Petition fordern sie, dass endlich Schluss sei mit dem Gestank der Sauerkrautfabrik Schöni Finefood AG. Zwei Umstände hätten den Protest ausgelöst, halten die Petitionäre fest. Sie haben sich unter dem Namen Bingo — Bürgerinitiative Oberbipp — zusammengeschlossen. Erstens habe die Gemeinde ihr Versprechen vom September nicht eingelöst: Denn bis Ende Oktober hätte der Gestank dank Abluftreinigung abnehmen sollen. Zweitens sei im Herbst ein massiver Gestank aus der Kanalisation hinzugekommen. In dieser Angelegenheit habe inzwischen auch der Regionale Abwasserverband (ARA) interveniert (vgl. Kontext).

«Besonders schlimm in Tiefgaragen»

Vom Gestank aus der Kanalisation sei vor allem das Gebiet Säget südlich der Kantonsstrasse betroffen, sagte Markus Hächler bei der Übergabe der Unterschriften. Zusammen mit Stefan Schaad und Stephan Schnyder hat er die Petition lanciert. Der Gestank setze sich in den Tiefgaragen fest. Eine Frau habe ihm erzählt, dass es sogar der Autohändler gerochen habe, als sie ihren Wagen verkaufen wollte. Derweil ärgert Ruth Rudin, sie wohnt in derselben Gegend, dass selbst frisch gewaschene Wäsche nach dem Trocknen stinkt – für sie, aber auch weitere Dorfbewohner Gründe genug, sich zu wehren.

Keinen Kontakt zur Firma

Der Ansprechpartner sei in solchen Fällen die Gemeinde, rechtfertigt Hächler das Vorgehen von Bingo. Den Kontakt zur Firma hätten sie deshalb bisher nicht gesucht. Hächler hält fest, dass Bingo ursprünglich nur im Säget habe Unterschriften sammeln wollen. Doch das Vorhaben habe sich rasch herumgesprochen. Mitleidende hätten ihn angerufen, um ihren Namen auch auf die Liste zu setzen. Also wurde die Aktion aufs ganze Gemeindegebiet ausgedehnt. Ab Mitte Januar sammelten neun Personen Unterschriften, darunter auch Yvonne Brönnimann. Sie wohnt nahe beim Dorfkern und riecht «den süsslich-sauren Duft» nur bei entsprechender Wetterlage.

Insgesamt 238 Personen, rund ein Fünftel aller Stimmberechtigten, erwarten vom Gemeinderat nun Taten. Sie fordern nachhaltige, technische Lösungen, aber auch Sofortmassnahmen. Der Gemeinderat setzt sich in den kommenden Wochen damit auseinander.

«Man will uns torpedieren»

Enttäuscht von seinen Dorfmitbewohnern zeigte sich Daniel Schöni, Inhaber der Schöni Holding und der Sauerkrautfabrik. Für ein solches Vorgehen habe er wenig Verständnis. Erst am späten Montagabend habe er von der Petition erfahren. Er werde das Gefühl nicht los, dass man ihn und sein Unternehmen «immer aus derselben Ecke» und «auf allen Achsen torpedieren» wolle. Erst am Freitag hatte der Verein Pro Ortsbild und Landschaftsschutz Oberbipp (POLO) verlautbart, dass er, unterstützt durch Bingo, das Projekt der Schöni Transport AG im Gebiet Santiklaus mit allen rechtlichen Mitteln bekämpfen wolle.

Ginge es hier um die Sache, sagt Schöni, würden jene, die sich beeinträchtigt fühlen, den Kontakt suchen, anstatt für medialen Rummel zu sorgen. Wiederholt hält er fest: «Wir jedenfalls verschliessen uns dem Dialog nicht, vorausgesetzt das Gegenüber ist zu einer sachlichen Diskussion bereit.» Was die Abluft angehe, erhalte er auch positive Rückmeldungen. Viele aus dem Dorf – ihn eingeschlossen – empfänden den «je nach Wetterlage wahrnehmbaren, leichten Kochgeschmack» nicht mehr als störend. Es sei auch eine Frage der Einstellung, findet Schöni. Die Haltung mancher Leute erscheint ihm deshalb schizophren: «Alle wollen im Laden frische Trauben kaufen, doch den Verkehr will niemand», vergleicht er.

Schöni ist zuversichtlich, den Gestank aus der Kanalisation in den Griff zu bekommen. Man habe das Problem erst vor einem Monat erkannt. Eine Begehung mit Fachleuten habe stattgefunden. Auch bestehe schon ein Lösungsansatz. «Diese Fabrik fordert uns alle heraus. Denn in der Sauerkrautproduktion gibt es in Europa keine bis wenige Referenzen.» Er hält fest, dass er künftige Investitionen in Oberbipp gut überdenken wird.

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