Dies

Uniformen, Reiterstiefel, Fechtwerkzeug

Traditionsreich: Am Dies Academicus trägt man Farbe. bz-archiv/niz

Dies Academicus

Traditionsreich: Am Dies Academicus trägt man Farbe. bz-archiv/niz

Die Regentschaften der farbentragenden Studentenverbindungen sind stolz, Traditionen pflegen zu dürfen, und räumen Vorurteile über Verbindungen aus dem Weg.

Rolf Zenklusen

«Es gibt schon Leute, die uns belächeln», sagt Student Albin Gygli aus Rodersdorf. «Das liegt daran, dass wir etwas nicht Alltägliches machen.» An der Jahresfeier der Universität Basel, dem Dies Academicus, trägt Gygli heute die Fahne der Akademischen Turnerschaft Alemannia zu Basel. Im Vollwichs marschiert der Erstchargierte (Präsident) der Alemannia beim Fackelumzug mit, der vom Münsterplatz zum Rümelinsplatz führt.

Der Vollwichs der Alemannia besteht aus einer Studentenmütze, Uniformjacke, weissen Handschuhen, weissen, eng anliegenden Hosen, Reiterstiefeln mit Sporen und dem «Paradeschläger», dem studentischen Fechtwerkzeug. «Die Tradition ist das A und O dieses Anlasses», erklärt Gygli, der an der Fachhochschule in Muttenz Life Sciences-Technologien studiert. Klar sei er «ein wenig stolz», die Farben der Alemannia präsentieren zu können.

«Unsere Tracht passt perfekt zum Anlass», bestätigt die Baslerin Sereina Herzog, Präsidentin des Corporierten Convent Basel (CCB) und Mitglied der Akademischen Verbindung Froburger. «Die Professuren treten ja auch im Talar am Dies Academicus auf.» Für Sereina Herzog, die Mathematik studiert hat und jetzt ihre Doktorarbeit schreibt, sind Studentenverbindungen nichts Altmodisches. Gerade die Froburger seien sehr aufgeschlossen, weil auch Frauen dabei sind.

In der Verbindung gehe es darum, Kontakte und Freundschaften zu pflegen. Dass dabei der Alkohol in Strömen fliesst, sei ein Vorurteil, sagt Sereina Herzog vulgo Indovina. «Ich weiss nicht, wie das bei anderen Verbindungen ist. Aber bei den Froburgern sieht man es nicht gern, wenn jemand über den Durst trinkt.» Es gebe in der Verbindung auch Leute, die gar keinen Alkohol trinken.

Ein Thema ist bei der Akademischen Verbindung Froburger auch der Nachwuchs, der immer schwieriger zu rekrutieren ist. «Wegen des Bologna-Modells haben die Studentinnen und Studenten weniger Freizeit», erzählt Herzog. So haben zum Beispiel drei Interessierte abgesagt mit der Begründung, sie fänden nicht genug Zeit, sich zu engagieren, sei es in einer Verbindung oder in einem Verein.

Umstrittene Fechtkämpfe

Schlagzeilen haben letztes Jahr die Studentenverbindungen geschrieben, bei denen Fechtkämpfe zur Tradition gehören. Bei den Kämpfen können Gesichtsnarben entstehen, so genannte «Schmisse». Die Basler CVP-Grossrätin Gabriele Stutz-Kilcher hatte im März 2008 von der Regierung verlangt, die fechtenden Verbindungen nicht mehr am Dies Academicus zuzulassen. Doch darauf war die Regierung nicht eingegangen. «Seither war das nie mehr ein Thema», erklärt Albin Gygli von der Alemannia, wo dieser Brauch noch gepflegt wird. Das Risiko bei den Fechtkämpfen sei berechenbar, «Schmisse» kämen sehr selten vor.

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