Universität Zürich
Uni Zürich bietet Fahrtraining für Senioren

An der Uni Zürich können rund 300 Senioren in den nächsten drei Jahren kostenlos ein Fahrtraining absolvieren. Das Programm wird vom Psychologischen Institut wissenschaftlich ausgewertet.

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Senior am Steuer

Senior am Steuer

Limmattaler Zeitung

Daniel Winter

«Das Autofahren ist ein Problem des Übens und nicht zwangsläufig eines des Alters», sagt der Zürcher Hirnforscher Lutz Jäncke. Der renommierte Uni-Professor widerspricht dem Generalverdacht gegen Senioren am Steuer: «Mit zunehmendem Alter nimmt die Fahrkompetenz nicht prinzipiell ab», so Jäncke. Ausserdem könnten Senioren innerhalb kurzer Zeit ihr Fahrverhalten verbessern. Dies zeigten erste Ergebnisse von Untersuchungen an der Uni Zürich.

Dabei setzten sich die Teilnehmer im Alter zwischen 65 und 75 Jahren mehrmals in einen Fahrsimulator. Die Fahrparameter wie Spurgenauigkeit, Reaktionszeit oder Durchschnittsgeschwindigkeit wurden aufgezeichnet und mit den Messwerten gesunder Erwachsener der Altersgruppe 35 bis 45 verglichen.

Innerhalb des dreitägigen Trainings verbesserten die Senioren ihre Spurgenauigkeit und reduzierten ihre Reaktionszeiten, bilanzieren Jäncke und sein Forscherkollege Martin Keller. Ihre Schlussfolgerung: Dank der ungebrochenen Lernfähigkeit des menschlichen Gehirns sind «Fahrfertigkeiten auch im hohen Alter noch trainierbar und damit optimierbar».

Weitere Erkenntnisse wollen die Zürcher Forscher mit dem Programm «Drive Wise» gewinnen. Gestartet wird im Oktober. Im Verlauf von drei Jahren können rund 300 ältere Menschen kostenlos ein Fahrtraining absolvieren - entweder im Simulator oder mit Fahrlehrern direkt im Strassenverkehr. Personen über 60, die sich dafür interessieren, können sich beim Lehrstuhl für Neuropsychologie des Psychologischen Instituts melden.

Jäncke stellte seine Untersuchungen zum Thema «Fahren im Alter» an einer Pressekonferenz des kantonalen Ombudsmanns vor. Der Bericht korrigiere «das Bild vom älteren Menschen als generell und potenziell gefährlichem Fahrzeuglenker», sagte Ombudsmann Thomas Faesi. Der Entzug des Fahrausweises bei älteren Personen durch das Strassenverkehrsamt habe ihn im vergangenen Jahr in mehreren Fällen beschäftigt.

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