Zoo
Ungewohnte Einblicke in tierischen Alltag

An 17 Posten erfuhren kleine und grosse Besucherinnen und Besucher viel Wissenswertes und Neues über die Zoo-Tiere.

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Zolli-Nacht

Zolli-Nacht

bz Basellandschaftliche Zeitung

Andrea Mašek

Das Erdmännchen steht aufrecht da und dreht unablässig den Kopf. Es denkt wohl: «Was machen bloss all die Menschen hier?» Es ist kurz vor 21 Uhr und eigentlich herrscht um diese Zeit im Zoo Basel sonst Ruhe.

Zumindest Ruhe vor Besucherinnen und Besuchern. Die beiden Brillenbären sind putzmunter, sie sind dämmerungsaktive Tiere. An diesem Samstagabend erhalten sie unverhofft noch ein paar Leckerbissen, Erdnüsschen, weil Zolli-Nacht ist. Gierig verschlingen sie, was ihnen ihre Betreuerin zuwirft. Obwohl die beiden Männchen gut miteinander auskommen, schenken sie sich beim Fressen nichts. Wenn der namenlose Bär dem Chef Nobody ein Nüsschen streitig machen will, lässt dieser ein tiefes Knurren hören und Namenlos verzieht sich laut zetternd.

Auch Bären müssen Diät halten

Zur Freude des Publikums. Eine Menschentraube hängt rund um die Brüstung, hängt an den Lippen der Wärterin, die kompetent über die Tiere informiert. Nebst vielen Fakten erfährt man auch einiges über die Eigenheiten dieser zwei Zollibewohner: Ihr Lieblingsplatz befindet sich 15 Meter über dem Boden, der eine ist etwas wasserscheu und sie müssen auf ihre Linie achten und deshalb im Sommer pro Woche einen Salattag einlegen - was sie gar nicht mögen.

Während die Erwachsenen weiterziehen wollen, fragen die Kinder der Wärterin Löcher in den Bauch. Sie wollen wissen, wie alt die Bären sind, wie alt sie werden, was sie fressen usw. Ebenso wissbegierig sind die Kinder bei den Fischottern. Diese ziehen vor dem Eindunkeln eine tolle Synchronschwimmschau ab. Die Gesichter wenden sich aber von ihnen ab, als sie genüsslich weisse Mäuse verspeisen.

«Oh nein», ruft ein Mädchen vor dem Pelikangehege, «der Vogel hat keinen Kopf mehr.» Alles lacht. Die Mutter erklärt der Tochter, dass der Pelikan den Kopf ins Gefieder gesteckt hat und schläft. Die Javaneraffen hingegen sind noch munter. Sie streiten sich. Das sei eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen, sagt die Expertin, die hier Auskunft gibt. Das heisst, sie fragt und die Umstehenden antworten. Erstaunlich, was die kleinen Besucherinnern und Besucher wissen. Sie staunen aber, als sie hören, dass die Affen keine Läuse haben. Sie kratzen sich, um sich von alter Haut zu befreien. Die Erwachsenen schmunzeln über die Erkenntnis, dass «Supradin 50 Plus» auch bei den Affen wirkt.

Allerdings nicht mehr um diese Zeit. Gegen 22 Uhr ist es doch still geworden, die Javaneraffen haben sich buchstäblich zur Ruhe gesetzt. Auch das Storchengeklapper ist verhallt. Ein einziger Seelöwe gleitet noch durchs Becken. Ist es wohl jenes Weibchen, von dessen wunderschönem Blick der Betreuer schwärmt? Schaurig schön ist der Totenkopfschwärmer, ein riesiger Nachtfalter, der wohl erst aktiv wird, wenn die Menschenmenge den Zoo um Mitternacht verlassen hat.