Ungewisse Zukunft

«Lysistrada» klärt Sexarbeiterinnen und ihre «Freier» über gesundheitliche Risiken auf. (Bild: zvg)

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«Lysistrada» klärt Sexarbeiterinnen und ihre «Freier» über gesundheitliche Risiken auf. (Bild: zvg)

2088 Sexarbeiterinnen wurden von den Lysistrada-Frauen erreicht, in 32 Bordellen haben sie Zugang: Dies die positive Bilanz zum Abschluss des kantonsweiten Pilotprojekts nach zwei Jahren Gesundheitsvorsorge im Sex-Milieu. Noch ist aber offen, ob die Kantonsregierung das Projekt weiter finanziell unterstützt.

Cornelia Nussbaum

In Olten sind die Lysistrada-Frauen schon lange bekannt. Früher kämpften sie mit ihrem Bus in der Oltner Industrie für die Anliegen der Sexarbeiterinnen. Stellten ihnen Präventions- und Informationsmaterial zur Verfügung. Vor zwei Jahren hat der Verein seine Tätigkeit auf den ganzen Kanton Solothurn ausgedehnt - ohne Bus, dafür mit vier Mediatorinnen, die verschiedenste Sprachen sprechen, keine Berührungsängste haben und so den Zugang zu ausländischen Sexarbeiterinnen schaffen.

In den vergangenen zwei Jahren - während des Pilotprojekts - erreichten die Frauen vom Verein Lysistrada 2088 Sexarbeiterinnen. Es fand jeweils ein persönlicher Kontakt statt. Fragen konnten geklärt werden und alle erhielten - wenn möglich in der Muttersprache - das Infoheft «Stella». Darin finden betroffene Frauen Informationen rund um die Gesundheitsprävention. Die Broschüre wird von der Aids-Hilfe Schweiz herausgegeben.

Die Aids-Hilfe Schweiz stellt nicht nur das Info-Material gratis zur Verfügung, sondern bildet die Mediatorinnen (Dolmetscherinnen) jährlich weiter. Rein Jan Piso, Infektiologe am Kantonsspital Olten, bot der Koordinatorin Regula Berchtold und den Mediatorinnen ebenfalls eine Weiterbildung an. Zusammen mit der Heilsarmee soll in Solothurn zukünftig monatlich ein Mittagstisch für Sexarbeiterinnen stattfinden.

Angebot nicht ausbauen

In 32 von 35 Etablissements im ganzen Kanton wurde den Lysistrada-Frauen Zugang gewährt. Plakate und Kondome konnten so an den «Mann» gebracht werden, verbunden mit Informationen rund um den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Auf der dritten Schiene organisierte der Verein ein Labor und fünf Ärzte, welche die Frauen anonym und unkompliziert untersuchten. In zehn Monaten wurde das Angebot von 18 Frauen genutzt.

Regierungsrat wartet Evaluationsbericht ab

Nun will der Verein laut Tanya Mezzera nicht das Angebot weiter ausbauen, sondern das Bewährte soll sich etablieren. Die weitere Finanzierung und damit das Projekt ist jedoch noch ungewiss. Im August 2006 hatte der Regierungsrat für die zweijährige Pilotphase 174 000 Franken aus dem Lotterie-Fonds bewilligt. Der Regierungsrat wolle, so Mezzera, zuerst noch den abschliessenden Bericht der Fachhochschule Nordwestschweiz zur Evaluation des Pilotprojektes im Herbst dieses Jahres abwarten. Der vorliegende Zwischenbericht fiel überaus positiv aus. Sie seien also zuversichtlich.

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