Matzendorf
Ungetüme auf den Feldern

Die drei Dreschmaschinen der Lohndrescherei Ledermann und Schöni stehen derzeit kaum still. Dieses Jahr fällt die Ernte sehr gut aus, freuen sie sich. Doch wie funktioniert das Dreschgeschäft?

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Die Drescher
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Dreschen Dreschen
Cockpit Sicht aus dem Cockpit

Die Drescher

Solothurner Zeitung

Fränzi Rütti-Saner

Sie sind sicher auch schon in sommerlichen Abendstunden hinter einer weit ausladenden Dreschmaschine mit 20 km/h her gefahren und haben sich gefragt, was dieses Ungetüm denn eigentlich auf der Strasse zu suchen hat. Und wie geht dieses Dreschgeschäft eigentlich vonstatten? Die beiden Kompagnons Ueli Schöni und Heinz Ledermann, beide Landwirte in Matzendorf, können darüber berichten. Sie betreiben eine Lohndrescherei und dies seit 1988. «Angefangen hatten wir zunächst mit vier Maschinen», berichtet Heinz Ledermann, «heute arbeiten wir noch auf dreien». «Wir», das sind die beiden Bauern und der junge Raphael Schöni, ausgebildeter Landwirtschaftsmechaniker, der dieses Jahr in seiner zweiten Saison als Lohndrescher mithilft.

Flexibilität gefragt

«Wir bedienen nur die Landwirte im Thal», erzählt Ledermann, denn es habe sich im Laufe der Jahre so eingespielt. Mit ihren drei Dreschmaschinen können sie die anfallenden Dresch-Aufträge innert nützlicher Fristen erledigen. Die Arbeit gestaltet sich folgendermassen: Wenn die bestimmte Frucht eines Bauern reif ist und den richtigen Feuchtigkeits-, respektive Trockenheitsgehalt aufweist, wird der Lohndrescher avisiert. Der Feuchtigkeitsgehalt der Frucht entscheidet schlussendlich auch den Preis, den der Bauer für seine Frucht bekommt. 14,5 Prozent Feuchtigkeit darf das Korn aufweisen. Kommt es mit einem höheren Feuchtigkeitsgehalt zur Sammelstelle, muss es auf Kosten des Bauern nachgetrocknet werden. «Ein erfahrener Bauer kann den Feuchtigkeitsgehalt seines Getreides gut selbst feststellen, sagt Jonas Zürcher, Fachmann für Landbau am Wallierhof in Riedholz. Es gebe aber auch Handgeräte zur Prüfung, die direkt auf dem Feld einsetzbar seien.

«Ist die Dreschsaison da, müssen wir sehr flexibel reagieren können», berichtet Ledermann, denn vielfach sind natürlich die Felder unterschiedlicher Bauernnaturgemäss zur gleichen Zeit erntebereit. «Dadurch, dass aber im Thal auch auf höheren Lagen Frucht angebaut wird, fallen auch unterschiedliche Reifezeiten an.» Doch wenn an einem heissen Sommertag eine Gewitterfront aufziehe, arbeite man einfach so lange es ginge. Beispielsweise waren die Drei vor Tagen einmal bis morgens um 2 Uhr beim Dreschen, denn die Arbeit musste noch vor einer Kaltfront mit massivem Regen abgeschlossen werden.

Gut einteilen ist wichtig

Der Lohn-Drescher will vorgängig wissen, wie viel Hektaren welcher Frucht er zu dreschen hat und er verlangt vom Landwirt, dass dieser einen Abladewagen neben dem Feld bereitstellt. «So können wir den Arbeitsaufwand einschätzen und das Tagesprogramm machen», sagt Ledermann. Wesentlich bei der Einteilung der Arbeit sei auch das Einberechnen der Anfahrtswege, denn mit dem grossen Gefährt ist man bloss mit 20 km/h unterwegs. Die Dresch-Saison geht mit Raps und Futtererbs los. Ledermann: «Raps ist relativ heikel zu dreschen. Die Schoten müssen hoch abgeschnitten werden und dürfen nicht zerdrückt werden. Das verlangt einen erfahrenen Drescher.» Immer wieder geschieht es auch, dass die Dreschmaschine beim Einsatz beschädigt wird. «Meist sind es Steine, die in die Messerbalken gelangen und diese verbiegen können.»

Ähnlich einem Rasenmäher fährt der Drescher systematisch durch das Feld. Die Ähren werden mit der rotierenden Haspel aufgerichtet und in die Messerbalken transportiert. Die so genannte Einzugsschnecke und ein kurzes, schräges Förderband transportiert dann das Erntegut Richtung Dreschtrommel, wo das Korn aus den Ähren gedroschen wird. Verschiedene Schüttler und Siebe, sowie ein Gebläse sorgen dafür dass Stroh und Korn getrennt werden. Das Korn fällt in in der Maschine in einen Sammelbehälter, das Stroh wird nochmals gehäckselt und wieder auf den Feld-Boden fallen gelassen.

Stroh wird immer wertvoller

Das so anfallende Stroh holen die Bauern dann in der Regel selbst ein. Meist wird es auf Rundballen gepresst. «Viele Bauern achten heute viel mehr darauf, dass beim Dreschen einwandfreies Stroh entsteht, denn Stroh ist teuer», erzählt Ledermann, und zwar so teuer, dass er manchmal fast das Gefühl habe es sei wichtiger als das Korn. Früher sei es viel öfter nach der Ernte einfach in die Humusschicht eingearbeitet worden.

Im ganzen Kanton Solothurn werden derzeit gut 7000 ha Getreide angebaut, erklärt Jonas Zürcher. Dieses Jahr sei eine besser als durchschnittliche Ernte zu erwarten. Wie viel der jeweilige Landwirt für sein Getreide schlussendlich bekommt, entscheide sich erst im kommenden Frühjahr, sagt Zürcher. «Erst dann wird klar, welchen Preis die jeweilige Sammelstelle, meist die Landi, von den Mühlen bekomme und wie viel diese dann den Bauern weitergeben.